/dossier/default
26.08.2017
Rolf Seydewitz

Zwölf Trecker und ein Fehlerteufel

Trier ist als einzige Stadt in Deutschland Modell für die arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung Erwachsener. Das (und noch einiges mehr) schreibt die Schweicher SPD-Bundestagsabgeordnete und Familienministerin Katarina Barley in einem ihrer aktuellen Wahlkampf-Flyer. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

Dumm nur, dass im nächsten Satz gleich ein dicker Rechtschreibfehler folgt. Statt über Kürzungen, die Schwarz-Gelb zu verantworten habe, lästert Barley nämlich über ein von "Schwarz-Geld radikal gekürztes" Programm. Ist zwar beides aus Sicht der SPD-Frau womöglich gleich verwerflich, peinlich ist der Fehlerteufel nach dem Alphabetisierungsappell aber schon. Und was sagt Barleys Wahlkampftruppe zu dem Missgeschick? "Hat uns geärgert, als es aufgefallen ist. Aber da waren die Flyer schon verteilt", sagt Barley-Mitarbeiter Leif Knape. Ex-Kicker Lothar Matthäus hätte es womöglich etwas knackiger formuliert: "Schwarz-Gelb oder Schwarz-Geld - Hauptsache Italien!"

Apropos Italien. Dahin fährt Jürgen Krämer demnächst vielleicht mal in Urlaub. Vielleicht aber auch nicht. Sicher ist dagegen, dass sich der Eifeler um ein Bundestagsmandat bewirbt - im Wahlkreis Bitburg. Dort gewinnt seit Menschengedenken die CDU das Direktmandat. Keine guten Aussichten für einen Liberalen. Und Platz 7 auf der Landesliste ist auch nicht gerade verlockend. Da müsste die FDP nach Krämers Rechnung schon um die 18, 19 Prozent bekommen, damit er es in den Bundestag schafft. Trotzdem haben sich jetzt schon erste potenzielle Mitarbeiter beim Abgeordneten in spe beworben - mit Lebenslauf und Referenzen. Krämer antwortete freundlich: "Ich komme gegebenenfalls auf Sie zu."

Der SPD-Bewerber im Wahlkreis Bitburg, Jan Pauls, starrte bei seiner Werbetour durch die Eifel unlängst Bauklötze, besser gesagt Trecker. Als der 32-Jährige in einem Dorf, dessen Name an dieser Stelle nicht verraten wird, einen Bürger ansprach, der in seiner Garage einen alten Lanz-Bulldog lackierte, führte der den Genossen in eine alte Scheune.

Dort standen - wie in einem Museum - zwölf perfekt restaurierte Lanz-Traktoren, die der stolze Besitzer im Lauf der Zeit wieder auf Vordermann gebracht hat. Für Trecker-Fan Pauls, der selbst schon ein Fendt-Dieselross restauriert hat, dürfte es in dem Moment wichtigere Dinge gegeben haben als den Kampf um Wählerstimmen.

Der TV berichtet in seiner Kolumne Wahlkampf-Geschichte(n) regelmäßig über die kleinen kuriosen Ereignisse abseits der "großen" Wahlkampfereignisse. Ist auch Ihnen etwas Originelles aufgefallen? Ideen und Vorschläge bitte mailen an wahlen@volksfreund.de