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Vom 5. bis 9. Oktober 1950 trafen sich im Kloster Himmerod 15 Militär-Experten zu einer Klausurtagung, um die deutsche Wiederbewaffnung vorzubereiten. Ihre Mission war streng geheim, man hatte den Mönchen verboten, die Namen der Gäste – wie üblich – an deren Zimmertüren anzubringen. "Allein der damalige Abt war unterrichtet", erzählt der heutige Klosterchef Bruno Fromme. Die Beschäftigung mit militärischen Fragen stand noch unter Strafe. Nur gut zehn Jahre zuvor war der von Deutschland ausgegangene Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen, das Land war soeben erst entmilitarisiert worden.
Eingestuft als "geheime Bundessache"
Doch im Juni 1950 hatte Nordkorea Südkorea angegriffen – mit Billigung der Sowjets, wie man im Westen annahm. Angesichts der massiven sowjetischen Streitkräfte in Europa griff Kriegsangst um sich. Die USA hatten im Sommer 1950 die Frage an Kanzler Konrad Adenauer herangetragen, welchen Beitrag die Bundesrepublik zur Verteidigung Europas vor einem kommunistischen Angriff leisten könnte.
Adenauer ließ für Gespräche mit den Alliierten ein Gremium deutscher Experten zusammenstellen, bestehend aus 15 als unbelastet geltenden ehemaligen deutschen Militärs – eben jene, die in Himmerod zusammenkamen. Unter ihnen waren der erste Generalinspekteur der Bundeswehr, Adolf Heusinger, die ersten Inspekteure des Heeres, Hans Röttinger, und der Marine, Oskar Ruge, und der spätere erste deutsche Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa Mitte, Hans Speidel. Sieben spätere Generäle und ein Admiral der Bundeswehr gingen aus dem Kreis hervor.
Sie diskutierten über Themen wie Kriegsgefangenenfrage, Operative Lage, Organisation, Ausbildung – und "Inneres Gefüge". Vor allem dieser letzte Punkt, der in "Innere Führung" umbenannt wurde, nachdem der Spiegel von "Innerem Gewürge" geschrieben hatte, sicherte der Himmeroder Klausurtagung ihren Platz in den Geschichtsbüchern. Die 15 Experten verständigten sich darauf, dass die neue Armee auf einem Gesetz beruhen sollte. Das Problem von Befehl und Gehorsam sollte rechtlich geregelt werden, die Soldaten Grundrechte erhalten und in den demokratischen Staat eingebunden werden, die Bundeswehr kein "Staat im Staate" sein. Die Ergebnisse wurden in der "Himmeroder Denkschrift" zusammengefasst. Sie war als "Geheime Bundessache" eingestuft; heute ist sie im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.
Viele Inhalte der Himmeroder Denkschrift wurden von der Aktualität überholt, doch vor allem in punkto Innere Führung hat sie Aufbau und Gestaltung des neuen deutschen Militärs so stark geprägt, dass sie bisweilen als "Magna Charta der Bundeswehr" bezeichnet wird.
"Ein erfolgreicher Exportartikel" sei aus ihr geworden, sagt Paul Monreal, Generalmajor a.d. der Bundeswehr. Streitkräfte in aller Welt schätzten das Konzept und hätten Elemente davon übernommen.
Der heute 81-jährige Monreal hat einen ganz besonderen Bezug zum Thema. Er lernte die Abtei Himmerod bei Besinnungstagen kennen. Persönliche Verbindungen entstanden. Und eines Tages die Idee: "Lasst uns fortfahren in dem Bemühen, Denkschriften zu produzieren!" 1993 sei das gewesen, erzählt der ehemalige Militär, der in Hürth lebt. Seither treffe sich zwei, drei Mal im Jahr der so genannte Himmeroder Kreis – "16 ehrwürdige Herren", darunter der Trierer Bischof Reinhard Marx, "um über Themen zu brüten". Dabei entstehen weitere Denkschriften – beispielsweise zur Notwendigkeit eines Umbaus von Gesellschaft und Wirtschaft. Die "Ausstrahlung der altehrwürdigen Gemäuer", die bei der ersten Himmeroder Denkschrift so inspirierend gewirkt habe, wolle man sich auch heute zu Nutze machen, erklärt Monreal die Idee.
Wer weiß – vielleicht schreibt irgendwann ja eine weitere Himmeroder Denkschrift Geschichte.
Inge Kreutz


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(ohne Gewähr)