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Mückenfachmann: Tigermoskitos wegen Zika-Verdachts bekämpfen

(Speyer) Die Zika-Infektionen in Südamerika sind weit weg. Aber in Deutschland gibt es Mücken, die nach Einschätzung eines Experten das Virus vielleicht übertragen können. Er rät zur sofortigen Bekämpfung.

03.02.2016
(dpa/lrs) - Der Mückenfachmann Norbert Becker rät wegen des Zika-Virus zur Bekämpfung der auch in Süddeutschland beobachteten asiatischen Tigermücke. "Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man davon ausgehen, dass sie das Virus übertragen kann", sagte der wissenschaftliche Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) der Deutschen Presse-Agentur in Speyer. Bewiesen sei das aber noch nicht. Dass die heimischen Hausmücken Überträger des Virus sein könnten, halte er für "sehr unwahrscheinlich". Aber auch das müsse noch untersucht werden.

Generell riet der Biologe, nicht in Panik zu verfallen. Die Gefahr einer Infektion mit dem Zika-Virus in Deutschland sei äußerst gering. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) müsse man jedoch im Blick behalten und "sofort bekämpfen". Er und die Afrikanische Tigermücke, auch Gelbfiebermücke genannt, seien "die besten Virusüberträger weltweit", sagte Becker. Die Afrikanische Tigermücke (Aedes aegypti) gilt in Brasilien als Überträger der Zika-Viren. Auch hier sei der letzte Beweis noch nicht erbracht, sagte Becker. Nach seinen Angaben wurde die Mücke bereits in den Niederlanden entdeckt - vermutlich eingeschleppt.

Die Asiatische Tigermücke ist bereits in Italien verbreitet und wurde auch schon in Südbayern und in Baden-Württemberg gefunden, zunächst an Autobahnen. Unklar war zunächst, ob die Tiere dort bereits gebrütet hatten oder ob sie mit Autos und Lastwagen aus Italien eingeschleppt worden waren. 2015 fanden Kabs-Mitarbeiter laut Becker Hunderte Tiere entlang der Autobahn Basel-Frankfurt (A5) bis zur hessischen Landesgrenze. Das seien aber noch keine großen Zahlen - im Vergleich zu Brasilien, sagte Becker.

In Freiburg wurden nach seinen Angaben 2015 Tausende Exemplare gefunden. Dort wurde in einer Gartenanlage in der Nähe des Güterbahnhofs eine stabile Population mit Larven, Puppen und Weibchen entdeckt. Schon im Vorjahr hatte es laut Becker an derselben Stelle Hinweise auf Tigermücken gegeben. Auch hier war nicht klar, ob diese Tiere sich bereits in Deutschland vermehrt hatten oder ob sie von Italien aus eingeschleppt worden seien, hatte er damals gesagt. Eine Art gilt Becker zufolge als etabliert, wenn sie im Freiland drei Generationen hervorbringt.

Die Asiatische Tigermücke kann nach seinen Angaben mehr als 20 Virusarten übertragen, darunter Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber. Diese Krankheit kann zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen führen und insbesondere bei zuvor geschwächten Menschen tödlich enden. Es liege sehr nahe, dass sie auch Zika-Viren übertragen könne, sagte Becker. Er sprach sich dafür aus, die Bevölkerung aufzuklären und Fallen aufstellen, um das Risiko zu minimieren. In Freiburg hatten Mitarbeiter 2015 in der Gartenanlage Bekämpfungsmittel in Tablettenform verteilt, um eine Vermehrung der Tiere in Regenwassertonnen zu verhindern.

Das Zika-Virus steht im Verdacht, durch Infektion von Schwangeren bei Ungeborenen Fehlbildungen (Mikrozephalie) auszulösen: Die Babys kommen mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt und sind meist geistig behindert. Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Röteln während der Schwangerschaft.

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