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Wahlexperte zum Fernsehduell Merkel-Schulz: "Der Wahlkampf fängt jetzt erst richtig an"

(Berlin) Das Fernseh-Duell zwischen den Spitzenkandidaten von Union und SPD ist besser als sein Ruf. Das sagt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

05.09.2017
Stefan Vetter, Werner Kolhoff
Herr Brettschneider, wie hilfreich war das Duell für die persönliche Wahlentscheidung?
Frank Brettschneider Die klassischen Stammwähler von Union und SPD sind davon nicht zu beindrucken. Sie fühlen sich in ihrer eigenen Meinung eher noch bestätigt. Wichtiger sind die noch nicht entschiedenen Wähler. Sie werden festgestellt haben, dass es zwischen den beiden Kandidaten viele Gemeinsamkeiten und wenig Unterschiede gibt.

Und was folgt daraus?
Brettschneider Die noch Unentschiedenen können entweder in weiteren Sendungen nach Unterschieden zwischen Union und SPD suchen. Oder sie können schauen, was die kleinen Parteien inhaltlich zu bieten haben.

Viele haben das starre Korsett der Sendung beklagt. Sie auch?
Brettschneider Im Grundsatz ist das Fernseh-Duell besser als sein Ruf. Viele Bürger schätzen es, auch mal länger am Stück Positionen zu bestimmten Themen zu hören und nicht wie in den gängigen Talk-Shows nur 15-Sekunden-Statements. Ein paar Reformen an dem Format wären allerdings sinnvoll.

Nämlich welche?
Brettschneider Die Themenauswahl bürgernäher gestalten. Es ist unverständlich, dass die Hälfte der Sendung für die Zuwanderung und die Türkei-Politik draufging. Beides ist sicher wichtig. Aber wenn der Wohnungsbau oder der Klimawandel überhaupt keine Rolle spielen, dann läuft etwas schief.

Was schlagen Sie vor?
Brettschneider Ein Meinungsforschungsinstitut könnte eine Woche vor einem solchen Duell die Bürger nach ihrer Themenpräferenz fragen. Und: Vier Moderatoren braucht kein Mensch. Zwei sind völlig ausreichend. Gern auch für zwei Duelle, das eine zur Innen- und das andere zur Außenpolitik.

Allen Umfragen zufolge hat Merkel das Duell gewonnen. Was hat Schulz falsch gemacht?
Brettschneider Schulz hat nicht deutlich machen können, warum er der Bessere ist. Schulz hätte viel selbstbewusster auf die Erfolge der SPD in der großen Koalition hinweisen können.

Der Ausgang des Duells hat die allgemeine Überzeugung bestärkt, dass Merkel Kanzlerin bleibt. Wie sehen Sie das?
Brettschneider Entschieden ist noch gar nichts. Die Union wird mehr Stimmen bekommen als die SPD. Damit liegt Merkel vor Schulz. Das kann man jetzt schon sagen. Aber Kanzlerin muss sie deshalb noch lange nicht bleiben. Beide Lager brauchen Koalitionspartner. Da können am Ende ein paar Tausend Stimmen entscheiden. Und das wird sich erst am Wahltag herausstellen.

Also doch kein Wahlkampf im Schlafwagen für Merkel?
Brettschneider Im Gegenteil. Der Wahlkampf fängt jetzt erst richtig an.