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Deutschland, digital, sozial: Computer sezieren die Sprache der Wahlprogramme

(Trier/Garching) Mehr als eine Viertelmillion Wörter stecken in den Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien. Die bevorzugen laut einer Studie offenbar bestimmte Schlagworte - welche das sind, hat ein Sprachwissenschaftler mit einem computerbasierten Verfahren ermittelt.
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Die Ausgangsidee ist simpel: Man nehme die Programme der im Bundestag vertretenen Parteien CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke, entferne alle Formatierungen, wandle dann die Wörter in ihre Grundform (Lemma) um und ermittle mittels Schnittmenge die Begriffe, die in ALLEN fünf Wahlprogrammen vorkommen. Im Fall der Analyse von Computerlinguist Thomas Zastrow bleiben so von ursprünglich über 240.000 Wörtern etwas mehr als 2000 übrig, darunter Eigennamen, Substantive und Adjektive: Begriffe wie "Deutschland", "kirchlich" oder "Euro". Die lassen sich miteinander vergleichen - etwa um erkennen zu können, welche Wörter in den Texten besonders häufig genutzt werden.

Damit kennt sich Wissenschaftler Zastrow, hauptberuflich im bayerischen Garching im Rechenzentrum der Max-Planck-Gesellschaft tätig, bestens aus: Er hat in Trier Computerlinguistik und Politik studiert, seine Promotionsarbeit drehte sich um neue Methoden in der Dialektometrie (Untersuchung geografisch benachbarter Dialekte auf Ähnlichkeiten).  In einer früheren Analyse zählte Zastrow, wie häufig bekannte Politiker in den Medien genannt wurden - oder gar nicht.

Das sich hinter diesen Zahlenspielen mehr als nur eine Spielerei verbirgt, zeigen die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung. "Man könnte sagen, dass sich die gängige Einteilung der Parteien auch in der Sprache ihrer Programme wiederfindet", sagt der Sprachexperte. So bilden CDU und FDP eine gemeinsame Gruppe ähnlicher Wörter. Zu ihnen stehen im Gegensatz SPD und Grüne sowie etwas weiter entfernt die Linke. Mit Ausnahme der Linke fallen in allen Parteiprogrammen die Begriffe "Deutschland" und "Mensch" am häufigsten - bei der Linke steht "Mensch" hingegen vor "Deutschland", aber hinter "Linke". "Europa" oder "Familie" werden durchgehend nicht so häufig verwendet. Das Adjektiv "digital" nutzen alle Parteien, im Vergleich aber vor allem die CDU (über 40 Mal). "Frei" hat hingegen offenbar die FDP abonniert, und Die Linke kann die Demokratie offenbar nicht hoch genug schätzen (über 70 Erwähnungen im Vergleich zu den 20 bis 30 bei anderen Parteien). Die Zahlen stellen aber keine Wertung dar, sie zeigen nur die Häufigkeit dieser Begriffe an - nicht mehr und nicht weniger.

"Wenn ein Begriff sehr häufig vorkommt, ist er auch für seine Autoren wichtig", glaubt Zastrow. Seine erst Anfang September veröffentlichte Analyse hat der Wissenschaftler kontinuierlich in seiner knapp bemessenen Freizeit ausgebaut. Nutzerfreundlich sind die verschiedenen Visualisierungen des Materials: Da kommen Schlagwortwolken zum Einsatz, Balkendiagramme oder eine räumliche Anordnung ähnlicher Werte.

Die Untersuchungsmethode sei nicht neu, sagt Zastrow, aber beliebig erweiterbar. Warum beispielsweise nicht die Schriften von Autoren vergleichen, um sprachliche Ähnlichkeiten zu entdecken? Der Sprachliebhaber ist selbst offen für Anregungen auch zur Bundestagswahl - wer eine Idee hat, kann sich an ihn wenden.

Link: Computerlinguistische Analyse der Wahlprogramme 2013

Wahl-o-Mat auf volksfreund.de

Link: Wahl-o-Mat auf volksfreund.de
 

Wahlprogramme der im Bundestag vertretenen Parteien (PDF-Format)
CDU  
SPD
FDP
Bündnis90/Grüne
Linke
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