Neuss
Oratorium in der Christuskirche mit großer Wirkung

Exklusiv | Neuss. "Die sieben Worte Christi" kamen gestern als Meditation zum Karfreitag zur Aufführung. Das Gotteshaus war voll besetzt.

Viele, viele Jahre ist es her, dass die Ministranten der Pfarrei Christ König am Berliner Platz nach der Karfreitagsliturgie noch irgendwo eine Cola trinken wollten. Sie mussten die ganze Stadt durchlaufen bis zum Omnibusbahnhof - heute Platz am Romaneum -, um ein offenes Lokal zu finden. Längst hat die Gastronomie den Karfreitag zu einem überwiegend profanen Feiertag gemacht. Dennoch sind die Kirchen gut besucht, wenn sie zur Todesstunde Christi seines Leidens und Sterbens gedenken. Eine besondere Erinnerungskultur pflegt die Kantorei der evangelischen Christuskirche, die seit vielen Jahren mit einer "Karfreitagsmusik" zu weiterer Betrachtung einlädt.

Gestern hatte Kantorin Katja Ulges-Stein zu einem besonderen Kleinod eingeladen: "Die sieben Worte Christi" am Kreuz von Théodore Dubois (1837 - 1924) zählt in Frankreich zu den bekanntesten Passionsmusiken. Nach der Uraufführung 1867 wurde dieses großartige Oratorium in der Pariser Kirche Ste. Madeleine bis zum Jahre 1965 an jedem Karfreitag aufgeführt. Dass es in Deutschland relativ unbekannt blieb, lag vor allem am lateinischen Text und am großen Orchester. Die Kantorei wählte eine Fassung für Orgel (Stefan Palm), Harfe (Uta Deilmann), Kontrabass (Michael Meyer-Etienne) und Pauken (Patrick Andersson). Das reichte vollkommen aus, um die dramatische Stimmung in Tongemälden zu zeichnen, zumal die Instrumentalisten auf der Empore mit dem Dirigat vor dem Hochaltar exakt zurecht kamen. Dort stand der Chor, der in seinem ersten Einsatz "Kreuzige ihn!" die Dramatik wirkungsvoll aussingt. Die Kantorei war ausgezeichnet vorbereitet, steigerte vierfach mühelos den Spott "Wenn du Gottes Sohn bist" und blieb dabei eine homogene Gemeinschaft.

Im gleichen Chor glänzten auch die Männerstimmen mit einem Solo. Die sieben letzten Worte Christi entstammen den vier Evangelien des Neuen Testamentes. In sie führt eine "Introduktion" ein, die von Xenia von Randow (Sopran) kaum wirkungsvoller hätte gestaltet werden können. Auch ihr "Stabat Mater" musste in chromatisch sauberem Abstieg die Mitfeiernden in voll besetzter Christuskirche anrühren. Ferdinand Junghänel (Tenor) überzeugte mit angemessen schlankem Ton, während Achim Hoffmann seinen mächtigen Bass gelegentlich zu rustikal einsetzte.

In kurzen Meditationen kommentierte Pfarrerin Kathrin Jabs Wohlgemuth das Geschehen. Sie setzte bewusst dem dramatischen Bericht Dubois' alle christliche Hoffnung entgegen: "Noch ehe Jesus stirbt, hat er für uns den Tod überwunden." Sie bat auch darum, nicht zu applaudieren - so konnte das intime Chorgebet zum Schluss in würdevoller Stille verklingen.

(Nima)