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Wenn Wunden zu Warnzeichen werden

Von Arteriosklerose bis Venenleiden – das dreifach zertifizierte Zentrum für Gefäßmedizin des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier ist auf die Diagnose und Behandlung unterschiedlichster Gefäßleiden spezialisiert.

17.11.2016

Die Zeit heilt alle Wunden?
Was für seelisch belastende Erlebnisse gelten mag, ist auf körperliche Verletzungen kaum übertragbar. Die Zeit allein kann nicht alle Wunden heilen, sagt Dr. med. Christina Schneider, denn Wunden können auf ein Gefäßleiden hindeuten, weiß die Sektionsleiterin Gefäßchirurgie des von drei renommierten Fachgesellschaften zertifizierten Zentrums für Gefäßmedizin und Oberärztin der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. „Wer eine kleine Verletzung hat, etwa nachdem er sich gestoßen hat, und die Wunde auch nach einem längeren Zeitraum nicht abheilen will, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, rät die Medizinerin. Chronische Wunden seien häufig ein Indiz für eine Durchblutungsstörung, beispielsweise infolge einer Arteriosklerose.

Die Blutgefäße des Menschen bilden so etwas wie das Logistikzentrum des Körpers. Transportwegen gleich, werden über sie Organe und Zellen mit Nährstoffen sowie Sauerstoff, Hormonen und anderem mehr versorgt, was der Mensch zum Leben benötigt. So transportieren unsere Venen täglich bis zu 7000 Liter Blut zum Herzen. Zugleich werden über Gefäße giftige Abfallstoffe entsorgt. Gerät der Blutfluss ins Stocken oder wird er gar blockiert, ist Gefahr in Verzug. Vom Infarkt bis zum Schlaganfall reicht die Bandbreite bisweilen lebensbedrohlicher Folgen von Gefäßverengungen und -verkalkungen.

Das Tückische:
Anfangs verlaufen diese meist beschwerde- und symptomfrei, weshalb die Patienten die Diagnose oft nicht nur sprichwörtlich „wie der Schlag“ trifft. Allerdings gehen nicht alle Leiden in den Blutgefäßen mit einer Lebensgefährdung einher, und zumindest in einem fortgeschrittenen Stadium machen sich die Probleme auch durchaus bemerkbar.

Gefährliche Kombination: Diabetes und Gefäßleiden

Dr. Christina Schneider berichtet exemplarisch von der „Schaufensterkrankheit“, wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) landläufig bezeichnet wird. Hierbei kommt es zu schweren Durchblutungsstörungen und starken Schmerzen in den Beinen. Schätzungen zufolge sind ein Viertel der Deutschen über 55 Jahre von einer pAVK betroffen; Männer erkranken viermal häufiger als Frauen. Zu den Hauptrisikogruppen zählen Raucher und Diabetiker. Vor allem beim Gehen treten Schmerzen auf. Schon eine kurze Pause, die man für einen Blick ins nächstgelegene Schaufenster nutzen kann, führt zum Abklingen der Pein – daher die umgangssprachliche Bezeichnung der Krankheit.

Eine Patientengruppe jedoch, Menschen mit Diabetes Typ 2, seien im schlechtesten Sinne des Wortes „schmerzfrei“, erklärt Dr. med. Bernd Liesenfeld. Der Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin II und Facharzt für Nephrologie, Diabetologie und Angiologie, begegnete schon Patienten, die in einen Nagel getreten waren und hiervon nichts gespürt hatten.

Rund 6 Prozent der Menschen hierzulande sind von Diabetes betroffen. Eine permanente Verfügbarkeit von Lebensmitteln mit hoher Kaloriendichte, ausgeprägter Bewegungsmangel und das hieraus oft resultierende Übergewicht, werden den Trend noch verstärken, ist Dr. Liesenfeld überzeugt. Da ein unbehandelter Diabetes über kurz oder lang zur Schädigung der Nerven in den Füßen führt, spüren die Betroffenen nicht mehr, wenn der Schuh drückt, ein Stein piekst oder sich ein spitzer Gegenstand in die Sohle bohrt. Verletzungen sind so programmiert, und weil die Schmerzen infolge der Nervenschädigungen ausbleiben, bleiben die Wunden lange unbemerkt.

