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Datum: 21. Februar 2014
Autor: dpa
Ort: Berlin

Von A bis Z: Das Lexikon zum Ersten Weltkrieg

Alldeutscher Verband, Dolchstoßlegende, Entente: Die wichtigsten Begriffe zum Ersten Weltkriegs erklären wir hier:

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A wie ALLDEUTSCHER VERBAND: Die 1891 gegründete und 1939 aufgelöste Organisation war ein überparteiliches Sammelbecken nationalistischer Kräfte. Im Ersten Weltkrieg forderte der ADV ein aggressives Annexionsprogramm, um die deutsche Vormacht in Europa, Afrika und dem Nahen Osten zu sichern. Ende 1918 zählte er rund 36 000 Mitglieder.

B wie BURGFRIEDEN: Gemeint ist der Schulterschluss oppositioneller Parteien mit der Regierung angesichts des Krieges. Am 1. August 1914 stimmten im Reichstag alle Parteien, bis auf zwei SPD-Abgeordnete, den Kriegskrediten zu. Ihr Zusammenhalt hielt im Prinzip bis 1918, nur einzelne Abgeordnete wie Karl Liebknecht scherten aus.

C wie COMPIÈGNE: Am 11. November 1918 endete im Wald von Compiègne bei Paris der Krieg. Der DeutscheMatthias Erzberger, Führer einer zivilen Waffenstillstandsdelegation, und der Franzose Ferdinand Foch, Oberbefehlshaber der Entente, unterzeichneten in einem Eisenbahnwaggon den Waffenstillstand. Im Friedensvertrag von Versailles vom 28. Juni 1919 wurde die alleinige Kriegsschuld Deutschlands festgeschrieben.

D wie DOLCHSTOßLEGENDE: Danach soll Deutschland den Ersten Weltkrieg nicht militärisch-wirtschaftlich, sondern durch das Versagen und den Verrat bestimmter Gruppen in der Heimat verloren haben. Die These von einem «Dolchstoß» in den Rücken des «im Felde unbesiegten» Heeres machte Ex-Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg am 18. November 1919 vor einem Untersuchungsausschuss publik.

E wie ENTENTE: Zu diesem Bündnis hatten sich Frankreich, England und Russland 1907 vertraglich zusammengeschlossen. An ihrer Seite kämpften auch Serbien, Belgien sowie später die USA. Die Länder der Entente zählten 466,4 Millionen Einwohner und hatten insgesamt 38,6 Millionen Soldaten (ohne Kolonien) im Einsatz.

F wie FLAMMENWERFER: Mit der in Deutschland entwickelten Waffe konnten Gegner auf kurze Distanz mit Hilfe eines Flammenstrahls bekämpft werden. Dabei wird unter Druck stehendes Flamm-Öl durch ein Rohr verspritzt und entzündet. Anfang 1915 nutzten die Deutschen im erstarrten Stellungskrieg vor Verdun in Frankreich die ersten Flammenwerfer.

G wie GASKRIEG: Trotz der Ächtung in der Haager Landkriegsordnung von 1907 wurden von 1914 bis 1918 erstmals industriell in großen Mengen hergestellte Chemikalien als Waffen großflächig eingesetzt. 132 000 Tonnen Kampfstoffe wurden produziert, 113 000 Tonnen verwendet. Von den 45 verschiedenen Verbindungen waren 18 tödlich, der Rest reizend. Bilanz: 91 000 Tote und 1 200 000 Verletzte.

H wie HUNGERWINTER: Auch als «Kohlrübenwinter» bekannt. Im Winter 1916/1917 erreichte die Versorgungskrise in Deutschland ihren Höhepunkt. Als Ersatz für die miserable Kartoffelernte wurden rationierte Steckrüben ausgegeben. Die Widerstandskraft der Bevölkerung erlahmte, vor allem in den Städten. Insgesamt starben von 1914 bis 1918 in Deutschland 700 000 Menschen an Unterernährung.

I wie ISONZO-SCHLACHTEN: Nach Italiens Kriegseintritt 1915 entwickelte sich das im heutigen Slowenien gelegene Isonzo-Tal nördlich von Triest zum Hauptschlachtfeld der südlichen Front. Zwischen Juni 1915 und Oktober 1917 kämpften österreichisch-ungarische gegen italienische Truppen in zwölf Schlachten - meist ohne nennenswerten Raumgewinn.

J wie JULIKRISE: Damit werden die Ereignisse zusammengefasst, die seit der Ermordung des Wiener Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 zum Krieg führten. Am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn an Serbien ein unannehmbares Ultimatum und erklärte fünf Tage später den Krieg.

K wie KOLONIEN: Der europäische Krieg erfasste auch die deutschen Kolonien in Afrika, Asien und im Pazifik. Sie wurden von Truppen aus Japan, Großbritannien, Frankreich, Belgien und ihren jeweiligen Verbündeten erobert. Deutschlands Niederlage besiegelte das Aus für seine koloniale Herrschaft.

L wie LANGEMARCK: Am 10. November 1914 starben über 2000 junge und unerfahrene deutsche Soldaten, als sie nahe der Ortschaft Langemarck im belgischen Westflandern eine Hügelkette erobern wollten. Ihr «Heldentod» wurde glorifiziert. «Langemarck» stand über die Weimarer Republik hinaus für heroisches Sterben für Nation und Vaterland.

