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22.10.2013
Oliver Haustein-Teßmer

Kein totales Facebook-Verbot für Lehrer

(Trier/Mainz) Facebook gehört für viele Schüler zum Alltag. Auch Lehrer nutzen das weltweit größte soziale Netzwerk. Die Landesregierung setzt Kontakten beider Seiten auf der Online-Plattform nun Grenzen.

Trier/Mainz. Lehrer in Rheinland-Pfalz sollen ihre Schüler nicht über das soziale Netzwerk Facebook kontaktieren, um Hausaufgaben zu ergänzen oder eine Schulnote mitzuteilen. Auch die Krankmeldung eines Schülers über Facebook ist nicht erwünscht. Entsprechende Hinweise erlässt Landesbildungsministerin Doris Ahnen (SPD) an alle Schulen in Rheinland-Pfalz schicken. In etwa vier Wochen, im November, will der Landesbeauftragte für den Datenschutz, Edgar Wagner, auf einer neuen Internetseite "in möglichst jugendgerechter Form die Datenschutz-Defizite von Facebook verdeutlichen", sagt Klaus Globig, Stellvertreter Wagners, am Dienstag dem Volksfreund.
Hintergrund sei, dass Facebook mit den Nutzungsdaten seiner Mitglieder nicht rechtskonform umgehe. "Dazu darf die Schule keinen Beitrag leisten", sagt Globig. Facebook verdient mit persönlichen Daten seiner Mitglieder Geld. Wer dort seine Vorlieben preisgibt, seine Aufenthaltsorte mitteilt oder sein Alter öffentlich macht, ist interessant für Firmen, die über Facebook werben oder dort mehr über ihre Zielgruppen erfahren wollen.
Untersagen kann das Land seinen Lehrerinnen und Lehrern den Kontakt mit Schülern über Facebook nicht. "Ein generelles Verbot gegenüber Lehrern, mit Schülern auf Facebook oder auch sonst befreundet zu sein, folgt daraus nicht", sagt Globig. "Es geht uns auch nicht um die Kontrolle von Lehrern und Schülern, sondern darum, dass Lehrkräften klar wird, dass Facebook zu Unterrichts- und schulischen Zwecken ungeeignet ist", sagt Wolf-Jürgen Karle, Sprecher von Bildungsministerin Ahnen, dem TV. Disziplinarstrafen bei Verstößen gegen die Empfehlungen des Landes soll es nicht geben.

Facebook privat ist erlaubt


Auch die private Facebook-Nutzung bleibt den Lehrern freigestellt. Datenschützer und Ministeriumssprecher weisen allerdings auf das Distanzgebot zwischen Pädagogen und Schülern hin. Lehrer dürfen keinen bestimmten Schüler bevorzugen. Die Freunde-Struktur des sozialen Netzwerks, aber auch anderer Internetplattformen stehe dem entgegen. Auf Facebook miteinander verknüpfte Mitglieder können in bessere Freunde oder Bekannte eingeteilt werden. Facebook-Freunde können auch mitlesen, wenn ein Lehrer einem Schüler schreibt, oder ein Pädagoge bekommt private Fotos aus der von ihm betreuten Klasse zu Gesicht. Aus Sicht der Datenschützer ist das bedenklich.
Trotzdem mögen sich weder die Landesschülervertretung noch die Lehrergewerkschaft VBE mit Facebook-Einschränkungen anfreunden. Die außerparlamentarische FDP fordert die Landesregierung auf, lieber die Medienkompetenz der Schüler zu stärken. "Das Facebook-Verbot passt zum rot-grünen Nanny-Staat", sagt Liberalen-Landeschef Volker Wissing. Die der CDU nahestehende Schüler Union wiederum will durchsetzen, dass Facebook als ergänzendes Angebot zur Vermittlung des Unterrichtsstoffs genutzt wird.
Vom Land empfohlene Plattform für Schüler und Lehrer:
lernenonline.bildung-rp.de

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