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Streit um Moderatorin: Donald Trump boykottiert Fernsehdebatte

(Washington) Donald Trump wird nicht an der letzten Fernsehdebatte der republikanischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur teilnehmen. Er boykottiert eine der Moderatorinnen.

27.01.2016
Frank Herrmann
Eigentlich ist Fox News der Haussender der Konservativen, ein Kanal, dessen Kommentatoren selten ein Hehl daraus machen, dass sie die Weltsicht republikanischer Politiker teilen. Glenn Beck, der Fernsehprediger der Tea Party, durfte dort eine Weile für die rechte Rebellenbewegung trommeln, die schrille Sarah Palin hatte eine Zeit lang ihre eigene Show, und wenn Fox-Reporter auf Pressekonferenzen des Präsidenten Barack Obama zu Wort kommen, geht es scharf und bisweilen polemisch zur Sache. Man könnte also meinen, es handelte sich um eine Ente, wenn es nun heißt, dass Donald Trump eine von Fox veranstaltete Fernsehdebatte zu boykottieren gedenkt. Ausgerechnet die letzte, bevor in Iowa der Marathon der Vorwahlen beginnt. 

Vordergründig dreht sich der Streit um Megyn Kelly, die Starmoderatorin, die am Donnerstag zu dem Trio gehört, das den republikanischen Kandidaten fürs Oval Office die Fragen stellen wird. Für Trump ist die 45-Jährige eine Art journalistische Nemesis, seit sie ihn beim Debattenauftakt im August an Sätze erinnerte, in denen er Frauen, die er nicht mochte, als „fette Säue“ und „Schlampen“ beschimpfte. Seitdem mag Trump auch Kelly nicht mehr. Ein Leichtgewicht, eine drittklassige Reporterin, „sie behandelt mich nicht mit der gebotenen Fairness“, poltert er. Sollte Fox sie nicht ersetzen am Moderatorentisch vor der Debattenbühne, verzichte er auf eine Teilnahme. „Lasst sie doch ohne mich diskutieren. Mal sehen, wie sich das auf ihre Einschaltquoten auswirkt. Mal sehen, wie viel Geld sie machen, wenn ich nicht dabei bin.“ 

Womöglich trete der New Yorker Tycoon nun zeitgleich bei einer Spendengala für verwundete Kriegsveteranen auf, bei einem Konkurrenzsender, wie er süffisant unterstreicht. Möglich ist auch, dass sich die Kontroverse doch noch als Sturm im Wasserglas entpuppt und beide Seiten in letzter Minute einlenken. Jedenfalls hat der milliardenschwere Provokateur erneut geschafft, was ihm seit Monaten immer wieder perfekt gelingt: Einmal mehr steht er unangefochten im Mittelpunkt des Medieninteresses, einmal mehr lässt sein Gedröhn leisere Rivalen wie Jeb Bush, Marco Rubio oder John Kasich wie bessere Statisten aussehen. Und auch Roger Ailes, der Chef des Fox-Netzwerks, versucht die Gunst der Stunde für sich zu nutzen: Ein Showdown mit dem ruppigen Immobilienkönig bedeutet schließlich, dass man selber vom Hype um Trump profitiert. 

„Wir haben aus geheimen Kanälen erfahren“, lässt Ailes voller Spottlust erklären, „dass sowohl der Ajatollah als auch Putin die Absicht haben, Donald Trump unfair zu behandeln, falls er Präsident wird.“ An Kelly jedenfalls sei nicht zu rütteln, „es überrascht uns, dass er so viel Angst vor der Aussicht hat, von ihr befragt zu werden“.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Kandidat ein Wortduell im Fernsehen auslässt. 1980 entschied Ronald Reagan, seinem Kontrahenten George Bush kurz vor dem Ausscheid in Iowa aus dem Weg zu gehen, was zwar einige Iowaner kränkte, letztlich aber nichts an Reagans Gesamtsieg änderte. 2000 war es Bushs Sohn, George W., der eine Reihe von Diskussionen ignorierte. Im Falle Trumps allerdings geht es um mehr als bloß um taktisches Geplänkel. Zu beobachten ist ein autoritärer Geschäftsmann, dem in seiner Firma selten jemand zu widersprechen scheint und der schnell rabiat wird, wenn ihm die Kontrolle entgleitet. 

Einmal ließ er einen Reporter des spanischsprachigen Senders Univision von einem Leibwächter aus dem Saal schubsen, weil Jorge Ramos kritisch - und unaufgefordert, man stelle sich vor! - nach Trumps Plänen zum Mauerbau an der Grenze zu Mexiko gefragt hatte. Wer über Wahlveranstaltungen des Unternehmers berichten will, muss sich in einem abgezäunten Bereich aufhalten, am Ende, in der Mitte, in einer Ecke der jeweiligen Arena, wo auch immer, jedenfalls von Absperrgittern umgeben. Andere Bewerber halten es ähnlich, nur achtet Trumps Pressestab wirklich mit Argusaugen darauf, dass man den Medien-„Käfig“ nicht auch nur für eine Minute verlässt, etwa, um mit Wählern zu reden. Eine Missachtung der peniblen Regeln kann dazu führen, beim nächsten Mal nicht mehr zugelassen zu werden. Vom Kontrollwahn eines Verunsicherten spricht denn auch Megyn Kelly. Ihre persönliche Revanche: Zwei Abende vor der Debatte holte sie Michael Moore, den linken Filmemacher, als Gast in ihre tägliche Show. Der hatte zum letzten Mal 2009 bei Fox in einem Studio gesessen. 

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