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Online-Petition für den Erhalt: Mehr als 5200 Stimmen für die Dorfschulen

(Trittenheim/Mainz) Eltern, Schüler und Lehrer bangen um die Zukunft von 41 Grundschulen. Doch sie wissen sich zu wehren.

08.03.2017
Florian Schlecht
Eine Betreuerin an der Dorfschule entzündete die Idee mit einer einfachen Frage. "Warum macht ihr nicht eine Petition?" Beate Gehrhardt war sofort Feuer und Flamme. Die Hunsrückerin, deren Sohn die Grundschule in Mörsdorf besucht, startete prompt einen Aufruf im Internet. Mehr als 5200 Unterschriften kamen bislang zusammen. Das Ziel der Petition? Der Erhalt der kleinen Grundschulen.

41 Dorfschulen in Rheinland-Pfalz droht das Aus, weil das Bildungsministerium sie über neue Leitlinien auf den Prüfstand stellen will. Ab dem Frühjahr sollen die Regeln in Kraft treten - der Widerstand in manchen Dörfern ist bereits jetzt entfacht. Eingetragen in die Liste haben sich auch Eltern und Lehrer aus der Region Trier, wo 14 Schulen gefährdet sind (siehe Extra). Gehrhardt kann die Resonanz nicht fassen: "Das ist schon ein fantastisches Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet habe."
Der private Betreiber der Petitionsplattform fordert allerdings nur dann eine Stellungnahme vom Land ein, wenn bis zum 8. Mai 15 000 Unterschriften vorliegen.

Im Kreis Trittenheim (Landkreis Trier-Saarburg) gehen Eltern von Haustür zu Haustür, um für den Erhalt der Dorfschule zu werben. "350 Unterschriften haben wir schon zusammen", sagt Elternsprecherin Vera Döhrn. Sie warnt vor einem Aus für die Schule, die ein wichtiger Bezugspunkt im Dorf sei - und junge Familien anlocke. Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler weist bereits auf eine Vollversammlung der Elternsprecher am 23. März hin und kündigt an: "Wir wollen eine Resolution verabschieden, die die Abschaffung dieser Leitlinien fordert." In dem Protest sieht Gerhard Bold von der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) ein Signal. "Den Menschen sind die Dorfschulen nicht egal. Sie wollen nicht, dass nach der Bank und dem Bäcker noch die Schule verschwindet." Der VBE spricht sich in einer Stellungnahme dafür aus, wenigstens die Schulen zu erhalten, in denen es zwei kombinierte Klassen gibt. Dort, wo Schulen tatsächlich wegen zu wenig Kindern schließen müssten, brauche es intelligente Lösungen.

Der Städte- und Gemeindebund schließt sich dem an. Von den Gemeinden habe man etliche "mit Herzblut verfasste Zuschriften" erhalten, sagt ein Sprecher. Das Bildungsministerium beschwichtigt, der Grundsatz "kurze Beine, kurze Wege" gelte nach wie vor. Die Schulträger binde man als Experten vor Ort ein. Der Plan: "Wir wollen Grundschulen erhalten, wo es möglich ist."
Hier geht es zur Online-Petition zum Erhalt der Grundschulen.
WER IN DER REGION ZITTERN MUSS
 
Extra
(flor) 14 Grundschulen stehen in der Region Trier auf dem Prüfstand. Betroffen sind im Kreis Trier/Saarburg Schöndorf, Trittenheim und Greimerath, im Eifelkreis Bitburg/Prüm der Standort Auw der Grundschule Bleialf, Oberkail, Preist, Karlshausen, im Kreis Bernkastel/Wittlich Malborn, Morbach-Haag, Wintrich, Heidenburg, Monzelfeld und in der Vulkaneifel Neroth und Wallenborn.