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Interview mit Jürgen Hengst
Weckruf für ganz Krefeld

"Uerdingen hat etwas, was andere Rhein-Städte wie Köln nicht haben: eine unverbaute Sicht auf die rechtsrheinische Seite", sagt Jürgen Hengst. Er ist Bezirksvorsteher der Rheinstadt Uerdingen.
"Uerdingen hat etwas, was andere Rhein-Städte wie Köln nicht haben: eine unverbaute Sicht auf die rechtsrheinische Seite", sagt Jürgen Hengst. Er ist Bezirksvorsteher der Rheinstadt Uerdingen.
Exklusiv | Krefeld. Uerdingens Bezirksvorsteher spricht über die Rheinstadt und ihre unverbaute Sicht auf den rechten Niederrhein.

Ist Uerdingen gut aufgestellt?

So könnte das Rheinufer aussehen, wenn Rheinblick realisiert würde.
So könnte das Rheinufer aussehen, wenn Rheinblick realisiert würde.

Jürgen Hengst Ich finde schon. Die Vereine in Uerdingen sind sehr aktiv und gut organisiert, so dass ich als Bezirksvorsteher da wenig Arbeit habe. Das merke ich auch immer wieder, wenn ich bei einer Jubiläumsfeierlichkeit oder Ähnlichem anwesend bin und Einblicke in das Vereinsleben bekomme.

Allerdings fehlt vielen Vereinen ein alternativer Veranstaltungsort, nachdem das BayTreff nun geschlossen ist.

Hengst Leider hat Covestro, als Eigentümer des BayTreffs, keinen Bezug zu Uerdingen und entsprechend wenig Interesse, in dieses Gebäude zu investieren. Alternativen zu finden, ist nicht so leicht. Bei ganz großen Veranstaltungen bietet sich dann die Aula des Berufskollegs Uerdingen an. Für mittlere Veranstaltungen allerdings suchen wir noch nach Alternativen. Um die Vereine bemüht sich sehr der so genannte Kümmererkreis, der von Mario Bernards betreut wird, den Leiter des Nachbarschaftsbüros Chempunkt. Meiner Erfahrung nach klappt die Zusammenarbeit mit den Vereinsmitgliedern ausgesprochen gut.

Wie ist Ihre Einschätzung, wird für die Jugend in Uerdingen genug getan?

Hengst Es wird schon einiges getan: Das Jugendzentrum Jojo funktioniert sehr gut und ist entsprechend beliebt. Die Skateranlage in der Nähe des Berufkollegs wird gerade saniert. Ich fand es gut, dass die Verwaltung in dieser Sache die Jugendlichen direkt angesprochen und nach ihren Wünschen gefragt hat. Wir suchen aber weiterhin im Stadtbezirk nach Angeboten für Jugendliche.

Über feiernde Jugendliche und deren Hinterlassenschaften auf der Unteren Werft wird immer wieder Klage geführt.

Hengst Darauf sind wir im Kommunalen Handlungskonzept Uerdingen eingegangen. Die Untere Werft ist jedoch als Hafengebiet in der Verantwortung des Rheinhafens.

Uerdinger fühlen sich nicht als Krefelder, und Krefeld hat wenig Bezug zu seinem Stadtteil am Rhein. Hat sich daran etwas geändert?

Hengst Daran hat sich auf jeden Fall etwas geändert. Ganz entscheidend auch durch das Engagement von Martin Linne und Uli Cloos, die den Wert des Rheins für Krefeld erkannt und Projekte wie die Rhine Side Gallery initiiert haben. Vorher hat sich kaum jemand in der Krefelder Verwaltung für die Rheinnähe interessiert. Dabei hat Uerdingen etwas, was andere Rhein-Städte wie Köln nicht haben: eine unverbaute Sicht auf die rechtsrheinische Seite.

Diese Sicht wird auch dem Projekt Rheinblick zugutekommen. Welche Bedeutung hat es für Uerdingen?

Hengst Es hat nicht nur für Uerdingen, sondern für ganz Krefeld eine enorme Bedeutung. Rheinblick könnte der Weckruf für die gesamte Stadt sein und für weitere große Investitionen ausschlaggebend werden. Deshalb gilt für die Planungen, die jetzt kurz vor einer Entscheidung stehen: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit! Das stößt manchmal vielleicht bei dem einen oder anderen auf Unverständnis, ist aber unbedingt notwendig, da es sich um ein sehr sensibles Thema handelt, das vor allem den Chempark berührt: Das Projekt muss als nicht emittierendes Mischgebiet im B-Plan ausgewiesen und auch gesichert werden. Das ist wichtig, da der Chempark ansonsten Klagen vonseiten der Rheinblick-Anwohner befürchten würde.

Fühlen Sie sich als Uerdinger?

Hengst Auf jeden Fall. Allerdings weiß ich, dass ich der erste Bezirksvorsteher bin, der nicht in Uerdingen geboren ist. Das hat für viele Uerdinger durchaus auch heute noch eine Bedeutung. Ich identifiziere mich aber mit der Rheinstadt.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN BÄRBEL KLEINELSEN UND OTMAR SPROTHEN

(RP)