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Terror in Brüssel und Paris - wie die Trauer ihren Ausdruck findet

(Brüssel/Paris) Die Terrorangriffe haben Brüssel gelähmt. Über die Stadt verteilt bringen Menschen ihre Trauer zum Ausdruck. Manches erinnert an Paris nach der Terrorserie im November. Aber es ist auch anders. Dossier zum Thema: Terroranschläge in Brüssel

24.03.2016
ebastian Kunigkeit und Lena Klimkeit, dpa
Erst Paris, dann Brüssel: Zwei europäische Metropolen werden innerhalb kurzer Zeit Ziel von Terrorangriffen. Die Menschen trauern, suchen Halt im Zusammenschluss und Symbole für ihre Gefühle. In Brüssel erinnert manches an Paris - aber längst nicht alles.

ORTE: In Paris zog es schon am Morgen nach der Terrorserie im November 2015 die ersten zu den abgesperrten Anschlagsorten. Sie wurden zu Gedenkstätten. An der abgeriegelten Metro-Station Maelbeek mitten im Brüsseler Europaviertel liegen dagegen nur wenige Blumen. Seit dem Abend nach den Anschlägen versammeln sich auf dem Platz vor der Börse in der Innenstadt Hunderte Menschen - junge, alte, Einheimische und Touristen. Sie legen Blumen nieder und stellen Teelichter auf - mitten auf einer langen, leeren Einkaufsstraße. Auf dem Boden stehen Sprüche, mit Kreide geschrieben. Drum herum ein Ring aus Fernsehteams. Ein ZDF-Reporter nennt es „Trauer-Happening“. In Paris war es der Platz der Republik, der ganz selbstverständlich zum zentralen Gedenkort wurde.

NATIONALE SYMBOLE: Belgien gilt als zerrissen: Der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen spaltet das Land. Es gibt drei offizielle Landessprachen. Rund um die EU-Institutionen trifft man auf jede denkbare Nationalität. Die Trauer äußert sich genauso international: Am Donnerstag hängen neben der belgischen Flagge auch die türkische, britische und portugiesische an einem Gitter der Börse. In Frankreich dagegen standen nationale Symbole nach den
Terrorattacken hoch im Kurs: Immer wieder wurde die kämpferische Nationalhymne geschmettert, Medien berichteten von gestiegener Nachfrage nach französischen Fahnen. In Frankreich, das sich als Land der Menschenrechte und von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit versteht, wurden die Anschläge bewusst als Angriff auf diese Wertegemeinschaft verstanden.

TRAUER UND TROTZ: Das Manneken Pis als Zeichen des Trotzes: Auf einem Bild, das sich rasch in den Sozialen Medien verbreitet, steht der kleine Mann, der sich in der belgischen Hauptstadt in einem Brunnen erleichtert, und pinkelt auf den Zünder einer Bombe. Darunter steht „Pis & Love“ in Anlehnung an „Peace & Love“ (Frieden und Liebe). Auch in Paris zeigten die erschütterten Menschen Stärke, auf handgemalten Zetteln, hingekritzelten Botschaften etwa: „Vive la France“, „Widerstand gegen die Barbarei“ und immer wieder: „Nicht mal Angst“.

INTERNET: Bilder, Karikaturen und Slogans tauchen auch im Internet auf. Seit dem Angriff auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ wurde das Solidaritäts-Motto „Je suis Charlie“ immer wieder angepasst - nun wurde daraus „Je suis Bruxelles“ oder „Ik ben Brussel“. Doch anders als nach Paris färben nach Brüssel nur wenige ihre Profilfotos in den Sozialen Netzwerken in den Farben des angegriffenen Landes.

TROST: Kleine Szenen spenden Trost: In Brüssel wird der Tragödie mit Humor begegnet. Auf den Straßen der bierseligen Stadt steht etwa „Beer is better than Blood“ (Bier ist besser als Blut) oder „Drink/Cheers in heaven“ (Trink/Prost im Himmel). In Paris rührte viele ein herzerweichendes Interview im Internet: Ein kleiner Junge erzählte verschreckt, dass er wegen der bösen Männer wohl umziehen müsse. Die Kamera hielt drauf, während der Vater geduldig erklärte, dass der Sohn keine Angst haben müsse - bis dieser erleichtert verkündet: „Die Blumen und Kerzen sind dafür da, uns zu beschützen.“

ABER DENNOCH: Im Europaviertel laufen zwei Tage nach den Anschlägen die Menschen geschäftig durch die Straßen. Es wirkt, als wollten viele schnell zurück zur Normalität. In Paris wirkten die Straßen anfangs wie erstarrt, gespenstisch verwaist. Doch nach wenigen Tagen wurde auch hier unter dem Motto „Tous au bistrot“ zum demonstrativen Bar-Besuch aufgerufen. Für viele wurde das Glas auf der Café-Terrasse zum Symbol, sich Freiheit und Lebensstil nicht nehmen zu lassen.

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