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Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe sind von der Pleite bedroht

Sinkende Nachfrage, Überangebot und tiefe Lebensmittelpreise machen Bauern zu schaffen

(Trier) Die Milch-, Fleisch- und Getreidepreise sind im Keller. Das freut die Verbraucher, aber nicht die Bauern. Immer mehr Landwirte stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und Besserung ist nicht in Sicht.

21.03.2016
Rolf Seydewitz
Wer sich die von den Amtsgerichten veröffentlichten Insolvenzbekanntmachungen anschaut, der stößt immer häufiger auf eine Klientel, die dort früher kaum zu finden war: Landwirte. Viele von ihnen sind Opfer auch der Globalisierung. Das Russland-Embargo, die wegbrechende Nachfrage in China oder dem Nahen Osten hinterlassen ihre Spuren auf den deutschen Erzeugermärkten und damit auch in der landwirtschaftlich geprägten Region Trier. Hier gibt es noch knapp 1000 Milchviehhalter, und auch ein Drittel der in Rheinland-Pfalz gehaltenen Schweine wird in der Region gemästet. 

Da macht es schon etwas aus, ob der Bauer fürs Kilo Schweinefleisch rund 1,60 Euro bekommt, wie vor zwei Jahren, oder – wie derzeit – nur noch 1,40 Euro. Bei der Milch sank der Preis sogar um fast ein Drittel auf 25 Cent pro Liter. „Die Märkte sind am Boden“, sagt der fürs nördliche Rheinland-Pfalz zuständige Bauernpräsident Michael Horper, „es ist für uns eine schwierige Zeit.“

Für viele Landwirte geht es sogar um die Existenz, weil sie ihre Kredite nicht mehr bedienen können. „Selbst gut wirtschaftende Bauern mit sogenannten Zukunftsbetrieben kommen mit den Preisen nicht mehr parat“, sagt Franz-Rolf Hermes. Das Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Westeifel weiß, wovon er spricht. Seine Bank hat allein 60 Millionen Euro Kredite an Landwirte vergeben. Könnten Kunden die Kredite nicht mehr bedienen, bemühe man sich um Tilgungsaussetzungen oder -reduzierungen, sagt Hermes. Aber das gehe nur bis zu einem gewissen Punkt.

Ist dieser Punkt überschritten, bleibt einigen nur noch der Gang zum Insolvenzgericht. Um dies zu verhindern, müssten die Betriebe von Kosten entlastet und Bürgschaftsprogramme aufgelegt werden, fordert Bauernpräsident Horper. Außerdem müssten die Erzeugerpreise wieder deutlich und dauerhaft ansteigen.

Das ist in einer Marktwirtschaft leichter gesagt als getan. Die Mainzer Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken (Grüne) will als eine Art Erste-Hilfe-Maßnahme, dass die Milchmenge vorübergehend gedrosselt wird. Je geringer das Angebot, so die Hoffnung, desto höher der Preis.

Die Milch macht’s nicht mehr 

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