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Extreme Dürre in der Region: Es regnet viel zu wenig

(Trier) Junge Bäume verdorren, das Gras wächst nicht, und die Pegel sind stellenweise so sehr gesunken, dass erste Wasserversorger zu Sparsamkeit aufrufen.

09.06.2017
Katharina de Mos
Mag es zuletzt auch stürmen, hageln und schütten wie im Herbst – dies ändert nichts an einem ungewöhnlichen Trend, den Gärtner, Bauern, Winzer, Förster, Wasserversorger und Meteorologen nun schon seit vielen Monaten mit Interesse – und mit Sorge – beobachten: Es ist viel zu trocken. Schon seit langem. 

Wetterexperte Dominik Jung hat sich für den TV die Trierer Wetterdaten angeschaut. Im Herbst 2016 fielen nur 65 Prozent des üblichen Regens (128 Liter), im Winter nur 42 Prozent (78 Liter) und auch das Frühjahr 2017 war mit 59 Prozent des langjährigen Niederschlag-Durchschnitts (105 Liter) viel zu trocken. Und das bei stets neuen Temperaturrekorden. 

„Das ist keine kurzfristige Situation mehr“, sagt Joachim Gerke, Wasserwirtschaftsexperte bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Die Flüsse führen jetzt schon so wenig Wasser, wie es nach einem heißen Sommer der Fall wäre, und auch die Grundwasserspiegel sind vielerorts gesunken. Der Dürremonitor Deutschland bescheinigt Teilen der Region eine „außergewöhnliche Dürre“, wie es sie nur alle 30 Jahre gibt. 

Luxemburgs Umweltministerium hat die Kommunen in einer „Vorwarnstufe“ aufgefordert, auf Springbrunnen, Hochdruckreiniger oder Parkbewässerung zu verzichten. Der Kreis Cochem-Zell hat seine Bürger zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser ermahnt: Wenn Regen weiter ausbliebe, könne es knapp werden. Auch in der Region haben Wasserversorger auf die Trockenheit reagiert. In Trier ist das sogar zu schmecken: Da die Riveristalsperre nur noch gut zur Hälfte gefüllt ist, werden Trierer überwiegend mit Brunnenwasser aus dem Kylltal versorgt, das härter ist. 
Ein Engpass ist den Stadtwerken zufolge nicht in Sicht. Das gilt auch in anderen Orten, die Tiefbrunnen haben. Anders kann dies in Gemeinden aussehen, die von oberflächennahen Quellen abhängig sind. So hat die Verbandsgemeinde Wittlich-Land die 200 Einwohner des Ortes Karl zu Sparsamkeit aufgerufen, weil deren Wasser immer spärlicher fließt. Für den Notfall steht ein Tankfahrzeug bereit. 

Probleme bereitet die Trockenheit auch im Wald – nicht nur wegen der höheren Brandgefahr, vor der das Saarburger Forstamt kürzlich warnte. Bitburg berichtet davon, dass junge Bäume nicht anwachsen und daher im Herbst wohl neue gepflanzt werden müssen. Da auch die älteren Bäume unter Trockenstress leiden, seien sie anfälliger für Borkenkäfer- und Pilzbefall. Bauern und Winzern macht die Trockenheit ebenfalls zu schaffen. Besonders betroffen sind Viehhalter. „Das Gras wächst nicht“, sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau. Die ersten zwei Schnitte hätten vielerorts nicht mal die Hälfte des Ertrags gebracht. Wer keine Vorräte besitze, habe ein Problem. So mancher verarbeitet nun Getreide zu Viehfutter.

Winzer, die neue Weinberge anlegen, kämpfen vor allem mit einem Boden, der so hart ist, dass sie junge Reben und Holzpfähle kaum hineinkriegen. „Was fehlt, ist ein langer Dauerregen“, sagt Mosel-Weinbaupräsident Rolf Haxel. Starkregen bringen hingegen wenig, da das Wasser oberflächlich abfließt, statt zu versickern. 
Ausgiebiger Landregen ist laut Meteorologe Jung jedoch weiter nicht in Sicht. 

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