ausallerwelt/themendestages

Ansturm auf die Notaufnahmen - aber nur jeder fünfte Fall ist dringend

Niedergelassene Ärzte sauer, weil sich Patienten direkt im Krankenhaus behandeln lassen

(Trier) Werden in den Notaufnahmen der Krankenhäuser bald nur noch Patienten behandelt, die lebensgefährlich erkrankt sind? Die niedergelassenen Ärzte in Rheinland-Pfalz machen Druck auf die unliebsame Konkurrenz.

10.03.2016
Bernd Wientjes
31.899 Patienten wurden im vergangenen Jahr in der Notaufnahme des Trierer Brüderkrankenhauses behandelt. Knapp ein Fünftel davon waren echte Notfälle, also Patienten, die dringend innerhalb von zehn Minuten behandelt werden mussten. Im Mutterhaus Mitte in Trier lag die Zahl der Notfallpatienten bei 27.230, davon 13.190 Kinder.

Immer öfter gehen aber auch Menschen in die Notaufnahme der Kliniken, wenn kein medizinischer Notfall vorliegt - was nicht selten zu stundenlangen Wartezeiten führt. "Was bleibt den Leuten anderes übrig?", fragt Markus Leineweber, Hausoberer des Brüderkrankenhauses. Er hat Verständnis für Patienten, die in die Notaufnahme kommen. Es gebe schließlich immer weniger niedergelassene Ärzte, und oft dauere es Wochen, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Leineweber betont, genau wie die Verantwortlichen des Mutterhauses, dass kein Patient in der Notaufnahme abgewiesen werde.

Rainer Saurwein, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, sagt, es gebe Überlegungen, wie die Leistungen der Krankenhausambulanzen - vor allem in den Zeiten, in denen normale Arztpraxen geöffnet sind - "auf das gesetzlich vorgesehene Maß eingebremst werden können". Damit meint er, dass die Notfallambulanzen nur noch Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen behandeln sollen. Alles andere sei Aufgabe der niedergelassenen Ärzte. Es gehöre mittlerweile zum wirtschaftlichen Kalkül der Krankenhäuser, "ungeprüft jede ambulante Behandlung durchzuführen", behauptet Saurwein.

In den Klinikambulanzen werde oft eine übertriebene, zu teure Diagnostik durchgeführt, kritisiert der Internist Walter Gradel aus Trier-Ehrang. Er spricht sich für eine Steuerung der Patienten aus, etwa indem für nicht echte Notfälle ein Eigenanteil der Patienten fällig werde.

Auch das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Krankenhäuser nur in Notfällen in Anspruch genommen werden dürfen.

Zwischen Anspruchsdenken und Lebensgefahr

Empfehlungen

Kommentare