Neuss
Weil der Mensch Schmerz ertragen muss

"Durch den Schmerz" ist der Titel der drei Figuren, die für Martin Hensel einen menschlichen Zustand symbolisieren, der durchlebt werden muss.
"Durch den Schmerz" ist der Titel der drei Figuren, die für Martin Hensel einen menschlichen Zustand symbolisieren, der durchlebt werden muss.
Exklusiv | Neuss. Bis zum 5. Juni stellt Martin Hensel die Ensembles "Durch den Schmerz" und "Abendmahl" in der Christ-König-Kirche aus. Sie verdeutlichen den Prozess der Schmerzverarbeitung und zeigen, was zwischen Menschen entstehen kann. Julia Schüßler

Bis zum 5. Juni stellt Martin Hensel die Ensembles "Durch den Schmerz" und "Abendmahl" in der Christ-König-Kirche aus. Sie verdeutlichen den Prozess der Schmerzverarbeitung und zeigen, was zwischen Menschen entstehen kann.

Zwölf Kelche gehören zum Ensemble "Abendmahl", das in der Christ-König-Kirche aufgestellt ist.
Zwölf Kelche gehören zum Ensemble "Abendmahl", das in der Christ-König-Kirche aufgestellt ist.

Ob der Verlust eines Menschen, einer Ideenvorstellung oder aber auch das Zerbrechen der Lieblingstasse: Jeder empfindet Schmerz und durchläuft dabei verschiedene Zustände. Martin Hensel hat diese in Holz geschnitzt und stellt sie gemeinsam mit seinem Ensemble "Abendmahl" bis zum 5. Juni in der Christ-König-Kirche in der Nordstadt aus.

Von rechts nach links - anders als es der Mensch gewöhnt ist - sind die drei Skulpturen zu lesen. "Durch den Schmerz" heißt das Ensemble von Martin Hensel, der grundsätzlich mit Holz arbeitet. "Der erste Impuls ist: Man will den Schmerz loswerden", sagt der Künstler. Wenn der Mensch sich aber gegen den Schmerz wehrt, bleibe er in ihm stecken. In diesem Zustand könne er sich nicht dem Leben und anderen Menschen zuwenden. Der Mensch müsse den Schmerz akzeptieren, sagt Hensel.

Damit beginnt auch das Ensemble: eine aus Holz geschnitzte Person, die sich die Hände vor das Gesicht schlägt, ihre Beine sind bloß schwere, dicke Klumpen. "Wären die Beine ausgearbeitet, hätte es etwas Leichtes. So wird das Feststehende besser verdeutlicht", erklärt Hensel.

Die zweite Skulptur zeigt schließlich den Zusammenbruch beziehungsweise die Hingabe an den Schmerz. "In einem christlichen Kontext könnte man auch sagen ,Der Wille geschieht'", sagt Hensel. Ein langsames Aufrichten verkörpert die letzte Figur. "Der Riss an den Händen könnte als Mangel gesehen werden. Es könnte aber auch symbolisch dafür stehen, dass es nicht immer sofort wieder los gehen kann." Viele neigten zum Aktionismus, obwohl sie noch gar nicht wüssten, wie es weitergehe.

Hensel selber glaubt, solche "ungaren Zustände" ganz gut aushalten zu können und hat selber schon mehrmals diesen Zyklus durchlaufen. Mit den künstlerischen Darstellungen versucht er, seine eigentliche Arbeit zu verbildlichen. Als Trainer für Kommunikation und Konfliktlösungen arbeitet er an zwischenmenschlichen Beziehungen und der Beziehung der Menschen zu sich selber. "Es soll dazu einladen, sich zu reflektieren", sagt Hensel. So habe er auch während seines Coachings Bilder der Dreiergruppe gezeigt.

Auf den Leidensweg Jesu sei das Ensemble natürlich auch übertragbar, aber es sei nicht der ursprüngliche Gedanke gewesen, sagt er. Auch das zweite Ensemble lässt mit dem Titel "Abendmahl" zwar eine christliche Verbindung vermuten, aber: "Es heißt bewusst nicht ,Das Abendmahl'", sagt der Künstler. Der Untertitel ,Das Wesen des Diskurses' sei bisher nirgendwo aufgetaucht. Aber gerade durch ihn zeige sich, dass auch eine andere Interpretation möglich ist.

Die 13 Kelche stehen dabei für Jesus und seine zwölf Jünger, einzelne Personen sind allerdings nicht erkennbar. Viel mehr soll das Teilen im Mittelpunkt stehen, denn der Künstler findet: "Im Grunde ist jeder Mensch auch ein Kelch. Ihm wohnt etwas inne, was er mit anderen teilen kann." Gleichzeitig empfange jeder auch etwas - von anderen und von etwas, was größer sei als man selbst. Das Brot sei ein Symbol für das, was zwischen Menschen entstehen kann.

Die Ensembles sind unverkäuflich, es handelt sich dabei um ein Reiseprojekt, das an verschiedenen Orten präsentiert wird. Den Kirchen überlässt Hensel dabei die Anordnung. Einzige Bedingung: "Es muss intakt bleiben." Wenn der zuständige Pfarrer die Erlaubnis gebe, sei es sogar vorstellbar, dass die Besucher die Anordnung ändern.

Info Friedensstraße 12, bis 5. Juni