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Frankreich und Belgien nach Anschlägen im Schrecken vereint

(Brüssel/Paris) Frankreich mobilisiert nach den Attentaten von Brüssel zusätzlich 1600 Polizisten. Präsident Hollande zeigt sich solidarisch mit dem Nachbarland, das nach den Anschlägen von Paris scharf kritisiert wurde. Dossier zum Thema: Terroranschläge in Brüssel

22.03.2016
Christine Longin
Der Eiffelturm in den belgischen Farben schwarz, gelb, rot: die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte diese Geste wenige Stunden nach den Anschlägen von Brüssel an. Die französische Hauptstadt war nach den Explosionen am Flughafen Zaventem und der Metro der belgischen Hauptstadt geschockt. Schnell kamen die Erinnerungen an den 13. November wieder hoch, als mehrere Attentäter fast zeitgleich das Stade de France, Kneipen und den Konzertsaal Bataclan angriffen und 130 Menschen töteten. „Wir erleben eine Kopie der Pariser Anschläge mit koordinierten Angriffen auf symbolträchtige Orte“, sagte der Islam-Experte Mathieu Guidière der Zeitung „Le Figaro“. Die Festnahme des Logistikers der Pariser Attentate, Salah Abdeslam, könnte nach Guidières Einschätzung die Angriffe in Brüssel ausgelöst haben. 

Abdeslam, einziger Überlebender der Attentäter von Paris, war am Freitag im für seine Islamistenszene bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek geschnappt worden. Schon kurz nach der Festnahme hatte der französische Präsident François Hollande vor Euphorie gewarnt. „Es hat Festnahmen gegeben und es wird weitere geben, denn das (islamistische) Netzwerk ist sehr groß in Belgien, Frankreich und in anderen europäischen Ländern.“ Frankreich sei nach wie vor stark bedroht. Deshalb berief der Staatschef gleich am Samstagmorgen seine wichtigsten Minister zu einem Verteidigungsrat im Elysée zusammen. Ein zweiter folgte direkt nach den Brüsseler Anschlägen am Dienstagvormittag. „Frankreich und Belgien sind im Schrecken vereint“, versicherte der Präsident danach. Die Zeitung „Le Monde“ veröffentlichte auf ihrer Titelseite eine Karikatur, auf der ein Trauernder in der Flagge Frankreichs einen weinenden Belgier tröstet.

Kontrollen von Zügen Richtung Brüssel

Innenminister Bernard Cazeneuve verkündete weitere Sicherheitsmaßnahmen: So sollen 1600 zusätzliche Polizisten die Grenzen sowie die Bahnhöfe und Flughäfen kontrollieren. Damit sich dort nicht ein ähnlicher Anschlag ereignet wie in Brüssel, soll der Zugang zu den öffentlichen Bereichen nur noch Passagieren mit Fahrkarten und Begleitern mit Ausweis erlaubt werden. Am Pariser Bahnhof Gare du Nord, wo die Thalys-Schnellzüge ins nur anderthalb Stunden entfernte Brüssel abfahren, war der Verkehr in das Nachbarland unterbrochen. Die Thalys-Passagiere und ihr Gepäck werden dort schon seit dem Jahreswechsel systematisch mit Metalldetektoren kontrolliert. In umgekehrter Richtung von Brüssel nach Paris gibt es solche Kontrollen aber noch nicht. Dabei war erst im August ein 25-Jähriger am Bahnhof Brüssel-Midi in einen Thalys Richtung Paris gestiegen, wo er mit einer Kalaschnikow einen Anschlag verüben wollte. Er wurde jedoch von US-Soldaten vor seiner Tat überwältigt. 

Nach den Attentaten von Paris wurde in Frankreich Kritik am Nachbarland laut, wo drei der neun Angreifer herkamen. Die Anschläge seien in Syrien geplant, in Belgien organisiert und in Frankreich verübt worden, sagte Hollande. Als „Drehkreuz des Dschihadismus“ bezeichnete die Zeitung „Le Monde“ Belgien, für das ein ehemaliger Regierungsberater den Begriff „Belgikistan“ schuf. Das „Belgium Bashing“ verärgerte Regierungschef Charles Michel so sehr, dass er den französischen Botschafter einbestellte. Die französischen Vorstädte hätten mit Fanatikern ähnliche Probleme wie Brüssel auch, bemerkte Michel im Februar.

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