Ist das Übel erkannt, führt eine lokale und sachgerechte Wundbehandlung meist zu einem Therapieerfolg. Allerdings nur dann, wenn „lediglich“ ein Diabetes vorliegt und nicht noch zusätzlich ein Gefäßleiden. „Die Kombination Zucker und Gefäßerkrankung birgt große Gefahren und macht nicht selten eine Amputation von Teilen des Fußes oder sogar des Beines nötig“, sagt Dr. Bernd Liesenfeld. Deshalb gelte es, Risikofaktoren für eine Gefäßkrankheit frühzeitig zu Leibe zu rücken und zugleich den Diabetes optimal zu behandeln. Der Mediziner stellt klar: „Zucker kann fast immer perfekt therapiert werden.“ Allerdings setze dies voraus, dass der Patient seine Krankheit annehme und verstehe - und sich auf diese mit einer Umstellung seiner Lebensweise einstelle.

Unabhängig davon, ob ein Diabetes vorliegt oder das Gefäßleiden isoliert auftritt, rät Dr. Christina Schneider, nicht abheilende Wunden als Warnsignal wahrzunehmen und den Hausarzt aufzusuchen. Meist könne dieser schnell feststellen, ob eine Arteriosklerose, ein Venenleiden oder eines der weiteren zahlreichen gefäßmedizinischen Krankheitsbilder vorliegt. Sieht der Hausarzt die Notwendigkeit einer tiefergehenden Diagnostik, überweist er an einen Fachmediziner.

Patienten profitieren von gebündelter Erfahrung

Im Zentrum für Gefäßmedizin des Trierer Brüderkrankenhauses ist man für alle Formen und Folgen von Gefäßerkrankungen gewappnet. Das Zentrum besteht im Kern aus drei Schwerpunkten: der operativen Behandlung durch die Gefäßchirurgie, der internistisch ausgerichteten konservativen Behandlung mittels Angiologie sowie der interventionellen Radiologie, bei der verengte Blutgefäße mittels Katheter unter Röntgenkontrolle behandelt werden. Darüber hinaus arbeitet das Zentrum Hand in Hand mit den Abteilungen für Herz- und Thoraxchirurgie, Innere Medizin II (Diabetologie und Nephrologie) und III (Kardiologie) sowie Neurologie und Neurophysiologie zusammen. Gemeinsam werden Diagnostik und Therapie so aufeinander abgestimmt, dass Patienten mit Erkrankungen der Gefäße von der umfassenden Erfahrung und dem Wissen aller Experten profitieren. Dafür, Gefäßleiden möglichst frühzeitig auf die Spur zu kommen und zu Leibe zu rücken, spricht nicht zuletzt das sich verschlechternde Risikoprofil der Patienten. Durchblutungsstörungen konzentrieren sich nämlich nicht nur auf die Beine, vielmehr können sie im weiteren Verlauf auch schwerwiegende kardiologische oder neurologische Folgen mit sich bringen, zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Hirnschlag. „Bei Gefäßerkrankungen ist meist nicht nur eine Region des Körpers betroffen“, gibt Dr. Christina Schneider zu bedenken.

Wie sich ja auch die Ursachen meist nicht nur an einer Stelle des Körpers manifestieren. Ob Übergewicht, Bewegungsmangel oder Nikotinkonsum – ein ungesunder Lebensstil erhöht die Gefahr für eine Gefäßerkrankung beträchtlich. Das heißt im Gegenzug aber auch: Wer sich ausgewogen ernährt, blauen Dunst meidet und regelmäßig bewegt, senkt sein individuelles Erkrankungsrisiko.