Autor: Von unserem Redakteur Bernd WientjesOrt:DruckenE-Mail
"Bleibt liegen, als wäret ihr tot"
Rund 1500 Atomkraftgegner demonstrierten am Samstag im saarländischen Perl gegen das Kernkraftwerk Cattenom. Die Demonstration soll Auftakt zu weiteren Protesten gegen den vor 24 Jahren gebauten Meiler.
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Stilechter Protest: Die 17-jährige Léa Padieu aus Trier demonstriert in Perl. TV-Foto: Rolf Ruppenthal
Perl. Sie dürfte die meistfotografierteste Demonstrantin an diesem Tag in Perl sein: Léa Padieu aus Trier. Die 17-jährige Waldorf-Schülerin hat sich passend zur Demo zurechtgemacht: dicke Schutzbrille, knallgelb angemalter Mundschutz, gelbes, ärmelloses T-Shirt, auf dem steht "Schwarz-gelb, nein danke." Eigentlich, so sagt die 17-Jährige, wäre sie lieber zur Großdemonstration nach Berlin gefahren. Aber Perl sei ja näher. Und das Atomkraftwerk Cattenom auch. "Unverantwortlich" sei es, dass das Kernkraftwerk, dessen Kühltürme man sehen kann, wenn man nach Perl rein fährt, nicht abgeschaltet würde.
Das fordert auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad. Sie ist eigens nach Perl gekommen, um mit den 1500 Demonstranten auf der Wiese neben der Grenzbrücke nach Luxemburg ihren Unmut gegen das "Sicherheitsrisiko Cattenom" zu zeigen. Schon 1985 habe sie gegen den Bau des Kraftwerks demonstriert, sagt sie. Nun steht sie, ein halbes Jahr vor der Landtagswahl, Seite an Seite mit der Grünen-Landeschefin Eveline Lemke und fordert den sofortigen Atomausstieg. Cattenom stehe für alle deutsche Kernkraftwerke, sagt Conrad. Sie wirft der Bundesregierung wegen der beschlossenen Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke "Kumpanei mit den Atomkonzernen" vor. Der Protest gegen Cattenom, den die Grünen-Landtagskandidatin Stephanie Nabinger organisiert hat, wird so auch zum Protest gegen die deutsche Atompolitik. Die schwarz-gelbe Regierung müsse auf der Stelle zurücktreten, fordert die 43-jährige Kommunalpolitikerin unter dem Beifall der Demonstranten.
Der Frust über die Atompolitik ist auch der Grund, warum Klaus Hüttermann nach Perl gekommen ist. Der 49-Jährige aus Trier ist seit Jahren mal wieder auf eine Anti-Atom-Demonstration und das erste Mal mit seiner Familie, den zwei Töchtern und seiner Frau. Seine 13-jährige Tochter habe ihn überredet, hinzufahren sagt Hüttermann, der "entsetzt" ist, dass so wenige nach Perl gekommen sind. Die Bitburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken sagt später, als sich schon viele Protestler auf den Heimweg gemacht haben, die Laufzeitverlängerung bremse den Ausbau der alternativen Energie.
Die Demonstration erinnert an ein Familienfest. Junge Eltern schieben den Kinderwagen über die Wiese, Väter haben in der einen Hand die grüne Fahne, an der anderen den kleinen Sohn. Mittvierziger, die in den 80-er Jahren ihre ersten Demo-Erfahrungen gesammelt haben, sind mit ihren halbwüchsigen Kindern gekommen, Ältere im Rentenalter haben selbst gemalte Anti-Atomkraft-Schilder umhängen.
Fernsehtaugliches Massensterben
Fast alle lassen sich dann auch kurz nach 16 Uhr auf die Wiese fallen, um den massenhaften Strahlentod nach einem Reaktorunfall nachzustellen. "Bleibt liegen, als wäret ihr tot", führt Grünen-Chefin Lemke Regie. Solche Bilder seien wichtig fürs Fernsehen.
Der Grünen-Bürgermeister der unweit von Perl liegenden Luxemburger Grenzgemeinde Remich, Henri Kox, fordert alle Bürgermeister der Großregion auf, gegen Cattenom einzutreten. Das sei der Auftakt zu weiteren Demonstrationen gegen das Kernkraftwerk, kündigt Organisatorin Nabinger an. Das nächste Mal, so der frühere saarländische Umweltminister und jetzige SPD-Europaabgeordnete, Jo Leinen, treffe man sich, "wie damals" wieder in Cattenom.
Leckeres Frühstück einmal anders: Ausgedehnt und zusammen mit Freunden und oder Familie findet ein Brunch in der Regel am Wochenende statt. Ein Brunch ist die Mischung aus Frühstück und Mittagessen. mehr...
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