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Kanzlerin steht hoch im Kurs: Merkel soll`’s wieder richten

Allensbach-Studie: Eliten begrüßen erneute Kandidatur

(Berlin) Mit der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump an diesem Freitag in Washington verbinden Deutschlands Eliten große wirtschaftliche und politische Risiken. Wohl auch deshalb steht bei ihnen Angela Merkel (CDU) weiter hoch im Kurs. Nach einer aktuellen Allensbach-Umfrage begrüßen drei Viertel der Topentscheider ihre erneute Kanzler-Kandidatur. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

20.01.2017
Stefan Vetter
Berlin. Der Erhebung zufolge glauben nur vier Prozent der Spitzenvertreter von Politik, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung, dass Deutschland von der Trump-Präsidentschaft ökonomisch profitieren könnte. 43 Prozent befürchten negative Auswirkungen. So geht nur noch jeder zehnte Topentscheider davon aus, dass das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA realisiert werden kann.
Trump hatte bereits im Wahlkampf mit Handelsbeschränkungen und Strafzöllen gedroht, um die US-Wirtschaft zu schützen. Dass der neue Mann im Weißen Haus künftig "deutlich gemäßigter" agieren könnte, glaubt nicht einmal jeder vierte Befragte (23 Prozent). Mit einem "etwas" gemäßigteren Kurs rechnen 68 Prozent. Fast genauso viele halten es aber für unwahrscheinlich, dass Trumps Kurs den Amerikanern eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage bescheren könnte. Eine überwältigende Mehrheit von 76 Prozent geht sogar von einer Verschärfung der sozialen Spaltung in den USA aus. Für Deutschland sehen nur 37 Prozent die Tendenz einer ähnlichen Entwicklung.
Eine Mehrheit von 58 Prozent ist allerdings davon überzeugt, dass sich hierzulande eine Entfremdung zwischen den Eliten und weiten Teilen der Bevölkerung vergleichbar der in Amerika vollzieht. Unterschiedlich bewertet wird die Gefahr einer Abwendung großer Bevölkerungsteile von der etablierten Politik. Fast zwei Drittel der deutschen Wirtschaftslenker sehen hier einen ähnlich starken Trend wie in den USA. Von den politischen Führungsspitzen sagt das nur gut jeder Vierte. Offenbar hat die Politik ein deutlich rosigeres Bild von sich selbst, als ihr das von der Wirtschaft bescheinigt wird.

Fels in der Brandung


Und was erwarten die Eliten von der nächsten Bundestagswahl? Immerhin 76 Prozent begrüßen die erneute Bewerbung Angela Merkels für die Kanzlerschaft. Gerade in unruhigen Zeiten scheint die Amtsinhaberin von der CDU für die Topentscheider ein politischer Fels in der Brandung zu sein. Selbst 67 Prozent der Befragten, die der SPD zuneigen, und sogar 87 Prozent der Grünen-Anhänger finden Merkels Wiederantritt gut. Über einen Gegenkandidaten von der SPD wird in Deutschlands Führungsetagen ganz ähnlich gedacht wie im großen Rest der Bevölkerung: Nur 19 Prozent können sich vorstellen, dass Sigmar Gabriel gegen Merkel eine Chance hat. Vom ebenfalls möglichen Aspiranten Martin Schulz glauben das immerhin 46 Prozent.
Die Präferenzen für eine künftige Koalition gleichen derweil einem bunten Flickenteppich. 25 Prozent geben - wen wundert’s ? - einem schwarz-gelben Bündnis den Vorzug, also einer Koalition aus Union und der traditionell wirtschaftsfreundlichen FDP. Es folgen ein Dreierbündnis aus Union, Grünen sowie FDP (21 Prozent) und eine schwarz-grüne Regierung (20 Prozent). Rot-Rot-Grün (SPD, Linke und Grüne) kommt nur auf sechs Prozent. Doch das ist alles Wunschdenken - in der Realität stellt sich eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit auf eine Wiederauflage der großen Koalition ein.