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Wasserski: Von denen, die übers Wasser laufen

(Pölich/Trier) Im heutigen Teil der Spochtipedia-Serie dreht sich alles ums Thema Wasserski. Der TV hat dafür echte Legenden des Sports in der Nähe von Trier getroffen. Dossier zum Thema: Spochtipedia

09.08.2017
Lucas Blasius
 "In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See." So beschreibt Matthäus in der Bibel die berühmte Geschichte, wie Jesus über das Wasser gegangen sein soll. Matthäus fährt fort, wie Petrus das Kunststück ebenfalls versucht, aber beinahe ertrinkt. Es soll noch Jahrhunderte und viele wissenschaftliche Versuche lang dauern, bis es tatsächlich einem Menschen gelingt, das biblische Wunder zu entzaubern und ebenfalls, gewissermaßen, über das Wasser zu gehen. Angefangen hat das im 16. und 17. Jahrhundert mit aufgeblasenen Hosen und mit Schuhen in Form kleiner Boote. Es folgten Wasserski mit Flossen und solche, die mit Rudern angetrieben wurden, breite Holzschuhe und an den Füßen befestigte Schwimmer. Erst um das Jahr 1900 erfand Gottlieb Daimler die ersten modernen Wasserski, deren Fahrer von einem Boot gezogen wurden.

Es war der erste Schritt dazu, dass Menschen auf der ganzen Welt über das Wasser laufen konnten - zumindest fast wie in der Bibel. Mittlerweile ist Wasserski weltweit bekannt. In Deutschland sind etwa 8000 Menschen in Wasserski-Vereinen angemeldet. Die Zahl derjenigen, die sich zumindest einmal daran versucht haben, ist wohl noch um ein Vielfaches größer. Eines der besten Gebiete zum Wasserskifahren in Deutschland ist die Mosel rund um Trier. Sie ist besonders beliebt für ihre gemäßigte Strömung an der Oberfläche und das glatte Wasser. Viele Vereine und Schulen rund ums Wasserskifahren haben sich deshalb hier angesiedelt.

So auch Familie Kirsch. Stefanie und Franz Kirsch sind mehrfache Welt-, Europa- und Deutschlandmeister im Wasserski - Stefanie Kirsch hat mit dem silbernen Lorbeerblatt die höchste Auszeichnung für sportliche Verdienste der Bundesrepublik verliehen bekommen, Franz Kirsch wurde in die Hall of Fame des Internationalen Wasserskiverbands (IWSV) aufgenommen und auch Tochter Jaqueline ist sehr erfolgreich in diesem Sport. Ihre Medaillen und Urkunden bewahren sie zu Hause auf, sie hängen teils durcheinander an der Wand, teils stehen sie leicht verstaubt wie ein altes Familienfoto auf einem Regal. Der Ruhm dieser Auszeichnungen zählt für beide nicht so viel wie der Spaß an dem Sport.
Bis vor einiger Zeit hatten die Kirschs auch eine Wasserskischule in Schleich an der Mosel. Zu Gast waren amerikanische Millionäre, einfache Urlauber und Berühmtheiten wie der ehemalige Chefarzt des Fußball-Weltverbands (Fifa) Jiri Dvorak. Aus Zeitgründen haben sie die Schule mittlerweile verkauft.

Dass die neuen Besitzer schon bald bankrottgegangen sind, ärgert Franz Kirsch bis heute. Wenn er selbst auf dem Wasser unterwegs ist, dann meist barfuß. Ohne Bretter braust er dabei mit 60 bis 70 Stundenkilometern über das Wasser und vollführt dazu Kunststücke. Es ist die schnellste Variante des Wasserskis. Andere Arten sind das klassische Fahren auf zwei Skiern, auf einem Ski oder auf dem Wakeboard. Dies ist vergleichbar mit einem Snowboard und macht mittlerweile etwa zwei Drittel des Wasserski-Sports weltweit aus.

"Barfuß macht es am meisten Spaß", findet Franz Kirsch, "es ist aber auch am schwierigsten. Weh tut es an den Füßen nicht, es massiert vielmehr. Nur, wenn man noch nie oder lange Zeit nicht mehr gefahren ist, hat man danach so etwas wie Muskelkater im Fuß. Wir nennen das scherzhaft Sockenbrand".

Den Sport kann man aber auch genießen, ohne selbst nasse Füße zu bekommen. In Pölich unweit von Trier ist das "Erste Deutsche Wasserski Show Team" beheimatet. Seit vielen Jahren präsentieren die Mitglieder Shows mit besonderen Stunts, bunter Beleuchtung oder neuen Rekorden. Zur Eröffnung der Frauenfußball-WM 2011 in Frankfurt waren sie ebenso vertreten wie beim Weltrekord, als 30 Wasserskiläufer gleichzeitig von einem Flusskreuzfahrtschiff über die Mosel gezogen wurden. Scheinbar typisch für den Sport genießt der Vorsitzende Peter Scheffer bei diesen Auftritten aber mehr die Erlebnisse und die Reisen an sich als die Verdienste darum. Mit seinem Freund Dirk Mischok führt er eine Wasserski-Schule in Pölich - bei Regen sitzen sie manchmal zusammen in einem Caravan auf dem Pölicher Campingplatz, schauen auf die Mosel und unterhalten sich über die wärmeren Länder der Welt: "Am Mittelmeer wollte ich aber auch keine Schule haben, gerade auf Kreta. Alle 200 Meter hast du da schon einen Anbieter, einen pro Hotel." Sobald sich das Wetter bessert, gehen die beiden dann selbst wieder aufs Wasser. Ob Jung oder Alt, sie freuen sich über jeden, dem sie den Sport näherbringen können.

Auch Franz Kirsch erzählt gerne, dass seine Tochter bereits mit zwei Jahren auf Wasserskiern stand und der älteste Kunde seiner Schule 93 Jahre alt war: "Der hat so mit 40 erst angefangen, aber das zeigt nur: Wasserski ist nicht schwierig. Wir hatten in unserer Schule die ‚Garantie to ski’. Wer es nach dem ersten Kurs nicht konnte, musste nicht zahlen. Bis zum Schluss hat jeder bezahlt."

Bei all dem attestiert Kirsch dem Sport auch keine körperlichen Nachteile: "Im Gegensatz zum richtigen Skifahren kann man sich beim Wasserski fast gar nicht verletzen. Und es ist längst nicht so anstrengend." Kirsch, selbst mittlerweile 75, fährt nach Möglichkeit noch mehrmals die Woche barfuß über die Mosel.

Ob er seinen bisher ältesten Kunden mit dann 94 Jahren einmal überbieten können wird, weiß er nicht. Er ist sich aber sicher, dass der Sport ihn jung hält: "Man ist draußen, bewegt sich und bekommt über dem Wasser besonders viel Sauerstoff ab. Solange ich kann, möchte ich weitermachen."

Mehr zum Thema: Unser Reporter hat den Selbstversuch gewagt, hier gibt es seinen Bericht.

Extra: Wer selbst mal Wasserski fahren möchte, hat an der Mosel eine gute Auswahl. Allein rund um Trier finden sich gleich vier verschiedene Anbieter. Eine Übersicht: 1) Wasserski Club Pölich: www.wasserski-schule.de 2) Post-Sportverein Trier: www.wasserski-trier.de 3) Wakepark Triolago: www.wakepark-triolago.de Yacht- und Wassersportclub Schweich: www.yachtclub-schweich.de