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Bösartige Erkrankung eines gutmütigen Organs

Der Leberkrebs ist meist die Folge eines lange Zeit unbemerkten Leidens

26.09.2017
Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 6.000 Männer und rund 2.000 Frauen an Leberkrebs. Gemessen am Dickdarmkrebs mit jährlich ca. 65.000 Neuerkrankungen erscheint der Leberkrebs eher selten, „aber es sind dennoch mehr als doppelt so viele Menschen betroffen, als im Straßenverkehr ums Leben kommen“, gibt Professor Dr. med. Christian Kölbel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I des Brüderkrankenhauses zu bedenken. Meist ist der Leberkrebs der böse Endpunkt eines sich über Jahrzehnte fortschreitenden und lange unbemerkt bleibenden Leidens. „Die Leber ist ein sehr gutmütiges Organ, das viel aushält und eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit besitzt“, sagt Professor Kölbel und ergänzt: „Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit.“ Symptome zeigen sich oft erst spät, chronische Müdigkeit und Erschöpfung können erste Hinweise für eine Erkrankung liefern. Dass mit der Leber etwas nicht in Ordnung ist, zeigt sich bisweilen auch erst als Zufallsbefund bei einer Routineuntersuchung, etwa im Ultraschall. Allerdings sind manche Menschen besonders gefährdet: Wer über Jahrzehnte zu fett isst und zu viel Alkohol trinkt, läuft Gefahr, eine Leberzirrhose zu entwickeln. Aus dieser kann sich ein Krebs entwickeln, warnt Chefarzt Professor Kölbel. Wird ein solcher diagnostiziert, entscheiden verschiedene Faktoren wie beispielsweise Art und Größe des Tumors über die am meisten Erfolg versprechende Therapie. „Es gibt Leberkrebs und Krebs in der Leber“, erläutert Dr. med. Stefan Franzen, Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Soll heißen: Man unterscheidet zwischen bösartigen Tumoren, die in der Leber ihren Ausgangspunkt haben, und Metastasen, die von einem anderen Krebsherd, etwa dem Darm in die Leber gestreut wurden. Als erfahrener Leberchirurg weiß Franzen um die sehr gute Regenerationsfähigkeit des Organs: „Wir operieren so, dass möglichst viel gesundes Gewebe erhalten und krankes entfernt werden kann. Grundsätzlich ist es aber möglich, bis zu zwei Drittel der Leber zu entfernen.“ Ob Chirurgie oder Chemotherapie, eine kombinierte Behandlung wie die Chemoembolisation oder minimal-invasive Methoden wie SIRT – welcher Weg bei Diagnostik und Therapie eingeschlagen wird, entscheidet im Brüderkrankenhaus eine Tumorkonferenz, der Mediziner verschiedener Fachabteilungen angehören. Besiegelte früher die Diagnose „bösartiger Leberkrebs“ das Schicksal des Patienten, können heutzutage auch größere Tumoren entfernt und der Patient geheilt werden. Über Ursachen, Entstehung und Behandlung von Leberkrebs sowie die Möglichkeiten der modernen Leberchirurgie berichten Professor Dr. Christian Kölbel und Dr. med. Stefan Franzen am 20. September im Brüderkrankenhaus. In einem weiteren Vortrag erläutert Professor Dr. med. Winfried Willinek, Chefarzt des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin neue minimal-invasive Methoden bei Leberkrebs wie SIRT, TACE und RFA. Die Veranstaltung „Die Leber im Zentrum“ beginnt um 16.30 Uhr, der Eintritt ist frei.