So können Sie Anzeichen für Krebs erkennen - Frühe Diagnose kann Heilungschancen erhöhen

Trier · Viele Krebspatienten würden noch leben, wenn sie besser auf sich selbst geachtet hätten. Bei Haut-, Brust- oder Hodenkrebs ist das regelmäßige Beobachten oder Abtasten des eigenen Körpers die wichtigste Vorsorge. Denn ein früh erkannter Tumor hat beste Heilungschancen.

Eine von acht Frauen in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Die Deutsche Krebshilfe schätzt die Zahl der Neuerkrankungen im Jahr auf 75.200. Jede vierte betroffene Frau ist bei der Diagnosestellung jünger als 55 Jahre, jede zehnte unter 45 Jahre alt. "Spätestens ab einem Alter von 30 Jahren sollte jede Frau einmal im Monat unter der Dusche bei eingeseifter Haut ihre Brüste abtasten", empfiehlt der Frauenarzt Dr. Alexander Roberg. "Wer das regelmäßig macht, hat mehr Bewusstsein für den eigenen Körper und spürt Veränderungen.

Alarmzeichen sind Veränderungen der Brust in Form und Größe, ungewöhnliche Unterschiede der Brüste, Hauteinziehungen, eingezogene Brustwarzen, Orangenhaut, Rötungen oder Absonderungen aus der Brustwarze. Einseitige Brustschmerzen sind Signale, die immer einen Besuch beim Arzt zur Folge haben sollten.
Zwar gehört in Deutschland die jährliche Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung ab 30 Jahren zu den Leistungen jeder Krankenkasse. Sie beinhalte allerdings nicht eine Ultraschalluntersuchung, die Roberg generell jeder Frau empfiehlt. Denn ein Tumor wachse häufig lange unbemerkt und sei erst spät tastbar.

Der Obmann der Frauenärzte im Bezirk Trier bedauert, dass viele Frauen diese Untersuchung aus Kostengründen ablehnen. Für Frauen ab einem Alter von 50 Jahren bieten die Krankenkassen alle zwei Jahre eine Röntgenuntersuchung (Mammographie) an, die bundesweit wissenschaftlich begleitet wird. "Dank dieses Screenings werden deutlich mehr kleine Tumore gefunden", weiß Alexander Roberg, der sich für die Krebshilfe Rheinland-Pfalz engagiert. "Das verbessert die Überlebenschancen."

Je früher Tumore entdeckt werden, desto besser sind sie behandelbar. Das gilt auch für den Hautkrebs. Die Zahl der Neuerkrankungen hat in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Mehr als 875.000 Patienten befinden sich nach Schätzungen der Deutschen Krebsgesellschaft derzeit jährlich aufgrund einer Hautkrebserkrankung in Behandlung. Das müsste nicht sein, denn wer seine Haut vor UV-Strahlen schützt, betreibt die beste Prävention.
"Leider sind Hüte und lange Bekleidung im Sommer nicht in Mode", bedauert Dr. Eduard Biwer. Der Trierer Hautarzt ("Jeder Sonnenbrand in der Kindheit ist eine Langzeitschädigung.") hat sich dem Kampf gegen den Krebs verschrieben und bietet zum Beispiel einmal im Jahr im Freibad einen kostenlosen Hautcheck an. "Dabei haben wir auch schon akute Tumore entdeckt."

Biwer will die Menschen nicht nur dafür sensibilisieren, ihre Haut mit Sonnenschutzcreme und Bekleidung zu schützen. "Wir wollen auch zur Eigenkontrolle ermutigen. Wenn sich ein Muttermal verändert, ist es wichtig, den Arzt nachschauen zu lassen."

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Versicherten ab 35 Jahren alle zwei Jahre eine Untersuchung der gesamten Körperoberfläche. Besonderes Augenmerk wird dabei nicht nur auf den aggressiven Schwarzen Hautkrebs gelegt. Auch der nicht so einfach zu erkennende Weiße Hautkrebs steht dabei im Fokus.

"Die Bräunung der Haut ist deren Versuch, sich vor UV-Strahlung zu schützen", sagt Eduard Biwer, "spätestens mit 80 Jahren ist diese Reparaturfähigkeit erschöpft."

Nur halb so alt sind Männer, die noch ein erhöhtes Risiko haben, an Hodenkrebs zu erkranken. Dieser Tumor gilt als Erkrankung des jungen Mannes zwischen 20 und 40 Lebensjahren. "Größenzunahme und eine meist schmerzfreie Schwellung sind dafür Anzeichen, die sich gut ertasten lassen", sagt der Urologe Dr. Claus Luxenburger, Oberarzt im Akademischen Lehrkrankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier. "Wenn Hodenkrebs früh erkannt und behandelt wird, gilt er zu nahezu 100 Prozent als heilbar. Die eigentliche Frage, die sich immer stellt, ist die, ob der Tumor gestreut hat."

Das gilt natürlich auch für Brust- und Hautkrebs. Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, macht im Gespräch mit unserer Zeitung Hoffnung: "Mit Blick auf die Überlebenschancen hat sich in den vergangenen zehn Jahren beim Brustkrebs viel getan. Beim Schwarzen Hautkrebs eröffnen die neuen Erkenntnisse wirkliche Dimensionen für ein längeres Überleben."

Die Experten sind sich einig. Bei Brustkrebs, Haut- oder Hodenkrebs kann jeder selbst durch Sensibilität für den eigenen Körper dazu beitragen, krankhafte Veränderungen frühzeitig zu entdecken.

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