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08.02.2010 Drucken | Artikel versenden | Leserbrief

Uran macht Bitburgs Trinkwasser teurer

Von unserer Redakteurin Dagmar Schommer
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Kostbarer Rohstoff: Eine neue notwendige Aufbereitungstechnik, die radioaktives Schwermetall herausfiltert, sorgt für steigende Trinkwasser-Kosten. Foto: dpa
Richtig rund läuft es bei der Wasserförderung im Königswäldchen nicht. 2006 wurde einer der beiden Tiefbrunnen bei Sanierungsarbeiten so stark beschädigt, dass er nicht mehr zu reparieren war. Da im Königswäldchen mit den Hochbehältern und einer Aufbereitungsanlage, die dem Wasser unter anderem Eisen entzieht, bereits wichtige Infrastruktur für die Fördermenge von zwei Brunnen steht, entschlossen sich die Stadtwerke, den nötig gewordenen neuen Brunnen dort zu bohren. "Zwei bis drei Millionen Euro hätte es ansonsten gekostet, diese Infrastruktur an anderer Stelle zu errichten", sagt Stadtwerke-Chef Rolf Heckmanns. Zudem ließ sich so auch ein jahrelanges Verfahren zum Erwerb von Wasserrechten vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass das Wasser aus dem Nachbar-Brunnen mit Uran belastet ist. Mit um die zehn Mikrogramm pro Liter - der Wert, nun Richtwert wird (siehe Extra). Als der Uran-Gehalt des Bitburger Wassers dann im März 2008 bekannt wurde, war die Brunnen-Bohrung schon in vollem Gang und die Werke hofften, den Wert durch Mischen mit dem Wasser aus dem neuen Brunnen zu senken. Daraus wird nichts: Das Wasser des neuen Brunnens ist mit mehr als 20 Mikrogramm Uran pro Liter sogar noch stärker belastet. "Das war nicht abzusehen. Zwei nebeneinanderliegende Brunnen können völlig verschiedene Werte haben. Wir hätten auch anderswo Pech haben können. Das ist ein Lotteriespiel", sagt Heckemanns.
 
Kein Problem mit Uran hat die Bitburger Brauerei: "Für unsere Produkte verwenden wir nur Brauwasser aus eigenen Brunnen. Wie von dem unabhängigen Institut Fresenius festgestellt wurde, sind unsere Biere und Mischgetränke frei von Uran", sagt Werner Wolf, Sprecher der Geschäftsführung.
 
Die Stadtwerke brauchen nun eine Anlage, die das Uran herausfiltert, bevor das Wasser aus dem neuen Brunnen ins Netz darf. Kosten: rund eine Million Euro - genauso viel hat bereits die Brunnen-Bohrung gekostet. Die Werke erwarten eine hundertprozentige Förderung vom Land. Wegen der gestiegenen Betriebskosten rechnen die Werke damit, dass der Wasserpreis von derzeit 1,30 Euro pro Kubikmeter steigt. Um wieviel, ist offen. In der Verbandsgemeinde Bitburg-Land kostet ein Kubikmeter Wasser 1,65 Euro.
 
Auf die Frage, ob er noch Bitburger Wasser trinken würde, antwortet Werk-Chef Heckemanns: "Ja, ich habe es 30 Jahre lang getrunken. Ich bin in Bitburg groß geworden. Die Grenzwerte-Geschichte ist selbst unter Experten sehr umstritten."
 


EXTRA Leitwert - Grenzwert: Es gibt keine einheitlichen Leitwerte für Uran im Trinkwasser. Nach Weltgesundheitsorganisation sind bis 20 Mikrogramm (ein millionstel Gramm) Uran pro Liter "gesundheitlich lebenslang duldbar". Bei der amerikanischen Organisation EPA sind es 30 Mikrogramm pro Liter. Das Umweltbundesamt will den Leitwert von zehn Mikrogramm zum Grenzwert machen. Grenzwerte sind anders als Leitwerte gesetzlich bindend.


Meinung: Bohr-Pech
Ob das Debakel bei der Brunnen-Bohrung im Königswäldchen absehbar war, können nur Experten beantworten. Nachdem man sich aber für den Standort Königswäldchen entschieden hat, war es zumindest die wirtschaftlich günstigere Variante, das Projekt durchzuziehen. Ein neuer Brunnen hätte statt der zwei bis zu drei Millionen Euro gekostet - Urangehalt ungewiss. d.schommer@volksfreund.de 

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