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Schlagersänger und TV-Moderator Guildo Horn hält nichts von der Einteilung in unterhaltende und ernste Musik. «Vorsicht Klassik! Hier kommt die ernste Musik, das ist Unsinn», sagte der ehemalige Grand-Prix-Star in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Singen (Kreis Konstanz).
Dort gibt er am Samstag (17. November) sein Operndebüt. «Alle Musik ist Unterhaltung, die soll den Leuten Spaß machen und den Alltag vergessen lassen», betonte er. In «Leporellos Tagebücher», frei nach Mozarts «Don Giovanni», singt der 44-Jährige den Diener, der die amourösen Abenteuer seines Herrn beobachtet.
Mozarts Musik hält Horn, der mit richtigem Namen Horst Köhler heißt, für grandios. «Mozart ist ein toller Popmusiker», meinte er. «Bei Mozart entdeckt man unheimlich viele Melodien, aus denen später Hits wurden.» Die Kammerversion der Oper «Don Giovanni» stammt vom Ensemble «Operassion» unter der künstlerischen Leitung von Fabian Dobler. Die 2004 gegründete Gruppe hat sich mit neuen Arrangements großer Klassiker in kleiner Besetzung einen Namen gemacht. So soll «Leporellos Tagebücher» mit fünf Solisten und einem Chor sowie mit Videoprojektionen anstatt Kulissen über die Bühne der neuen Stadthalle gehen.
Gesanglich sei die Opernrolle für ihn «eine schöne Herausforderung», sagte der einst als «Meister» verehrte Star, der 1998 mit «Piep piep piep - Guildo hat Euch lieb» beim Schlagerwettbewerb Grand Prix d' Eurovision de la Chanson (jetzt: Eurovision Song Contest) antrat und mit seiner Vorliebe für Nussecken bekannt wurde. Er zeigte sich überzeugt, dass seine Pop-Stimme gut zur Klassik passe. «Die anderen Sänger sind klassisch ausgebildet, aber ich werde da schon meinen Mann stehen.» Ohnehin komme es in erster Linie auf die Darstellung an. Er könne auf seine Erfahrung auf Musical- und Theaterbühnen wie bei den Antikenfestspielen in seiner Heimatstadt Trier zurückgreifen. «Dass da einer starr auf der Bühne steht und Arien trällert, das ist Muckibuden-Singen, das interessiert sowieso niemanden», fand er.
Die Opernrolle betrachtet der Musiker, dessen Karriere als Frontsänger der Band «Die Orthopädischen Strümpfe» begann, auch als Möglichkeit, sich gegen Etiketten zu wehren. «Ich spiele mit meinem Klischee, aber ich will es nicht immer reproduzieren, sondern was lernen und mich an neuen Sachen messen», sagte der Sozialpädagoge, der für seine TV-Talkshow mit Behinderten «Guildo und seine Gäste» den Medienpreis «Bobby 2007» des Vereins Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung gewonnen hat.
Bei «Leporellos Tagebücher», einer 90-minütigen Produktion mit kleinem Budget, mache er aus Leidenschaft mit, nicht wegen des Geldes. Skeptiker beruhigte er. «Wir machen Mozarts Stück nicht kaputt, auf der Bühne werden keine Kaninchen geschlachtet». Vielmehr versprach er: «Wir werden ein sehr schönes Ding auf die Bühne zaubern.»
Gespräch: Gisela Mackensen, dpa
