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IS-Messerangriff zum Jahrestag von „Charlie Hebdo“ - Angreifer identifiziert

(Paris) Ein Mann hat am ersten Jahrestag des Attentats auf „Charlie Hebdo“ ein Polizeikommissariat in Paris angegriffen. Der Unbekannte handelte ersten Erkenntnissen zufolge im Namen des Islamischen Staats.

07.01.2016
Christine Longin
Update 18:40 Uhr:

Der vor einem Pariser Polizeikommissariat getötete Angreifer ist nach Berichten französischer Medien identifiziert. Der 20-Jährige soll im Zusammenhang mit einem gemeinschaftlichen Raub 2013 in Südfrankreich polizeibekannt sein. Als Geburtsort wird Casablanca in Marokko genannt, wie der französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. (dpa)



Die Gedenkfeier im Hof der Pariser Polizeipräfektur war noch im Gange, als Paris fast auf die Stunde genau ein Jahr nach dem Angriff auf „Charlie Hebdo“ wieder vom Terror erschüttert wurde. Polizisten töteten einen mit einem langen Messer bewaffneten Mann, der sich Augenzeugen zufolge mit dem Ruf „Allahu Akbar“ Zugang zu einem Polizeikommissariat verschaffen wollte. Der Unbekannte hatte ein Bekennerschreiben sowie eine Abbildung der Fahne der Terrororganisation Islamischer Staat bei sich. Die Staatsanwaltschaft sprach von „eindeutigen“ Zeichen und nahm Anti-Terror-Ermittlungen auf.

Der zwischen 20 und 30 Jahre alte Mann trug auch die Attrappe eines Sprengstoffgürtels. Das Fernsehen zeigte ein Foto des auf dem Asphalt liegenden Toten, der von einem fahrenden Roboter auf Sprengstoff abgesucht wird. Die Polizei riegelte das komplette Viertel Goutte d’Or rund um die Metro-Station Barbès im Norden von Paris ab. Auch mehrere andere Metro-Stationen wurden vorübergehend gesperrt, da von einem möglichen Komplizen die Rede war.

Die Attacke ereignete sich um die Mittagszeit, als Präsident François Hollande in einer Zeremonie der drei Polizisten gedachte, die vor einem Jahr bei der Anschlagserie auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt Hyper Kacher getötet wurden. „Wir werden es nie vergessen: Sie sind gestorben, damit wir frei leben können“, sagte der Staatschef. Jeder Angriff auf einen Polizisten sei ein „Angriff auf die Republik.“ Hollande kündigte 5000 zusätzliche Stellen für die Polizei in den kommenden anderthalb Jahren an.

Komplize der Brüder Kouachi zu 15 Jahren Haft verurteilt

Seit den Anschlägen vom 13. November gilt in Frankreich der Ausnahmezustand: Bahnhöfe, Kaufhäuser und öffentliche Gebäude stehen unter dem Schutz von Polizei und Armee. Die Regierung plant, die Sicherheitsgesetze weiter zu verschärfen und Polizisten bei Terrorgefahr beispielsweise die Durchsuchung von Fahrzeugen oder von Gepäck zu erlauben - ohne Richterbeschluss. Außerdem sollen Polizisten und Gendarmen künftig schneller schießen dürfen, beispielsweise um flüchtende Gewalttäter zu stoppen.

Die Brüder Chérif und Said Kouachi hatten am 7. Januar um 11.20 Uhr die Redaktion von „Charlie Hebdo“ überfallen und zwölf Menschen getötet, darunter zwei Polizisten. Ihr Komplize Amédy Coulibaly erschoss später eine Polizistin im Pariser Vorort Montrouge und vier Geiseln in einem jüdischen Supermarkt im Norden von Paris. Am Donnerstag wurde ein weiterer mutmaßlicher Komplize des Trios, Salim Benghalem, in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Benghalem soll  für die Terrormiliz Islamischer Staat Hinrichtungen vollstreckt haben. Der 35-Jährige aus dem Großraum Paris, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, hält sich wahrscheinlich in Syrien auf. In einer vor knapp einem Jahr veröffentlichten Botschaft drohte er den Franzosen:„Tötet sie mit Messern, spuckt ihnen ins Gesicht, verleugnet sie“, fordert er seine „Brüder“ auf.
 

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