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Daun/Gerolstein
2300 Vulkaneifeler in einem Wartezimmer? Alles Statistik!

Daun/Gerolstein. Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Landesamts lässt einen die eigene Heimat völlig neu begreifen. Sei es in der Schule oder im Straßenverkehr. Umso interessanter wird es im Vergleich mit dem Nachbarn. Hier folgt eine kleine Gegenüberstellung der Vulkaneifel und des Eifelkreises Bitburg-Prüm.


Fläche und Wohnen
„Es ist ein weites Feld“, sagte Theodor Fontane im Roman Effi Briest. Nun ja, er meinte nicht unsere hügelige, raue und charakterstarke Heimat, aber die Eifel ist es wirklich – landwirtschaftlich gesehen.

Wer an einem Frühlingstag mit offenem Fenster von der Vulkaneifel  in den Eifelkreis Bitburg-Prüm fährt, der könnte zunehmend die Nase rümpfen. Stichwort Gülle. Denn der Eifelkreis ist deutlich landwirtschaftlicher geprägt als die Vulkaneifel.

52,6 Prozent des Eifelkreises werden landwirtschaftlich genutzt. Mit mehr als 55 Prozent landwirtschaftlicher Nutzung der Fläche ist die Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld die ruralste Gemeinde des Landkreises Bitburg-Prüm, die VG Speicher (41 Prozent)  die am wenigsten landwirtschaftlich geprägte. Von den insgesamt 163 000 Hektar (ein Hektar sind 10 000 Quadratmeter) sind mit etwas mehr als 7800 Hektar  rund fünf Prozent besiedelt im Eifelkreis.

Industrie und Gewerbe machen 0,7 Prozent aus, Sport und Freizeit 1,3 Prozent.

Bei der etwa 91 000 Hektar großen Vulkaneifel sind mit etwas mehr als 5000 Hektar ebenfalls fünf Prozent besiedelt. Industrie und Gewerbe machen 0,6 Prozent, Sport und Freizeit 1,6 Prozent der Kreisfläche aus. 41,7 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt.  Dabei ist die VG Hillesheim  (48 Prozent) die landwirtschaftlich geprägteste Gemeinde und die VG Gerolstein (32 Prozent) die am wenigsten rural geprägte des Landkreises. Landwirtschaftliche Betriebe gibt es 655 dort. Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei machen wirtschaftlich in der Vulkaneifel nur 1,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus. In Bitburg sind es, entsprechend der größeren Fläche, doppelt so viel mit 3,4 Prozent des BIP.

Der Eifelkreis wächst, die Vulkaneifel schrumpft

Und wie steht es um Wohnungsbau? Die Häuslebauer im Eifelkreis sind um einiges emsiger: Wird in der VG Gerolstein prozentual am meisten gebaut in der Vulkaneifel mit 4,3 neuen Wohnungen pro 1000 Einwohner,  sind es lediglich 2,5 Wohnungen pro 1000 Einwohner im gesamten Landkreis Vulkaneifel.

In der Stadt Bitburg werden hingegen 7,2 Wohnungen pro 1000 Einwohner gebaut, durchschnittlich sind es im Landkreis Bitburg-Prüm 3,5 Wohnungen - eine mehr als bei den Vulkaneifelern. Manchmal hängt der Wunsch des Eigenheims auch mit dem Nachwuchs zusammen – beim Bevölkerungswachstum schaut es ähnlich aus: Die Vulkaneifel erlebte von 2006 bis 2016 einen Bevölkerungsrückgang um 3,8 Prozent. Der Eifelkreis hingegen wuchs in diesem Zeitraum um 2,7 Prozent Einwohner. Das erklärt sich wie folgt: 935 Lebendgeborenen standen in Bitburg 1052 Verstorbene entgegen.

In der Vulkaneifel fiel der Saldo noch schlechter aus. 486 Lebendgeborenen standen dort 836 Gestorbene entgegen. Der positive Wanderungssaldo von Weg- und Zuzügen von 327 konnte dies nicht ausgleichen. Im Eifelkreis war der Wanderungssaldo zuletzt auch deutlich größer – mit 1008 auf der Haben-Seite.

Gesundheit

Wie ist die gesundheitliche Versorgung in den beiden Landkreisen? In der Vulkaneifel gibt es 106 frei praktizierende Ärzte einschließlich Zahnmedizinern.  Das ist in absoluten Zahlen gesehen der geringste Wert in Rheinland-Pfalz. Kein Grund, gleich zum Hypochonder zu werden: Der Wert normalisiert sich in Relation zur Einwohnerzahl. Die Vulkaneifel liegt im Mittelfeld: Auf einen Allgemeinmediziner kommen 741 Einwohner. 735 Einwohner sind es im Schnitt aller Landkreise in Rheinland-Pfalz.

Besonders eng wird es wohl in der VG Kellberg: Dort müssen sich  rein statistisch über 2300 Einwohner ein Wartezimmer teilen. Auf  eine Apotheke kommen im Landkreis Vulkaneifel rund 4600 Einwohner. Das ist ebenfalls ein hinterer Mittelfeldplatz im Vergleich zum landesweiten Schnitt von rund 4300 Einwohnern pro Apotheke.

