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Pfefferspray und Schreckschusswaffen: Bürger in der Region rüsten auf - Zahl der Anträge auf Waffenscheine steigt massiv

(Trier) Terror und Gewalt verunsichern viele Menschen, der Wunsch nach effektiver Verteidigung wird größer. Die Zahl der Anträge auf den kleinen Waffenschein steigt seit den Ereignissen in Köln auch in der gesamten Region Trier deutlich an. Doch die Polizei warnt vor Aufrüstung und Bewaffnung.

22.01.2016
Jörg Pistorius und Bernd Wientjes
Die Terrorangriffe von Paris und die sexuellen Übergriffe auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht wecken in vielen Menschen den Wunsch, sich in einem solchen Notfall effektiver schützen zu können. Und in der Region spricht die Polizei von einer ungewöhnlichen Häufung von Straftaten in der vergangenen Woche. Es gebe aber keinen Grund, dass sich die Bevölkerung nun unsicher fühlen muss, sagt Polizeisprecher Uwe Konz.

Dennoch: Die Stadt Trier und die Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel melden einen deutlichen Anstieg von Nachfragen und Anträgen auf das Dokument, das notwendig wird, wenn man Schreckschuss-, Signal- oder Reizwaffen in der Öffentlichkeit tragen will - den sogenannten kleinen Waffenschein.

Waffen dieser Art, die das Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen, kann jeder Volljährige in Deutschland ohne behördliche Genehmigung kaufen und zu Hause aufbewahren. Will er sie aber in der Öffentlichkeit tragen, braucht er den kleinen Waffenschein, sonst begeht er eine Straftat. Die Genehmigungsbehörden sind die kreisfreien Städte und Landkreise.

Die Stadt Trier befragt die Antragsteller grundsätzlich nach ihren Gründen. "Neben der Abwehr von Tieren taucht der Selbstschutz oft auf", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt Trier. "Auf Nachfrage geben die Antragsteller oft ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis an", erklärt Heike Linden für den Kreis Bitburg-Prüm. "Dazu tragen die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit maßgeblich bei."

Doch die Polizei warnt vor solchen Abwehrwaffen. "Das Ereignis von Köln darf nicht dazu führen, dass sich insbesondere Frauen dazu genötigt fühlen, aufzurüsten und sich zu bewaffnen", sagt Jennifer Schmidt, die Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Trier. "Denn daraus kann eine Situation entstehen, der sie unter Umständen nicht gewachsen sind." Das gelte vor allem für den bevorstehenden Straßenkarneval. Schmidt verweist stattdessen auf die Verhaltensregeln der Kampagne "Wer nichts tut, macht mit": im Notfall sofort Hilfe rufen, den Polizeinotruf 110 wählen, Täter genau beobachten, als Zeuge aussagen.

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