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TV-Serie Spochtipedia: Schach auf zwei Rädern gibt's beim Fahrradtrial (Fotos/Video)

(Trassem) Sie hüpfen und springen über Felsen, Betonröhren oder Autos: Sportler, die Fahrradtrial betreiben, brauchen Mut und Köpfchen. Dossier zum Thema: Spochtipedia

06.09.2017
Mirko Blahak
Ihr Revier liegt zwischen dem Sportplatz und dem kleinen Stausee. Was auf den ersten Blick aussieht wie wild abgeladener Stein- und Betonschutt, ist genau so konzipiert. Der Trialpark Trassem (Kreis Trier-Saarburg) ist ein großer Spielplatz für Artisten auf zwei Rädern. In mehreren mit Felsbrocken, Betonröhren, Reifen, Baumstämmen und Autos gestalteten Bereichen können sich die Fahrradtrial-Sportler austoben.

"Fahrradtrial ist etwas Besonderes, das nicht jeder kennt. Man kann bei jedem Wetter fahren und überall trainieren. Die Abwechslung macht den Sport so attraktiv", singt der 17-jährige Albert Lehnert aus Mannebach ein Loblied auf den Sport, zu dem er vor knapp fünf Jahren durch seinen jüngeren Bruder Nils gekommen ist.

Mehr zum Thema: Fahrtechniken im Fahrradtrial
Trial - ein Wort für mehrere Wettkampfdisziplinen
Premierenfieber in Trassem 

Zum Einsatz kommen Fahrräder, die nur von Weitem so aussehen wie handelsübliche Straßenmodelle. Der größte Unterschied: Trialräder haben keinen Sattel! Vom Aussehen her ähneln sie einer Mischung aus BMX-Rad und Mountainbike. Es gibt 20-Zoll- und 26-Zoll-Räder. Dank eines Alurahmens wiegen sie nur sieben Kilo. Sie haben hydraulische Bremsen, keine Federung, einen niedrigen Reifendruck, keine oder nur wenige Gänge, hohe Tretlager und eine insgesamt flache Geometrie. All das soll das Manövrieren der Fahrräder über Hindernisse hinweg erleichtern. Gebrauchte Modelle sind im Internet für 150 Euro zu ersteigern. Topmodelle schlagen dagegen mit rund 2500 Euro zu Buche.



"Als Erstes muss man sich ans Rad gewöhnen. Das Fahrgefühl ist instabiler als auf einem Straßenrad. Dann fängt man an, Hindernisse zu umkurven, um ein Gespür für die Balance zu bekommen", nennt der zwölfjährige Nils Lehnert die ersten Lernschritte. Später werden die Schwierigkeitsgrade erhöht: mit dem Rad auf der Stelle stehen bleiben, Drehbewegungen, erste Sprünge auf Holzbohlen und Paletten, das Hüpfen auf dem Hinterrad.

"Aus dem Stand sind Sprünge bis zu 1,40 Meter möglich. Um das zu können, muss man aber ein bis zwei Jahre trainieren", sagt Michael Denis. Der 45-Jährige hat 2010 die Fahrradtrial-Abteilung in der DJK Trassem aus der Taufe gehoben. Bis heute ist die Zahl der aktiven Mitglieder auf rund 50 gestiegen. Den nächstgelegenen Verein gibt’s erst in Saarbrücken. Die Sportler sind zwischen fünf und 50 Jahre alt.

"Ich vergleiche Fahrradtrial gerne mit Schach. Bevor man loslegt, muss man sich den besten Weg über die vor einem liegenden Hindernisse suchen. Wer unvorbereitet losfährt, wird hinfallen. Fahrradtrial - das ist zu 80 Prozent Kopfsache und zu 20 Prozent eine Frage des Mutes. Selbstbewusstsein ist das A und O. Der Körperbau ist völlig irrelevant", sagt Denis.

Bei Wettbewerben müssen die Sportler sogenannte Sektionen bewältigen - also kleinere Strecken mit mehreren Hindernissen, für die man im Schnitt rund zwei Minuten braucht. Wer mit dem Fuß den Boden oder ein Hindernis berührt, kassiert einen Fehlerpunkt. Wer sich fünf Fehlerpunkte einhandelt, muss die Sektion abbrechen. Pro Wettkampf gibt es mehrere Sektionen, die mehrfach absolviert werden müssen.

Der Trialpark in Trassem umfasst laut Denis rund 1000 Quadratmeter. Die Sportler tragen zum Schutz einen Helm, Schienbeinschoner und teilweise auch Rückenprotektoren. Fahrradtrial - ein gefährlicher Sport? Albert Lehnert verneint: "Es gibt mal blaue Flecken oder Schürfwunden durch die Pedale. Gravierenderes ist mir noch nicht passiert."
Lust auf Bewegtbilder?
Im Video zeigen wir Impressionen des Fahrradtrial-Sports.
Die Adresse:
www.volksfreund.de/spochtipedia
Extra: DER SPORT VON A BIS Z

Von Aikido bis Zumba, von Boccia bis Yoga: Es gibt weltweit mehr als 250 Sportarten. Die meisten davon werden auch in der Region Trier betrieben. Der TV stellt in der Serie "Spochtipedia - alles, was Sport ist!" jede Woche eine davon vor - und zwar nicht in alphabetischer Reihenfolge. Nach Fahrradtrial geht es weiter: Lesen Sie am Mittwoch, 13. September, was hinter der japanischen Kampfkunst Aikido steckt.