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aus unserem Archiv vom 21. Februar 2012
Autor: Rolf SeydewitzOrt: TrierKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Mehr Kontrolleure gibt es auf keinen Fall

Die Pläne für eine verpflichtende Hygiene-Ampel in der Gastronomie liegen nach einem Veto der Wirtschaftsminister auf Eis. Ob sie noch umgesetzt werden, ist fraglich. Es gibt Schlimmeres, meint Gastroverbandspräsident Gereon Haumann.

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Trier. Wenn er auf das Thema Hygiene-Ampel angesprochen wird, gerät Gereon Haumann in Fahrt. Dann sagt der Präsident des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands, dass er für Transparenz sei, für Verbraucherschutz und natürlich für saubere Betriebe. Aber Haumann sagt auch, was er nicht mag: immer mehr Bürokratie, einseitige Auflagen oder Alleingänge einzelner Bundesländer. Auf einen einfachen Nenner gebracht: "Ich bin nicht böse, wenn die Hygiene-Ampel nicht kommt." Und genau danach sieht es derzeit auch aus. Eigentlich sollte das rot-gelb-grüne Sauberkeitsbarometer Anfang des Jahres bundesweit eingeführt werden, hatten die Verbraucherminister der Länder beschlossen. Doch die Wirtschaftsministerkollegen stoppten das ehrgeizige Vorhaben. Nun soll in einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe darüber beraten werden, ob und wie die Hygiene-Ampel noch zu retten ist. Mit einer Entscheidung sei frühestens im Herbst zu rechnen, sagt der aus Cochem stammende Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Peter Bleser (CDU). "Noch ist das Projekt nicht gescheitert", sagt auch der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff, der für die SPD-Länder das Thema koordiniert.

Irritierte Verbraucher


Die Verbraucherschützer würden die Ampel für die Gastronomie jedenfalls begrüßen. "Das Hygiene-Siegel bringt nicht nur Klarheit für Verbraucher, sondern belohnt auch die Unternehmen, die ordentlich arbeiten", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen.
"Da haben unsere 5000 rheinland-pfälzischen Mitgliedsbetriebe nichts zu befürchten", sagt Dehoga-Präsident Gereon Haumann, der im Hunsrückort Horath ein Hotel betreibt. Sollte die Ampel doch noch kommen, will Haumann deren Einführung aber an Bedingungen knüpfen. "Dann darf die Hygiene-Ampel nicht nur in der Gastronomie zur Pflicht werden", sagt der Verbandsfunktionär, "sondern in allen lebensmittelverarbeitenden Branchen." Hieße wohl, dass künftig beispielsweise auch Bäckereien oder Fleischereien die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrollen öffentlich aushängen müssten. Gereon Haumann hofft jedenfalls, dass es am Ende keinen Alleingang einzelner Bundesländer gibt, bei denen letztlich so unterschiedliche Regelungen wie beim Nichtraucherschutz herauskämen. "Dann wäre der Verbraucher völlig irritiert, und wettbewerbsverzerrend wäre es obendrein", sagt der Dehoga-Präsident. Haumanns Alternativvorschlag zur Ampel: "Stellt einfach mehr Lebensmittelkontrolleure ein, davon hat der Verbraucher mehr!"
Eine Forderung, mit der Haumann auch beim Landesverband der Lebensmittelkontrolleure offene Türen einrennen dürfte. Dessen Vorsitzender Karl-Josef Leibig hatte im vergangenen Jahr bemängelt, die 120 Kontrolleure im Land bekämen immer mehr Aufgaben zugeteilt, aber der Personalstand bleibe gleich. Daran wird sich allerdings auch nichts ändern, sollte die Ampel tatsächlich eines Tages eingeführt werden.
"Wir wollen das mit dem jetzigen Personal hinbekommen", sagt der Mainzer Verbraucherminister Jochen Hartloff.
Meinung
Die schwarzen Schafe freut\\'s

Da haben die für den Verbraucherschutz zuständigen Länderminister den Mund wohl zu voll genommen. Die Hygiene-Ampel, vor einem dreiviertel Jahr noch lauthals als Revolution für die deutsche Gastronomie angekündigt, gibt es noch immer nicht. Schlimmer: Es ist sogar fraglich, ob Ampel, Barometer oder Farbstrahl überhaupt kommen. Die Wirtschaftsminister haben der Ampel die Rote Karte gezeigt, angeblich weil sie nicht wollen, dass jemand an den Pranger gestellt wird. Ein kurioses Argument: Ein Wirt, der bei Sauberkeit und Hygiene schlampt, bekommt dafür zwar von den Lebensmittelkontrolleuren die Gelbe Karte gezeigt. Der Verbraucher aber wird weiter im Unklaren gelassen; er erfährt allenfalls davon, wenn die amtlichen Aufseher das Schmuddel-Lokal schließen. Dabei profitierten von einer Hygiene-Ampel alle außer den schwarzen Schafen: Die große Mehrzahl der gastronomischen Betriebe könnte mit einer Grün geschalteten Sauberkeitsplakette im Eingangsbereich werben. Und der Kunde wäre auf der sicheren Seite: Das Restaurant sieht nicht nur einladend aus, hier wird auch ordentlich gearbeitet. So etwas ist kein Pranger, sondern ein Sauberkeitssiegel. r.seydewitz@volksfreund.de

 




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