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20.03.2017

"Ich habe mich wie auf einem Rockkonzert gefühlt"

(Berlin/Trier) Wie regionale SPD-Delegierte die Wahl live erleben Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

Berlin/Trier (flor) Wirklich telefonieren kann Sven Teuber nicht, als er im Zug von Berlin nach Trier sitzt. Immer wieder reißt das Netz ab. Aber egal. Mehrere Anrufversuche machen dem SPD-Landtagsabgeordneten nichts aus - er erzählt gerne vom Tag, an dem er mit seiner Stimme Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten wählte. "Die Partei hat ja selbst Sigmar Gabriel zugejubelt - und das ist schon lange her", meint Teuber. Von der Begeisterung angesteckt ist auch der 34-Jährige, der morgens ein Foto auf Facebook postete, wie er in SPD-roten Schuhen durch den Treptower Park joggt. Der Lauf sei aber nicht nur ein Zeichen für Schulz gewesen, räumt er lachend ein. "Ich hatte eine Sprunggelenksverletzung und bin froh, mich wieder bewegen zu können." 55 Minuten hielt er durch - und war danach einer von 605 Delegierten, die Schulz wählten. Die Begeisterung breite sich auch in der Region aus. Aus Trier seien 50 SPD-Mitglieder mit dem Bus nach Berlin gefahren, nur um die Schulz-Wahl live zu erleben. "Einige Mitglieder sagten mir, eine solche Euphorie haben sie das letzte Mal bei Willy Brandt erlebt", erzählt Teuber. Das Leben der Menschen besser machen sei ein wichtiger Satz von Willy Brandt gewesen, sagt die Vulkaneifelerin Astrid Schmitt. Die Landtagsabgeordnete habe berührt, dass Martin Schulz dieses Ziel in Berlin aufgegriffen habe. Ihr Eindruck von der Wahl: "Ich habe mich wie auf einem Rockkonzert gefühlt." Mit einem echten Schulz-Fan habe sie danach noch in Kreuzberg was getrunken - mit Nick Radermacher, einem jungen Ortsbürgermeister aus Gunderath (Vulkaneifel). "Er ist wegen Martin Schulz frisch in die SPD eingetreten und wollte die Wahl erleben. Das zeigt, wie Schulz die Menschen elektrisiert."
Bettina Brück ist spätestens seit dem vergangenen Jahr Schulz-Fan, als sie ihn in Wittlich kennenlernte. Die Thalfangerin machte da noch Fotos mit dem Handy - und wünschte sich insgeheim, Schulz könnte mal Kanzler sein. "Damit gerechnet hätte ich nicht. Mir gefällt, dass er überzeugter Europäer ist." Dem Eifeler Nico Steinbach imponiert, dass der Funke von Schulz überspringe. Der Kanzlerkandidat spreche nicht verklausuliert, sondern verständlich. Die Fahrt nach Berlin habe sich gelohnt, sagt der Landtagsabgeordnete. "Auch wenn ich erst tief in der Nacht zuhause bin."

 

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