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Wissenschaftler der Uni Trier: Warum viele Menschen falsche Nachrichten für echt halten

(Trier) Warum fallen immer mehr Menschen auf im Internet verbreitete Falschmeldungen rein? Weil die Nachrichten ihrem Weltbild entsprechen und ihren Vorurteile entsprechen, sagen zwei Medienwissenschaftler der Uni Trier.

13.12.2016
Bernd Wientjes
Neu sei das Phänomen Falschmeldungen (Fake News) nicht. „Fake News gab es unter dem Begriff der Propaganda schon immer,“ sagt der Trierer Medienwissenschaftler Klaus Arnold. Neu sei, dass sich die erfundenen Nachrichten übers Internet verbreiten. Damit erreichen sie schnell ein Massenpublikum. Fakenews würden geglaubt, „wenn sie bestimmten Vorurteilen und Erwartungen entsprechen“, sagt Arnold.

Sein Kollege Hans-Jürgen Bucher aus Trier sieht einen Grund für die rasante Zunahme von Falschmeldungen im Internet im Wandel der Mediennutzung. Immer mehr Menschen informierten sich fast ausschließlich im Internet. Soziale Medien wie Facebook oder Twitter würden von vielen als Nachrichtenquellen betrachtet. Dort verbreitete vermeintliche Nachrichten werden daher nicht selten für bare Münze genommen. Und das, obwohl, so der Trierer Medienexperte, die gedruckten Tageszeitungen noch immer die höchste Glaubwürdigkeit unter den Medien hätten.

Bucher spricht von einer „unglaublich hohen“ Naivität, mit der Internetnutzer Nachrichten aus dem Netz glaubten und verbreiteten. Oft, ohne dass der Inhalt gelesen wird, sondern nur die Überschrift. Vor allem angebliche Nachrichten, deren Inhalt in das Weltbild der Nutzer passten, würden von ihnen geglaubt und verbreitet.

Ein Beispiel dafür ist die kürzlich bei Facebook herumgeisternde Nachricht, dass die Grünen Weihnachtsbäume verbieten wollen, weil damit religiöse Gefühle von Nichtchristen verletzt werden könnten. Eine Falschmeldung, die jedoch viele Facebook-Nutzer erzürnt hat, offenbar, weil sie den Grünen ein solches Verbot zutrauen.

Genauso falsch übrigens wie die immer wieder aufkommende Meldung, dass der Martinsumzug generell in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest oder Laternenfest umbenannt werden und Weihnachtsmärkte künftig Wintermärkte heißen müssen.

„Das stand doch bei Google“, höre er immer wieder, sagt Bucher. Die Internetsuchmaschine ist für viele offenbar zum Maßstab der Glaubwürdigkeit geworden. Bucher fordert daher, dass in Schulen und an Hochschulen verstärkt Medienkompetenz vermittelt wird. Damit Internetnutzer in der Lage seien, unseriöse Quellen von seriösen zu unterscheiden. Was oft nicht einfach ist, weil die Macher der Fake News auch die Quelle fälschen und echte Medien als Urheber der Nachricht nennen. 

Wie groß der Einfluss von Falschmeldungen auf die öffentliche Meinung sei, habe sich beim Brexit und auch bei der US-Wahl gezeigt, sagt Bucher.