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"Marx ist immer noch ein Riesenthema"

(Trier) Trier Was ist von dem nur alle fünf Jahre stattfindenden Parteikongress der chinesischen Kommunisten zu erwarten? Diese und andere Fragen stellte TV-Redakteur Rolf Seydewitz dem deutschen China-Experten Frank Sieren.

19.10.2017
Rolf Seydewitz
Welches Ergebnis erwarten Sie vom Parteikongress der chinesischen Kommunisten?
SIEREN  Der wichtigste Punkt wird sein, dass Staats- und Parteichef Xi Jinping seine Macht noch einmal steigern wird, indem er mehr eigene Leute installiert.

So kann er seine Projekte noch besser durchsetzen als bislang.
Welche Projekte sind das?
SIEREN Vor allem die Antikorruptionskampagne, also wieder Ordnung in der kommunistischen Partei zu schaffen. Hinzu kommen der wirtschaftliche Umbau hin zu mehr Konsum und weg von den Exporten sowie der Umweltschutz; und international die neue Seidenstraße, also die Verbindung von Europa und Asien.

War Xi Jinping denn erfolgreich in den vergangenen Jahren?
SIEREN Das ist nicht ganz einfach zu beantworten: Im Vergleich zu anderen Ländern ja. China hat in den letzten Jahren seinen Anteil an der Weltwirtschaft von 30 Prozent gehalten. Innenpolitisch hat sich Xi Jinping mehr vorgenommen, als er geschafft hat. Aber das ist vielleicht auch normal in einem so großen Land.

China will seinen Markt für ausländische Investoren weiter öffnen, verfolgt aber gleichzeitig Andersdenkende und zensiert das Internet. Wie passt das zusammen?
SIEREN Aus Sicht der Chinesen passt das zusammen: Das eine dient dazu, Ordnung zu schaffen. Und das andere, mehr Investoren anzuziehen. Wenn es heißt, China öffnet sich, weiß man ja auch noch nicht, in welchen Bereichen und wie viel. Da steckt der Teufel im Detail. Aber generell muss sich ein Land wie China natürlich öffnen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Nordkorea ein?
SIEREN Die Chinesen wollen unter keinen Umständen, dass Nordkorea zusammenbricht. Von daher ist die Lage kritisch, aber stabiler, als man es in der Ferne wahrnimmt.

Wie wird US-Präsident Trump in China wahrgenommen?
SIEREN Ähnlich, wie er auch in Deutschland wahrgenommen wird. Chinesen lassen sich vielleicht etwas weniger provozieren und versuchen über alle möglichen Kanäle, eine vernünftige Zusammenarbeit hinzukriegen. Ende November wird Trump nach China reisen. Bis dahin dürften keine bösen Überraschungen zu erwarten sein.

Im nächsten Jahr wird der 200. Geburtstag von Karl Marx gefeiert. Inwiefern ist das in China ein Thema?
SIEREN Die Auseinandersetzung mit Marx ist ein Riesenthema - vor allem die Frage, wo hat er recht gehabt, wo nicht. Marx ist immer noch eine zentrale Figur in der chinesischen Politik. Und da rückt natürlich auch seine Geburtsstadt Trier stärker in den Fokus.

Also wird Trier von dem Jubiläumsrummel profitieren?
SIEREN Auf jeden Fall. Da wird in China breit drüber berichtet werden. Das ist für Trier eine große Chance, die man nutzen sollte. Und da sollte man auch nicht kleinlich sein, wenn es darum geht, spannende Ausstellungen und Veranstaltungen zu machen.

Rolf Seydewitz