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Feuer in Cattenom: "Da hat keine Streichholzschachtel gebrannt"

(Cattenom/Trier) Noch ist unklar, wie es zu dem Brand im Kernkraftwerk Cattenom am Freitag gekommen ist. Ein Transformator im nichtnuklearen Bereich hatte Feuer gefangen. Ein Atomexperte bewertet den Vorfall als bedenklich. Fest steht: Es kam bereits öfter zu solchen Bränden in anderen Anlagen, etwa 2007 im schleswig-holsteinischen Krümmel.
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Cattenom/Trier. "Das war keine Streichholzschachtel, die da gebrannt hat." So bewertet der in Paris lebende deutsche Atomexperte Mycle Schneider gegenüber unserer Zeitung den Brand eines Transformators im Kernkraftwerk Cattenom am vergangenen Freitag. "Ein Brand ist immer gefährlich", sagt Schneider, der 1997 mit dem alternativen Nobelpreis für seine Forschungen über nukleare Gefahren ausgezeichnet worden ist. Durch ein Feuer in einem Transformator werde eine der beiden externen Stromquellen des Reaktors ausgeschaltet. Es könne zu Kabelbränden kommen, sagt der 53-jährige Schneider.
Bei dem Feuer war am Freitag durch das Verbrennen von Öl eine dichte schwarze Rauchwolke entstanden, die weit über das Kernkraftwerk hinaus bis nach Luxemburg, über dem Saargau und im Kreis Trier-Saarburg sichbar war. Unmittelbar nach Ausbruch des Brandes hatte sich der erste der insgesamt vier Cattenom-Reaktoren ausgeschaltet. Noch immer ist der Reaktorblock vom Netz.
Laut Kraftwerksbetreiber, dem französischen Energiekonzern EDF, ist unklar, wann die Stromproduktion in dem Block wieder anlaufen wird. Das hänge von den durch die französische Atomaufsicht (ASN) eingeleiteten Untersuchungen ab. Die ASN hatte am Freitag unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls zwei Experten zum Kraftwerk an der französischen Obermosel geschickt.
Laut Medienberichten konnte die Untersuchung der Brandursache allerdings noch nicht beginnen - wegen der immer noch herrschenden hohen Hitze an dem ausgebrannten Transformator. Daher könne derzeit noch nichts über die Brandursache gesagt werden, hieß es bei der EDF. Mycle Schneider kritisiert im Gespräch mit dem Volksfreund, dass die EDF schon kurz nach dem Löschen des Feuers davon gesprochen habe, dass keine Gefahr für die Umwelt und die Menschen bestanden hätte. Laut Schneider kann nicht ausgeschlossen werden, dass der ausgebrannte Transformator giftige und krebserregende Polychlorierte Biphenyle (PCB) enthält. Bis in die 1980er Jahre wurden diese Chlorverbindungen dem Öl in den Transformatoren beigemischt, um zu verhindern, dass sich dieses schnell entzündet. Kommt es trotzdem zu einem Brand, dann verbrennt nicht nur das Öl, sondern auch PCB. "Das Brennen von PCB erzeugt den Ausstoß von Dioxin." Dioxine entstehen durch die Verbrennung bestimmter organischer Stoffe. Der Mensch nimmt den giftigen, krebserregenden Stoff zumeist über tierische Nahrungsmittel wie Fisch, Eier oder Milchprodukte auf. Die EDF spricht im Zusammenhang mit dem Brand vom Freitag von einem "sehr seltenen" Zwischenfall. Allerdings war es 2011 im ebenfalls von der EDF betriebenen Kernkraftwerk im südfranzösischen Tricastin schon einmal zu einem Transformatorbrand im nicht nuklearen Bereich gekommen.

Die Explosion von Tricastin


Das ähnlich wie Cattenom funktionierende Atomkraftwerk Tricastin gilt als größte kerntechnische Anlage der Welt. Augenzeugen berichteten damals von einer Explosion in dem Kraftwerk, ehe der Transformator, der den im Reaktor erzeugten Strom nach draußen transportieren sollte, zu brennen anfing. Auch in Cattenom wollen laut französischen Medienberichten Zeugen vor dem Brand eine Explosion vernommen haben.
Trotz des Brandes vom Freitag öffnete das Kernkraftwerk Cattenom am Samstag und am Sonntag die Tore seiner Schaltzentrale. Die EDF hatte zum Tag der offenen Tür in seine Anlagen eingeladen.
Extra
Einen Transformatorenbrand in einem Atomkraftwerk hat es im Jahr 2007 auch im norddeutschen Krümmel gegeben. Der Kraftwerksbetreiber von Krümmel, der Energiekonzern Vattenfall, gab damals an, der Brand habe keine Auswirkungen auf den Reaktor gehabt. Später stellte sich dann heraus, dass es durch den Ausfall des Trafos zu einem Druckabfall und einem Absinken des Kühlwassers in dem Reaktorblock gekommen war. Das Kraftwerk blieb danach zwei Jahre vom Netz. Kurz nach dem Wiederanfahren kam es erneut zu einem Kurzschluss in einem Trafo, was zu dem endgültigen Aus der Anlage führte. wie

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