Im Eifelkreis gibt es insgesamt 140 frei praktizierende Ärzte. Auf einen Allgemeinmediziner kommen dort rund 900 Einwohner. Damit schneidet die Vulkaneifel ein gutes Stück besser ab als der Eifelkreis. Im Bitburger Land ist die Quote mit mehr als 2500 Bürgern pro Allgemeinmediziner ebenfalls schlechter als in der VG Kelberg, der Kommune mit den geringsten Werten in der Vulkaneifel.

Haben die Eifelkreis-Bewohner ihr Rezept aber erst einmal in der Hand, dann kommen sie gleichwohl bei der Apothekendichte leicht besser weg. Hier teilen sich ungefähr 4200 Bürger ein Pharma-Geschäft, demnach 100 weniger als in der Vulkaneifel. Der marginale Unterschied sollte aber auch bei knappen Aspirin-Vorräten kein Kopfzerbrechen bereiten.

Verkehr

Knapp 63 000 Autos sind im Eifelkreis zugelassen, Stand 1. Januar 2017. Die Dichte ist mit 643 Autos pro 1000 Einwohner überdurchschnittlich hoch. In den anderen Landkreisen des Landes sind es im Schnitt 604 Autos pro 1000 Einwohner.

Bei den Straßen liegt der Eifelkreis sogar landesweit ganz vorne. Nirgends gibt es so viele Kreis- (755 Kilometer) und Landesstraßen (614 Kilometer).

Der Grund liegt wohl im hohen Bedarf der Bewohner, denn der Eifelkreis ist zum einen der flächengrößte Kreis des Landes und gleichzeitig der mit der geringsten Einwohnerdichte pro Quadratkilometer. Von A nach B ist hier oft ein bisschen weiter als andernorts. Für die meisten Eifeler sind das Auto und ein gutes Straßennetz damit eine dringende Notwendigkeit.

Rund 39 000 Autos waren im Landkreis Vulkaneifel zugelassen. Das waren 646 pro 1000 Einwohner. Bei den Kreisstraßen (348 Kilometer) und Landesstraßen (328 Kilometer) liegt die Vulkaneifel weit hinter dem Eifelkreis. Flächenmäßig ebenfalls mit rund 911 Quadratkilometern – und es gibt deutlich weniger Einwohner mit etwa 62 201.

Und wie sicher ist es auf den Straßen? Die Straßen im Eifelkreis Bitburg-Prüm sind ein gefährlicheres Pflaster als die der Vulkaneifel. Im Eifelkreis gab es 2017 insgesamt 408 Verkehrsunfälle, sieben Menschen kamen dabei ums Leben. Deutlich weniger waren es in der Vulkaneifel mit 221 Unfällen und drei Menschen, die dabei starben.

Bildung

„Bildung ist das höchste Gut, das wir unseren Kindern bieten können“, sagte schon der Musiker Cat Stevens. Da lohnt doch ein Blick auf die Zahlen: Im Eifelkreis gibt es immer weniger Schüler. Waren es 2007/2008 noch rund 12 700, fiel der Wert in den letzten Jahren stetig, zuletzt 2017/2018 auf nur noch 10 300. Das sind knapp 20 Prozent weniger. Bei den Einschulungen pro 1000 Einwohner liegt der Eifelkreis mit neun genau  im Schnitt des Landes Rheinland-Pfalz.

Im Eifelkreis verlassen weniger Jugendliche die Schulen ohne Berufsreife (5,8 Prozent) als im Landesdurchschnitt (6,7 Prozent) und mehr Schüler mit allgemeiner Hochschulreife (36,6 Prozent) als der Schnitt aller Landkreise (36,2 Prozent). Das ist überdurchschnittlich gut.

Naturgemäß gib es im Eifelkreis am meisten die Schulform der  Grundschule (32), dann folgen die Realschulen (6) und die Gymnasien (6). Die meisten Schüler besuchten 2017 gleichwohl das Gymnasium mit rund 3400.

Der Schwund an Schülern zeigt sich in der Vulkaneifel noch deutlicher als im Eifelkreis:  Die Anzahl fiel von 2007/2008 (8300 Schüler) bis 2017/2018 (6000 Schüler) um knapp 28 Prozent.

Auch Schultütenverkäufer sollten dadurch sinkende Umsätze haben: Bei den Einschulungen pro 1000 Einwohner (8) schneidet die Vulkaneifel etwas schlechter ab als der Eifelkreis (9).

Die Erfolgsquoten der Schulen verlaufen jedoch ähnlich: Nur 5,8 Prozent der Schüler verlassen die Schule ohne Berufsreife. Bei der allgemeinen Hochschulreife überholt überholt die Vulkaneifel den Eifelkreis um eine Nasenspitze. 37,6 Prozent erlangen diese dort.

Auch in der Vulkaneifel gibt es als häufigste Schulform die Grundschule (17), allerdings mehr Realschulen plus (6) als Gymnasien (3). Die meisten Schüler gingen 2017 auch in der Vulkaneifel auf ein Gymnasium (knapp 2000).