/dossier/default

Völlig losgelöst ... - Spochtipedia heute: Trampolinturnen

(Wittlich) Trampolinturner erleben kurze Gefühle der Schwerelosigkeit. Damit es mit dem ersten Salto klappt, ist aber manches zu beachten. Dossier zum Thema: Spochtipedia

05.07.2017
Mirko Blahak
Wittlich Sie sind inzwischen in immer mehr Gärten zu finden. Trampoline für den Hausgebrauch. 3,50 Meter im Durchmesser, mit einem Sicherheitsnetz drumherum. Zu haben für 200 bis 400 Euro und geeignet für den Freizeitvertreib.
Mit richtigem Trampolinturnen hat das Gehopse hinter der Terrasse aber nichts zu tun. Das macht Dorothea Mayer deutlich. Sie ist seit mehr als 40 Jahren Übungsleiterin. "Wer auf dem Gartentrampolin einen Fehler macht, fällt hin - und gut ist es. Bei Trampolinen für den Wettkampfsport ist die Rückfederung des Tuchs ganz anders. Wer da nicht richtig auf die freiwerdende Energie reagiert, kann Probleme bekommen", sagt Mayer. Deshalb gilt: Richtiges Trampolinturnen ist kein Sport, der ohne Beaufsichtigung betrieben werden sollte.
Die Sportgeräte sind imposant. Das Sprungtuch ist mehr als vier Meter lang und mehr als zwei Meter breit. Es besteht aus Nylonbändern, verspannt ist es mit Stahlfedern. Kostenpunkt: rund 6000 Euro.
Zu Besuch in der Sporthalle der Berufsbildenden Schule in Wittlich. An diesem Abend sind dort zwei der großen Trampoline aufgebaut, verbunden und abgesichert mit Matten. Es ist Training der Wettkampfgruppe des Wittlicher TV, der seit Anfang der 1970er Jahre Trampolinturnen anbietet.
Die Schützlinge der Übungsleiterinnen Mayer und Heike Müller sind jung - zwischen sechs und 15 Jahre alt. Mit dabei sind Mädchen und Jungs. "Wir verlieren leider viele im Alter von 16, 17 Jahren oder später durch den Wegzug wegen eines Studiums. Wir haben schon Nachwuchssorgen", sagt Mayer.
Wer den Sport aktiv betreibt, ist aber begeistert. "Der kurze Moment des Fliegens macht das Trampolinturnen so reizvoll", sagt Müller. Marius Pesch aus der Wettkampfgruppe pflichtet bei: "Man bekommt ein Gefühl der Schwerelosigkeit." Katharina Trossen nennt noch einen anderen Grund, warum das Trampolinturnen Anziehungskraft ausübt: "Es ist ein Sport, den nicht jeder macht."
Ob sich Erfolge schnell oder langsam einstellen, hänge vom Talent jedes Einzelnen ab, sagt Mayer: "Manche können schon nach zwei oder drei Trainingseinheiten einen Salto, bei anderen dauert es ein halbes Jahr."
Die erste Lektion für jeden Anfänger: hochspringen und stoppen. Dann steigert sich der Schwierigkeitsgrad peu à peu: Hocke, Bücke, Grätsche, eine halbe Schraube, eine ganze Schraube. Zuerst werden Übungen mit Fußlandung gemacht, Fortgeschrittene bauen Sitzlandungen mit ein.
Der optimale Absprungpunkt in der Tuchmitte ist mit einem roten Kreuz gekennzeichnet. Drumherum ist ein Rechteck markiert. Wer droht, dort rauszuspringen, wird mit einer durch eine Aufsichtperson eingeworfenen Matte abgebremst.
"Anfangs ist der Sport nicht so einfach, weil man erst die richtige Körperspannung lernen muss. Wenn man die aber drin hat, ist es einfacher, sie auf andere Sprünge zu übertragen", sagt Trossen.
Die Sportler des Wittlicher TV sind immer wieder bei Gau-, Landes- und Rheinland-Pfalz-Meisterschaften erfolgreich. Mayer: "Bei Wettkämpfen gibt es Pflicht- und Kürübungen." Dabei sind zehn Elemente zu zeigen, direkt hintereinander, ohne Zwischensprünge.
Bei der Pflicht werden unter anderem Haltung und Höhe bei den Sprüngen bewertet. Interessant: Die Höhe (bis zu sieben Meter (!)) wird über die Flugzeit mittels eines Messgeräts bestimmt. Bei der Kür wird darüber hinaus der Schwierigkeitsgrad bei der Bewertung hinzugezogen. Im Spitzenleistungsbereich werden bei internationalen Wettkämpfen Kürübungen aus Dreifachsaltos und Doppelsaltos gezeigt. Ein Doppelsalto rückwärts gehockt bringt beispielsweise einen Schwierigkeitspunkt.
Mayer gibt ein Beispiel zur Einordnung: "Während bei Weltmeisterschaften Kürübungen mit Schwierigkeitsgraden zwischen 16 und 18 gezeigt werden, kommt man auf unserer Ebene auf Werte von vier bis fünf."
Was zunächst vielleicht ungewöhnlich klingt: Nicht nur Technik und Ausführung sind wichtig, sondern auch eine gute Atemtechnik. Und: Barfuß wird nicht geturnt - anders als vielleicht auf den Gartentrampolinen. Stattdessen kommen an den Füßen Socken und Schläppchen zum Einsatz.
Für wen sich das Trampolinturnen eignet, erzählen Dorothea Mayer und Heike Müller in unserem Video. Dort zeigen ihre Schützlinge auch ihr Können.
Extra: TRAMPOLINTURNEN IN DER REGION

In der Region Trier bieten der Wittlicher TV und der SFG Bernkastel-Kues (wettkampforientiertes) Trampolinturnen an. Mehr Informationen zu Kursen und Ansprechpartnern gibt’s online: Wittlicher TV: www.wittlicher-tv.de/sportangebot/trampolin SFG Bernkastel-Kues: sfg-bks.de/wettkampfsport/trampolin