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Datum: 09. September 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Standpunkt
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Abfall und Hunger

Lebensmittel wirft man nicht weg. Den meisten von uns dürfte dieser Satz aus Kindheitstagen geläufig sein. Wir haben ihn von unseren Eltern oder Großeltern gehört, von jenen Generationen, die in Kriegs- und Nachkriegsjahren Hunger noch kennengelernt haben. Heute wird der überwiegende Teil der Nahrung als Massenware produziert.

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Das Angebot in Supermärkten ist makellos und unerschöpflich. Ob Erdbeeren zu Weihnachten oder Exotisches das ganze Jahr über - in den Industrieländern ist immer alles zu jeder Zeit verfügbar. Denn Lebensmittel reisen um die ganze Welt. Aber was in einer solchen Fülle und Vielfalt vorhanden ist, ist nichts Besonderes mehr, verliert an Wertschätzung. In diesen Tagen macht ein Dokumentarfilm von sich reden, der am Donnerstag in den deutschen Kinos gestartet und vom 22. bis 28. September auch im Trierer Broadway-Kino zu sehen ist. Drehbuchautor und Regisseur Valentin Thurn verfolgt in seinem Streifen "Taste the waste" (zu Deutsch: "Schmecke den Abfall/Überfluss") unsere unglaubliche Verschwendung entlang der Wertschöpfungskette, angefangen von der landwirtschaftlichen Erzeugung über Verarbeitung und Handel bis hin zu privaten Haushalten. Bereits aus Vorab-Informationen und Filmauszügen wird deutlich, mit welcher Selbstverständlichkeit wir Nahrungsmengen produzieren, von denen wir ein Drittel bis die Hälfte wieder in die Tonne treten. Die Zahlen decken sich übrigens auch mit Angaben der Welternährungsorganisation. Allein in Deutschland landen 20 Millionen Tonnen Essen auf dem Müll. Das meiste davon nicht etwa, weil es verdorben ist, sondern weil es Schönheitsfehler hat oder in Größe und Wuchs nicht der Norm entspricht und daher erst gar nicht in die Lebensmittelläden gelangt. Mitarbeiter in den Supermärkten sortieren sogar Waren aus, deren Mindesthaltbarkeitsdatum erst in einigen Tagen abläuft. Denn der Kunde nimmt sie nicht mehr ab. Nicht zuletzt kaufen wir gedankenlos mehr ein, als wir verbrauchen können. Rein rechnerisch, sagt beispielsweise Verbraucherministerin Ilse Aigner, reiche die Kapazität der produzierten Lebensmittel aus, um die ganze Welt zu ernähren. Tatsächlich aber sind allein am Horn von Afrika aktuell eine halbe Million Menschen vom Hungertod bedroht. Wir alle erschrecken angesichts der Bilder von ausgemergelten Kindern, von Menschen, die aus den Dürreregionen fliehen. Diese Katastrophe hat viele Ursachen, wie gestern im Trierischen Volksfreund in einem Gastbeitrag des Trierer Entwicklungshilfe-Experten Dr. Johannes Michael Nebe zu lesen war. Aber ist uns eigentlich klar, dass diese Bilder auch etwas mit unserem überbordenden Konsum und unseren überzogenen Ansprüchen zu tun haben? Der unangemessene Verbrauch von Rohstoffen wie Boden, Wasser oder Energie hat auch nachhaltige ökologische und ökonomische Auswirkungen, beeinflusst also Weltklima und Welthandel auf Kosten der Ärmsten. Es sind nicht immer nur Politik und Wirtschaft. Wir ganz normalen Verbraucher tragen Mitverantwortung für globale Fehlentwicklungen. Isabell Funk, Chefredakteurin

 

 



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