M wie MITTELMÄCHTE: Zu den Gegnern der Entente zählten Österreich-Ungarn, das Deutsche Reich sowie von 1915 an auch das Osmanische Reich und Bulgarien. Die Verbündeten zogen geografisch eine Art Mittelachse durch Europa. Mit 142,1 Millionen Einwohnern stellten die Mittelmächte insgesamt 24,4 Millionen Soldaten.

N wie NEUTRALE STAATEN: Während des Krieges verhielten sich nur sechs europäische Staaten mehr oder weniger neutral: Dänemark, Schweden, Norwegen, die Niederlande, die Schweiz und Spanien. In Übersee blieben Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Chile, Argentinien, Äthiopien, Persien, Afghanistan, Tibet und die Mongolei unparteiisch.

O wie OKTOBERREVOLUTION: Damit ist die gewaltsame Machtübernahme der kommunistischen Bolschewiki in Russland am 24./25. Oktober 1917 (Julian. Kalender; heute: 7. November) gemeint. Wladimir Lenin rief eine sozialistische Sowjetrepublik aus, die von einem Rat der Volkskommissare unter seiner Leitung geführt wurde.

P wie PROPAGANDA: Erstmals in der Geschichte entdeckten Generäle und Politiker die Macht der Worte und der Bilder. Alle beteiligten Nationen setzten moderne Medien wie Filme und Fotografie gezielt ein. Kriegspropaganda stachelte die Menschen an der Front und in der Heimat mit Durchhalteparolen und Berichten gegnerischer Gräuel an.

R wie REIMS: Die Geschichte der nordfranzösischen Stadt spiegelt das Auf und Ab des deutsch-französischen Verhältnisses. Im September 1914 schossen deutsche Soldaten die gotische Kathedrale, jahrhundertelang Krönungsstätte der französischen Könige, in Brand. Die Zerstörung des Kulturguts beschädigte das deutsche Ansehen international schwer. Am 8. Juli 1962 beschworen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Frankreichs Präsident Charles de Gaulle in der Kirche die Aussöhnung.

S wie SCHLIEFFEN-PLAN: Die von Ex-Generalstabschef Alfred von Schlieffen entworfene Kriegsstrategie sollte einen Zweifrontenkrieg vermeiden. Das deutsche Heer sollte ins neutrale Belgien einfallen und quasi von der Seite nach Nordfrankreich und bis Paris vorstoßen. Nach eingeplanter rascher Niederlage Frankreichs wären für den Kampf gegen Russland größere Verbände frei geworden. Der Plan scheiterte, weil die Gegner den deutschen Vormarsch stoppten und die Russen schnell mobilmachten.

T wie TANNENBERG: In der Kesselschlacht bei Tannenberg, ehemals Ostpreußen, schlugen deutsche Truppen unter Führung Paul von Hindenburgs und Erich Ludendorffs im August 1914 die 2. russische Armee vernichtend. Auf deutscher Seite starben 13 000 Soldaten, auf russischer wurden insgesamt 140 000 Mann getötet oder gefangen genommen. In der Folge entstand um Hindenburg ein Kult als «Held von Tannenberg».

U wie U-BOOT-KRIEG: Mit seiner Unterwasser-Flotte versuchte das Kaiserreich von 1915 bis 1918, die britische Seeblockade zu brechen und die Entente-Mächte von US-Lieferungen abzuschneiden. In ihrem zeitweilig uneingeschränkten U-Boot-Krieg versenkten die Deutschen über 5550 alliierte und neutrale Handelsschiffe sowie rund 100 Kriegsschiffe.

V wie VERDUN: Der Name der Stadt im Nordosten Frankreichs wurde zum Inbegriff für die Sinnlosigkeit des Krieges. Im viermonatigen Stellungskrieg 1916 um die französische Festungsanlage starben für wenige Meter Geländegewinn auf beiden Seiten zusammen etwa 700 000 Mann. Verdun wurde für eine ganze Generation von Franzosen und Deutschen zum Trauma.

W wie WEIMARER REPUBLIK: Eine parlamentarische Demokratie löste 1918 das Kaiserreich ab. Nach dem Ort der Verabschiedung ihrer Verfassung benannt, war die Republik von inneren und äußeren Problemen belastet. Radikale Kräfte von Links und Rechts sowie viele alte Eliten lehnten sie ab. Die harten Auflagen des Versailler Friedensvertrags erschwerten den Neuanfang. Der Todesstoß für die Republik war Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

Y wie YPERN: Am 22. April 1915 setzten die Deutschen Giftgas erstmals großflächig gegen französische Stellungen nahe der belgischen Stadt Ypern ein. Das Chlorgas aus über 5000 Stahlflaschen verätzte die Atemwege der Gegner. Fast 1200 alliierte Soldaten kamen ums Leben. Die Überlebenden hatten oft mit lebenslangen Folgeschäden zu kämpfen.

Z wie ZIMMERMANN-DEPESCHE: Am 16. Januar 1917 sandte der deutsche Staatssekretär des Äußeren, Arthur Zimmermann, dem Botschafter in Washington ein verschlüsseltes Telegramm. Er unterbreitete darin Vorschläge für ein deutsch-mexikanisches Bündnis zulasten der USA. Das Telegramm wurde von den Briten entschlüsselt. Am 6. April des Jahres erklärte Washington dem deutschen Kaiserreich den Krieg.

 



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