ausallerwelt/themendestages

Zika-Virus auf dem Vormarsch: WHO ruft Notstand aus - Gefahr in Deutschland sehr gering

Wie gefährlich ist das Zika-Virus? Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht eine mögliche Verbindung zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen und hat deshalb eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Die wichtigsten Fakten und Hintergründe zur Lage in Deutschland:

02.02.2016
Von Stefan Vetter
Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?
Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist offenbar äußerst selten. Das Zika-Virus wird in erster Linie durch die Gelbfiebermücke übertragen, die in Deutschland aber nicht vorkommt. Noch ungeklärt ist, ob auch die Asiatische Tigermücke das Virus verbreitet. Sie ist vereinzelt im süddeutschen Raum anzutreffen. Das Bundesgesundheitsministerium verwies gestern auf Einschätzungen von Wissenschaftlern, die die Verbreitungsgefahr in Deutschland für sehr gering halten. Der Grund: Dafür sei es einfach zu kühl.

Gibt es bereits Infektionen?
Ja. Das Bundesgesundheitsministerium geht bislang von fünf bestätigten Fällen seit Oktober 2015 aus. Allerdings haben sich die Betroffenen im Ausland angesteckt. Von einer Übertragung in Deutschland ist bislang nichts bekannt. Die Dunkelziffer dürfte trotzdem höher liegen, denn eine Feststellung des Zika-Virus ist schwierig, auch weil die Symptome in aller Regel nicht sonderlich dramatisch sind.

Was sind die Symptome?
Die Infektion ist mit Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen sowie einer Bindehautentzündung verbunden. In seltenen Fällen geht sie auch mit Muskel- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen einher. Die Symptome treten in einem Zeitraum von drei bis zwölf Tagen nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kam es im Ausland schon zu einzelnen Todesfällen, die aber offenbar in Verbindung mit schweren Vorerkrankungen stehen. Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Infektion in der Schwangerschaft und Hirnfehlbildungen bei ungeborenen Kindern werde derzeit untersucht, so das Institut.

Für wen ist eine Infektion gefährlich?
Gefährdet sind offenbar besonders Schwangere. Allein in Brasilien wurden seit letzten Oktober mehr als 4000 Neugeborene mit Verdacht auf Mikrozephalie, also einem zu kleinen Kopf registriert, was mit einer geistigen Behinderung einhergeht. In allen bislang untersuchten Fällen hatten sich die Betroffenen während der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus angesteckt.

Welche Therapien gibt es?
Derzeit gibt es weder einen Impfstoff noch spezielle Medikamente, um die Infektion gezielt zu bekämpfen. Bis zu den Fehlbildungen bei Neugeborenen war nur ein vergleichsweise wenig problematischer Krankheitsverlauf bekannt, weshalb auch kein Impfstoff entwickelt wurde. Genutzt werden schmerz- und fiebersenkende Mittel sowie ausreichend Flüssigkeit. Das Robert-Koch-Institut rät Reisenden, die innerhalb von drei Wochen nach ihrer Rückkehr über Symptome klagen, die auf das Zika-Virus schließen lassen, einen Arzt zu kontaktieren und auf ihre Reise hinzuweisen.

Wie reagiert die deutsche Politik?
Das Außenamt rät Schwangeren, nicht zwingend notwendige Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Fällen zu vermeiden. Dabei handelt es sich insbesondere um Lateinamerika und die Karibik. Bei unvermeidbaren Aufenthalten wird eine Beratung durch einen Tropen- und Reisemediziner dringend empfohlen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat indes eine Meldepflicht für entsprechende Erkrankungen initiiert. Dadurch lassen sich die Fallzahlen besser überblicken. Eine einschlägige Verordnung muss aber noch von der Regierung und dem Bundesrat verabschiedet werden.

Empfehlungen

Kommentare