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Käpt'n Huck gegen Usyk chancenlos

(Berlin (dpa)) Olympiasieger und WBO-Weltmeister Alexander Usyk wird seiner Favoritenrolle zum Auftakt des Turniers um die Muhammad-Ali-Trophäe gerecht: Ex-Titelträger Marco Huck ist ohne Chance - und verbreitet danach Missstimmung.

10.09.2017
Von Andreas Zellmer, dpa

Käpt'n Huck ist untergegangen. Für den Berliner Profiboxer Marco Huck war die mit großem Tamtam ins Leben gerufene Turnierserie um die Muhammad-Ali-Trophy bereits nach dem ersten Kampf beendet.

Der Ex-Weltmeister war gegen den WBO-Titelträger Alexander Usyk aus der Ukraine in seinem «Wohnzimmer», der Max-Schmeling-Halle, chancenlos. Nach 2:18 Minuten der 10. Runde stoppte US-Ringrichter Robert Byrd den ungleichen Kampf und führte den benommenen Huck in seine Ecke.

«Ich muss das erst mal sacken lassen. Nach dem Urlaub sehen wir weiter», gab der Geschlagene nach der Tracht Prügel zu Protokoll. Die Zeichen stehen beim 32-Jährigen nach seinem 41. Profikampf - die meisten können mit dem Prädikat Ringschlacht versehen werden - auf Abschied. Huck kassierte innerhalb von fünf Monaten die zweite deutliche Niederlage.

Der zwei Jahre jüngere und um einen halben Kopf größere Olympiasieger aus Kiew startete vorsichtig. Ab Runde drei war die Sache klar, die Rollen waren verteilt. Der versierte Techniker Usyk, der vielleicht nicht so hart schlagen kann wie angenommen, kannte nur den Vorwärtsgang und «bediente» Huck reichlich. Die Mehrzahl der 5890 Besucher war auf der Seite des Super-Boxers aus dem Management der Klitschkos.

Erst recht nach einem bösen Foul Hucks in der achten Runde, als er auf den gestrauchelten Usyk nachschlug. Der Ringrichter verwarnte den Ex-Weltmeister und bestrafte ihn mit einem Punktabzug. «Er hätte liegen bleiben können und den Kampf gewonnen, weil Huck disqualifiziert worden wäre. Aber Usyk wollte kämpfen und nicht früher duschen gehen - davor ziehe ich den Hut», sagte Kalle Sauerland, der die World-Boxing-Series (WBBS), in der die acht weltbesten Cruiser- und Supermittelgewichtler um die Trophäe boxen, initiiert hatte.

Huck, der immerhin länger durchhielt, als ihm die meisten zugetraut hatten, sammelte auch nach dem Kampf Minuspunkte. Zur nächtlichen Pressekonferenz erschien er lange vor dem Sieger und ließ verbreiten, Usyk wolle nicht mit ihm an einem Tisch sitzen. Der Ukrainer klärte 20 Minuten nachdem Huck verschwunden war, auf: Die Dopingkontrolle habe einfach etwas gedauert, und er würde den Unterlegenen - «wenn er fit ist» - am Sonntagmorgen gern zum Frühstück einladen.

Huck hatte registriert - wahrscheinlich so ziemlich als Einziger - dass «meine Schläge Usyk erschüttert haben. Leider konnte ich nicht nachsetzen - die Aufregung hat mich gebremst.» Ein bemerkenswerter Satz für einen Boxer, der seine WM-Titel 14 Mal verteidigte und die Max-Schmeling-Halle wie seine Westentasche kennt. Usyk bemerkte später dazu spitz: «Wenn Tief- und Nackenschläge mitzählen, hat Huck mit seiner Einschätzung sicher recht.»

Sauerland fand das Verhalten seines Ex-Schützlings Huck «peinlich». Schon beim Face-to-Face für die Fotografen am Mittwoch hatte sich der Berufsboxer nicht gerade als der perfekte Gastgeber präsentiert und Usyk rüde weggeschubst, garniert mit einer Drohung.

Im Turnier-Halbfinale wartet auf den Ukrainer jetzt der Sieger der Begegnung zwischen dem Huck-Bezwinger vom April, Mairis Briedis (Lettland), und dem Kubaner Mike Perez. Die Kämpfe werden im K.o.-Modus ausgetragen. Wer den Pokal will, muss dreimal gewinnen. Das Finale ist für Mai 2018 terminiert.