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Kunst kann Grenzen aufbrechen

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Frieden kann groß und stark sein. So groß und stark wie ein Elefant, sagt Rose Marie Gnausch. Für die in Kinheim (Kreis Bernkastel-Wittlich) lebende Künstlerin ist der Elefant das Friedenssymbol schlechthin. Viel mehr als die Taube, die wegfliegt, wenn man sich ihr nähert. Mit einem internationalen Kunstprojekt, in dem der Elefant im Mittelpunkt steht, hat Rose Marie Gnausch eine Friedensaktion initiiert. Auf der in den türkischen und griechischen Teil getrennten Insel Zypern wird sie am 9. Mai in der Hauptstadt Nikosia auf beiden Seiten der "Green Line" eine Parade an "Friedens-Elefanten" aufstellen.
 
Der Elefant lebt friedlich in Gemeinschaft, er beachtet und respektiert seine Umgebung. Rose Marie Gnausch ist fasziniert von diesem Tier, das seine wahre Größe nicht unter Beweis stellen muss. Vielleicht kann der Elefant sogar zu etwas mehr Frieden in der Welt beitragen.
 
Seit zwei Jahren arbeitet die Künstlerin an dem internationalen Kunstprojekt "Go Ganesha Go", das nun am 9. und 10. Mai in Zypern startet. Das Projekt ist benannt nach der hinduistischen Gottheit "Ganesha", die oft als Elefant dargestellt wird und in der Mythologie für Weisheit und Veränderung steht.
 

Jeder kann sich beteiligen


 
Rose Marie Gnausch hat Menschen aus der ganzen Welt für ihre Friedensaktion gewinnen können. Denn jeder, so ihre Intention, kann sich beteiligen. Jeder, ob Kind oder Erwachsener, ob Künstler oder Laie, kann einen Elefanten basteln, malen, zeichnen, formen, fotografieren oder einen Gegenstand in Form eines Elefanten beisteuern. Menschen aus Neuseeland, aus Kanada, aus den USA, Österreich, Polen und anderen Ländern haben ihr ihre Kunstwerke zur Verfügung gestellt. Und auch viele Gruppen und Einzelpersonen aus der Region haben sich von der Begeisterungsfähigkeit der 40-jährigen Künstlerin anstecken lassen. Unter anderem beteiligen sich die Grundschulen Altrich und Morbach, die Akademie Kues, eine Oberstufenklasse des Gymnasiums Traben-Trarbach, der Kindergarten Kinheim und die Klinik Moselhöhe in Bernkastel-Kues an dem Projekt. Sechs Patienten haben im Rahmen der Ergotherapie teilgenommen.
 
Sie schufen einen Elefanten aus Pappmaschee und Gips. Der Wittlicher Künstler Ralf Pauly macht mit, ebenso die 83-jährige Elisabeth Fries aus Greimerath bei Wittlich. Sie hat einen Elefanten gestrickt, Brigitte Saugstadt aus Wien einen getöpfert. Ein Zahnarzt aus dem Hunsrück wollte gar einen Mähdrescher zum Elefanten umbauen, scheiterte aber an den Transportschwierigkeiten. Viele Hundert Objekte sind so zusammengekommen. Die meisten wurden bereits nach Zypern verschifft.
 
Kunst kann etwas bewirken, ist sich Rose Marie Gnausch sicher - vor allem dann, wenn sich der Künstler nicht in seinem Elfenbeinturm eingräbt, sondern andere dazu bringt nachzudenken, ja sich sogar selbst aktiv zu beteiligen.
 
Rose Marie Gnausch hat sich nie im Elfenbeinturm eingeschlossen. Das zeigt ihre bemerkenswerte Vita. Ein Jahr war sie Lehrerin für Französisch und Politik, dann ging sie nach Südfrankreich, um in Aix-en-Provence Kunst zu studieren. Es folgte ein mehrjähriger Aufenthalt in New York. Dort studierte sie Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Moderne und zeitgenössischer Kunst. Sie lehrte Kunstgeschichte an Universität Famagusta auf Zypern, war Mitarbeiterin der Documenta in Kassel und arbeitete im pädagogischen Dienst des Guggenheim Museums und des Museums of Modern Art in New York.
 

Den Lehrerjob aufgegeben


 
Vor drei Jahren kam sie an die Mosel und ging noch mal in die Schule - als Kunstlehrerin am Gymnasium Cochem und später am Gymnasium Traben-Trarbach. Den sicheren Lehrerjob hat sie vor zwei Jahren aufgegeben, um sich ganz ihrem Projekt "Go Ganesha Go" zu widmen und mehr Zeit fürs Malen zu haben. Oft sind es abstrakte Werke. Bilder, jeweils in einem Farbwert gehalten, die die Sinne berühren sollen. Rose Marie Gnausch sagt: "Im Sinne von Kandinsky verwende ich Farben als Sprache der Seele. Frei von Formen haben sie einen direkten Zugang zum kollektiven Unterbewusstsein. Sie erfüllen die Hoffnung, grenzenlos zu sein."
 
"Jeder Mensch ist ein Künstler", sagte vor über 20 Jahren Joseph Beuys. Ganz in diesem Sinne versteht Rose Marie Gnausch ihr Kunstprojekt, die feststellt: "Seit der Moderne geht die Kunst ihre eigenen Wege. Getrennt vom Publikum entwickelt sie ihre Eigendynamik. Der Kunstmarkt boomt. Die Kunst bietet noch Werte, für die man sich einsetzen kann, Werte, in die man investieren kann. Doch zwischen Kunstwelt und Mensch ist schon vor Jahrzehnten eine große Kluft entstanden." Und ein weiterer Aspekt ist der in Haan/Rheinland geborenen Künstlerin wichtig: Kunst sollte kultivierte Werte beinhalten, ebenso Genuss und Lebenskraft. Gnausch: "Kunst sollte einladend sein und eine geöffnete Tür haben für alle Menschen." Das internationale Kunstprojekt - auch Tanz, Performance und Lasershows sind willkommen - soll nicht auf das geteilte Zypern beschränkt bleiben. Es soll, so der Wunsch der Künstlerin, wandern in andere Krisenregionen der Welt.
 
Winfried Simon
 

 

 
Extra
 
Die Künstlerin Rose Marie Gnausch zu ihrer Kunstaktion "Go Ganesha Go" auf der Insel Zypern: Das Projekt "Go Ganesha Go" ist ein Projekt, das auf der Insel Zypern beginnt. Es kann aber auch in anderen geteilten Krisenregionen der Erde, zum Beispiel in Israel/Palästina, Irland/Nordirland oder Südkorea/Nordkorea fortgesetzt werden. 2004 trat Zypern der Europäischen Union bei. Doch ein juristisches Dilemma begann. Europa nahm eine geteilte Insel mit ins Boot. Eine Teilung, die wir in Deutschland erlebt haben. Das Kunstprojekt "Go Ganesha Go" wurde in Berlin entwickelt. Das Projekt trägt die Kraft des friedfertigen, sanften Großen, des Elefanten. Der Elefant widerspricht der landläufigen Meinung, dass die Großen zwangsläufig die Kleinen verdrängen. Die Mauer, die Teilung Deutschlands wurde ohne Waffengewalt überwunden. Dieses friedliche Ereignis in Form eines internationalen Kunstprojekts in die noch geteilten Gebiete der Welt zu tragen, ist Sinn und Ziel von "Go Ganesha Go".

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