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"Schulz kann die SPD motivieren und mobilisieren"

Nach Einschätzung des Duisburger Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte ist der SPD mit der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ein geschickter Schachzug gelungen., Mit Korte sprach unser Berliner Korrespondent Stefan Vetter: Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

26.01.2017
Herr Korte, hat Sigmar Gabriel mit seinem Rückzug richtig gehandelt?
Karl-Rudolf Korte: Ja. Gabriel ist ein gewiefter Stratege, immer für Überraschungen gut. Mit Martin Schulz sind die Wahlchancen der SPD eindeutig gestiegen.
Das heißt, Angela Merkel muss sich jetzt warm anziehen?
Korte:: Auf jeden Fall kann Martin Schulz stärker mobilisieren. Es wirkt wie ein Befreiungsschlag in der Phase der Deprimierung. Die eigenen Parteigänger dürften jetzt deutlich motivierter in den Wahlkampf gehen. Für Merkel wäre Gabriel als Kanzlerkandidat zweifellos bequemer gewesen. Die Union muss sich nun darauf einstellen, überhaupt mal wieder einen Wahlkampf zu führen.

Wie meinen Sie das?
Korte: Angela Merkel steht international im Moment als letzte Vernunftspolitikerin da. In Nachbarländern wie Frankreich oder den Niederlanden drängen die Rechtspopulisten an die Macht. Daraus eine Wahlkampfmelodie mit Merkel zu entwickeln, bedeutet, mit aller Kraft auf das Bestehende sichernd und rational zu setzen. Um bei der Union zu mobilisieren, braucht man aber auch eigene Themen als Legitimation für vier weitere Jahre. Dieser Mühe musste sich die Union bislang nicht unterziehen. Ihr Thema hieß ausschließlich Merkel. Das dürfte sich nun ändern.

Inwiefern?
Korte: Der anstehende Wahlkampf wird ideologischer werden. Auch strittiger und emotionaler. Und genau das kann Merkel nicht wirklich gut.

Innenpolitisch ist Schulz aber noch ein unbeschriebenes Blatt ...
Korte: Schulz ist frei, um Merkel politisch attackieren zu können. Er muss sich ja keiner Kabinettsdisziplin unterordnen, da er der Bundesregierung nicht angehört. Das ist ein Vorteil. Positiv kommt hinzu, dass sein Name auch jetzt schon vielen bekannt ist. Im Übrigen bleibt Schulz bis zur Wahl im September noch genügend Zeit, um sich auch innenpolitisch zu profilieren.

Wie könnte der "Schulz-Effekt" die anstehenden Landtagswahlen beeinflussen?
Korte: Die Wähler unterscheiden nicht mehr wirklich zwischen Landtagswahl oder Bundestagswahl. Übergeordnete Trends werden gewählt. Deshalb dürfte der Schulz-Effekt, wie Sie es nennen, sicher auch einen Vitalisierungsschub für die SPD bringen - etwa im Saarland. vet