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aus unserem Archiv vom 22. März 2011
Ort: Trier/BerlinKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Verbraucher: Atomstrom, nein danke!

Ansturm auf Ökostrom: Nach der Atomkatastrophe in Japan wollen viele Verbraucher auf alternative Energien umsteigen, auch in der Region Trier. Derweil beauftragt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwei Kommissionen mit der Neubewertung der Sicherheit deutscher Kernkraftwerke.
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(hw) Die Überprüfung der deutschen Atomkraftwerke ist auch nach einem Treffen von Bundeskanzlerin Merkel mit den fünf Ministerpräsidenten, in deren Ländern Atomanlagen stehen, weiter unklar. Die Regierung beauftragt nun zwei Kommissionen mit der Klärung von technischen und ethischen Grundsatzfragen.

Viele Bürger wollen nicht mehr auf die Politik warten und stimmen bereits mit ihrem Verhalten ab: „Leute, die jetzt aktiv werden haben einen Anbieterwechsel schon vorgehabt. Die Atomkatastrophe in Japan hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt der Energieexperte der Verbraucherberatung Rheinland-Pfalz, Hans Weinreuter, dem TV. Prof. Dirk Brechtken von der Fachhochschule Trier, hat dafür Verständnis: „Vor dem Eindruck dieser Katastrophe erscheint Ökostrom fast wie Genuss ohne Reue. Das ist zwar nicht rational, emotional aber verständlich.“

Nach Angaben von Vergleichsportalen wie Verivox oder Toptarif ist das Interesse der Kunden deutlich gestiegen. Bis zu zehn Mal mehr Anfragen zu Ökostrom melden diese Portale. Auch in der Region ist dies festzustellen. „Bei unserem bundesweiten Ökostromprodukt Römerstrom können wir derzeit mehr Nachfragen feststellen“, sagt der Pressesprecher der Stadtwerke Trier, Carsten Grasmück. Alle SWT-Privatkunden beziehen bereits seit 2007 Ökostrom. „Der wird zu 100 Prozent aus Wasserkraft produziert. Unsere Sonderverträge, S-Komfort-Öko und Römerstrom werden vom Tüv zertifiziert.“

Doch bei allem Wechselwillen der Verbraucher warnt der Experte Hans Weinreuter, genau hinzusehen: „Nicht überall dort, wo Öko draufsteht, ist auch Öko drin.“ So kritisiert der Verbraucherschützer, dass unter dem Umweltlabel oft auch Strom verkauft werde, für den fossile Brennstoffe wie Gas oder Heizöl, verfeuert werden. Aus der Steckdose kommt überall der gleiche Strom. Physikalisch sei Öko- nicht von herkömmlichem Strom zu unterscheiden, so die Stiftung Warentest: „Bildlich gesprochen speisen alle Erzeuger der Windmüller genauso wie das Atomkraftwerk ihren Strom in einen See ein, aus dem alle Kunden gleichermaßen beliefert werden.“

Extra

(hw) Netzausbau in der Region: Das RWE-Regionalzentrum Trier hat im vergangenen Jahr rund 60 Millionen Euro für Dienstleistungen und Material in seine Netze in der Region investiert. Zum Netz gehören rund 6600 Kilometer Leitungen im Niederspannungsbereich bis 400 Volt und 3800 Kilometer im Bereich Mittelspannung (20 000 Volt). Das RWE betreibt zudem 4000 Netzstationen. Laut Klaus Voußem, Leiter des RWE-Regionalzentrums Trier, wurden weitere 2,5 Millionen Euro an Eigenleistungen für Montagearbeiten erbracht. In der Mittelspannung demontierten die RWE-Monteure 155 Kilometer Freileitung. Ersetzt wurden sie durch 220 Kilometer im Boden verlegte Kabel. Dazu wurden 108 Netzstationen neu aufgebaut. In dem Paket nicht enthalten ist die sogenannte 110 000-Volt-Ebene (700 Kilometer), die nicht von Trier aus betreut wird. RWE-Sprecher Rolf Lorig verweist auf den Ausbau der regenerativen Energie durch den Stromkonzern in der Region. „Aktuell hat die Zahl der dezentralen Anlagen wie Wind, Photovoltaik und Biogas die Marke von 5000 Stück überschritten. Dabei betrug alleine der Zubau an Photovoltaikanlagen über 100 Megawatt.“

Extra: Vorlesung zur Atomkraft

Der Fachbereich Technik an der Fachhochschule Trier bietet am Donnerstag, 24. März, eine Sondervorlesung zum Thema Kernenergie und zu den Ereignissen im Kraftwerk Fukushima an. Professor Lars Draack informiert über Radioaktivität, Kernspaltung, Sicherheitsmaßnahmen und Unfälle. Die Vorlesung von 11.45 bis 13.15 Uhr in Gebäude A, Raum 3, ist auch für Nichtstudierende offen. Sie gehört zum neuen FH-Studiengang Sicherheitsingenieurwesen. cus


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