| 11:36 Uhr

Kollegah und Farid Bang
Echo-Ärger um Düsseldorfer Rapper

Düsseldorf. Für den Musikpreis sind die Rapper Kollegah und Farid Bang nominiert, denen Antisemitismus vorgeworfen wird. Klas Libuda

Erneut gibt es Ärger um den "Echo": Für den Musikpreis sind die Rapper Kollegah und Farid Bang aus Düsseldorf nominiert - die aber sind wegen womöglich antisemitischer Texte höchst umstritten. Ein Ethik-Beirat soll die Vorwürfe jetzt prüfen.

Stand vor einigen Jahren noch die Echo-Nominierung der Band Frei.Wild im Zentrum einer Debatte um nach rechts offenen Rock, ist nun eine Diskussion um zwei Rapper entbrannt, denen Gewaltverherrlichung und Antisemitismus vorgeworfen wird. Wenn am 12. April die Echos in Berlin verliehen werden, könnten auch die Rapper Kollegah und Farid Bang ausgezeichnet werden. Die Düsseldorfer stehen in den Kategorien "HipHop/Urban National" und "Album des Jahres" zur Wahl - wenn sie nicht vorab noch von der Nominiertenliste gestrichen werden. Gestritten wird um ihr Album "Jung, brutal, gut aussehend 3". Denn Mittleres ist unbestritten.

Darum hat sich nun der Ethik-Beirat des Echo nach einer Anfrage der "Bild"-Zeitung eingeschaltet. Der Rat, der aus sieben Vertretern unter anderem der Kirchen und der Lehrerschaft besteht, soll den Song "0815" prüfen, der auf einer Bonus-Edition des Albums erschienen ist.

Songtext: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen"

In dem Song rappt Farid Bang: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen." Auch auf der regulären Albumfassung gibt es zahlreiche Tabubrüche, im Song "Eines Tages" rappt Kollegah etwa über sein Durchhaltevermögen: "Denn ich hielt den Kopf hoch wie ein ISIS-Rebell." Dass das Album ungeprüft unter den Echo-Favoriten landete, liegt am Nominierungsverfahren. Ausgewählt werden für den Preis des Bundesverbandes der Musikindustrie jene fünf Platten, die in den vergangenen zwölf Monaten am meisten verkauft wurden. Erst über den Gewinner entscheidet auch eine Jury mit.

Der Ethik-Beirat hingegen wird nur nach Hinweisen von Dritten eingesetzt. Installiert wurde der Beirat nach der Debatte um die Tiroler Band Frei.Wild, der seit Jahren rechte Tendenzen vorgeworfen werden und die 2013 für den Echo nominiert wurde. Damals sagten andere Künstler daraufhin ihr Kommen ab, bis die Veranstalter Frei.Wild von der Liste strichen. "Die Frage ist, ob bei dem Track ,0815' die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Äußerungen überschritten wurde", sagt Echo-Geschäftsführerin Rebecka Heinz zur Diskussion um Kollegah und Farid Bang. Indiziert wurde deren Album durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nicht - das wäre ein Ausschlusskriterium für den Echo.

"Die Sprache des Battle-Rap ist hart, und verbale Provokationen sind ein typisches Stilmittel", sagt Heinz. Auch die Rapper berufen sich auf die Eigenheiten des Genres, in dem Grenzüberschreitungen zum ständigen Handwerkszeug gehören. Bei seiner Auschwitz-Zeile handele es sich demnach "um einen harten Battle-Rap-Vergleich und nicht um eine politische Äußerung", schreibt Farid Bang bei Facebook. "Denn wir distanzieren uns von jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten." Kollegah fühlt sich gleichfalls missverstanden, in einem Video kritisiert er, dass einzelne Zeilen aus dem Kontext gerissen würden.

Der Fall berührt die Frage um die Einheit von Werk und Künstler, weil Rap von Tabubrüchen und Überbietungsgesten lebt, zugleich aber ein strenges Authentizitätsgebot gilt. "Es geht immer auch um ,Realness'", sagt der Musikwissenschaftler Dietrich Helms von der Universität Osnabrück, "aber wenn Rapper auf solche Vorwürfe reagieren, merkt man, dass sie eigentlich nur spielen wollen."

Tatsächlich wird auch anderen Rappern immer wieder Antisemitismus vorgeworfen, das Twitter-Profil von Bushido etwa zeigt seit Jahren eine Landkarte des Nahen Ostens, auf der Israel ausradiert ist. Und Kollegah operierte auch in früheren Songs mit antisemitischen Stereotypen. 2016 reiste er zudem ins Westjordanland und ließ sich von einem Kamerateam begleiten. Der mehr als einstündige Film ist bei Youtube als Dokumentation bezeichnet und tendenziös und einseitig geraten.

Kollegah verbreitet in dem Video etwa ungeprüft die Geschichte eines palästinensischen Kindes, das von Israelis abgeholt worden sei. In einer anderen Szene posiert er mit einer aufblasbaren Rakete vor einem israelischen Wachturm.

Für die Echo-Veranstalter wird das keine Rolle spielen, allein die Musik wird nun überprüft. "Wir werden uns aber für das kommende Jahr natürlich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern unser internes Frühwarnsystem verändert werden kann", sagt Echo-Geschäftsführerin Heinz.