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Hasan und Kristin — Flüchtlingshelfer aus zwei Welten werden Paar

(Trier) Ein Flüchtling aus Syrien wird zum Flüchtlingshelfer, eine junge Frau von der Mosel auch. Bei der gemeinsamen Arbeit lernen sie viel voneinander — und verlieben sich.

09.03.2016
Von Birgit Reichert, dpa
Hasan Hmidan und Kristin Wallert kommen aus zwei Welten. Er stammt aus der Nähe von Damaskus in Syrien, sie aus Traben-Trarbach an der Mosel. Im vergangenen Jahr haben sich ihre Wege gekreuzt: Gemeinsam war ihnen das leidenschaftliche Engagement für syrische Kriegsopfer. Bei einer Veranstaltung einer Trierer Hilfsorganisation, die Verfolgte in Syrien und in Flüchtlingscamps der Nachbarländer unterstützt, lernten sie sich in Berlin kennen. Und wurden ein Paar: Heute lebt Hasan wie Kristin in Trier und will ab dem nächsten Semester Sozialwissenschaften studieren.

  Hasan hat vielen Flüchtlinge, denen er jetzt helfen möchte, etwas voraus: Er kam schon im August 2013 nach Deutschland, kennt sich aus und spricht fast akzentfrei Deutsch. Derzeit arbeitet er in Teilzeit als Betreuer für einen Verein in Bitburg, der sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmert. „Es ist wichtig, dass jemand da ist, der deren Mentalität versteht und einschätzen kann, was die Jungs erlebt haben“, sagt der 24-Jährige. Er müsse viel erklären, auf Arabisch natürlich. „Sie haben viele Fragen. Sie verstehen die deutsche Bürokratie oft nicht.“

  Kristin hat auch schon viel erklärt. Sie hat als Ehrenamtliche zahlreiche Asylsuchende bei Behördengängen in Trier begleitet — und ist dabei oft verzweifelt. „Vieles läuft so unprofessionell ab“, sagt die 22-Jährige. Zudem sei es ein großer Fehler, dass Ehrenamtliche nach wie vor nicht ausreichend geschult würden — und selbst nicht genug Hilfe erhielten, auch zum persönlichen Verarbeiten der Schicksale, mit denen man täglich in Kontakt komme. 

  „Ich kenne sehr viele Ehrenamtliche, die sehr motiviert waren und sehr viel geleistet haben, aber irgendwann ist man ausgelaugt.“ Sie habe sich mittlerweile auch aus dem Bereich zurückgezogen. Sie wolle jetzt lieber politische Aufklärungsarbeit mit Kindern in Schulen machen. Im Trierer Verein sei sie an der Gründung einer Schule im Libanon beteiligt gewesen — für geflüchtete Kinder aus Syrien.

  Hasans und Kristins Welten haben sich mittlerweile vereint. „Wir sehen uns sehr, sehr häufig, verbringen fast die ganze Zeit zusammen“, erzählt der Syrier, der sein Heimatland aus politischen Gründen verlassen hat. Mittlerweile sind auch seine beiden Schwestern in Trier. Es war Kristin, die eine der beiden im vergangenen Herbst von heute auf morgen in ihrer WG aufgenommen hat — weil damals in der Trierer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) Platznot herrschte.

  Kristin lernt mittlerweile Arabisch. „Das Schwerste ist die Aussprache“, sagt die junge Frau, die mal Kosmetikerin und Masseurin gelernt hat, und heute als Tagesmutter arbeitet. „Es wäre schön, wenn Hasan mir irgendwann Sachen in Arabisch erzählen kann, weil das ja was ganz anderes ist, in seiner Muttersprache zu reden.“ Und die arabische Küche mit arabischem Brot und Hummus ist bei Kristin inzwischen auch eingezogen. „Zum Frühstück esse ich aber immer noch am liebsten ein rustikales deutsches Brot.“ 

  Es sei schön, dass sie sich getroffen hätten, sagen sie lächelnd in Kristins WG-Küche: „Ich finde es sehr wertvoll auf einer persönlichen Ebene. Dass wir sehr viele Emotionen und Gedanken teilen, das ist ein schönes Erlebnis“, meint Hasan. Und Kristin sagt: „Wir sind ganz verschieden groß geworden. Dass man sich trotzdem auf so einem Nenner trifft, sich so gut versteht und so viele Dinge gemeinsam hat, ist sehr bereichernd.“

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