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Bunt, tolerant und aus dem Trierer Stadtbild nicht wegzudenken Den schwul-lesbischen Verein Schmit-Z und die dazugehörige Family gibt es seit 22 Jahren. Aus einer winzigen Gruppe Gleichgesinnter ist in 22 Jahren der weitvernetzte schwul-lesbische Verein Schmit-Z mit 300 Mitgliedern geworden.

Sein Anliegen: Aufklärung und Toleranz für ein buntes Trier. Lange falsche Wimpern klimpern im grell geschminkten Gesicht. Auf dem Kopf türmt sich eine Lockenmähne mit glitzernden Spangen. Aus dem Ausschnitt des Traumkleids aus Spitze und hellblauer Seide sprießen Brusthaare hervor. Huch! Diese grazile Diva in High Heels da oben auf der Bühne ist ja ein Mann! Wer schon einmal beim Rosa Karneval in Trier dabei war, kennt diese Bilder.

Das Ereignis ist seit 15 Jahren eine feste Institution im Trier er Veranstaltungskalender und immer ausverkauft. Organisiert werden die Sitzungen vom schwul-lesbischen Verein Schmit-Z. Dessen Mitglieder strotzen nur so vor Kreativität. Deshalb bereichern sie den Trierer Veranstaltungskalender mit grotesk-witzigen Theaterstücken in der Tufa, dem Trierer Christopher Street Day (CSD) und einem Sommerfest auf dem Willy-Brandt-Platz.

Angefangen hat aber alles im kleinen Rahmen Anfang der 1990er Jahre: "Es war die Zeit, in der Aids ausbrach, die Aidshilfe war bereits in Trier aktiv", erinnert sich Alex Rollinger, Geschäftsführer des Vereins Schmit-Z und Mitglied der ersten Stunde. 1993 war es dann so weit. Aus der kleinen Schwulenszene in Trier heraus bildete sich die Schwule Männerinitiative Trier Zentrum, kurz Schmit-Z. Der erste Anlaufpunkt war in der Maximinstraße 11a. Dort blieb der frischgebackene Verein bis 1995, obwohl die Räume schnell zu klein wurden. "In der Öffentlichkeit wurden wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahrgenommen", sagt Rollinger.

Im Juli 1995 wurde dann umgezogen. Die ehemalige Rockerkneipe Musgo in der Mustorstraße 4 verwandelte sich in das Schmit-Z, das heute noch Dreh- und Angelpunkt des schwul-lesbischen Lebens in der Stadt ist.

300 Mitglieder hat der Verein. Ein großer Teil davon sind junge Menschen. Davon träumen viele andere Vereine, denen heutzutage der Nachwuchs ausgeht. "Bei uns geht der Trend zu jungen Mitgliedern, die älteren ziehen sich mehr zurück", erklärt Rollinger. Eins könne er mit Überzeugung sagen: "Wir hatten noch nie ein Problem, unsere Veranstaltungen durchzuziehen. Noch nie musste etwas ausfallen."

Doch der Spaß ist nur eine Seite des Vereinslebens. Schmit-Z gibt zehn Gruppen Raum für ihre Treffen, wie der Transgendergruppe, der Jugendgruppe Route 66 oder der schwulen Gruppe Trier (SchwuFo). Kostenlose HIV-Tests werden angeboten, genauso wie Beratungen. Außerdem gehen Mitglieder an Schulen, um Schüler über das Thema Homosexualität aufzuklären.

Auf die Frage, ob das im Jahr 2015 noch notwendig ist, erklärt Rollinger: "Die Toleranzarbeit hört nie auf. Vor allem der Aufklärungsbedarf in Schulen ist groß." Ein Blick in die Politik genügt. Eine große Errungenschaft war die eingetragene Lebensgemeinschaft. Doch während im Mai in Irland per Volksentscheid für die Ehe von Lesben und Schwulen gestimmt wurde, wird in Deutschland die Gleichstellung der Ehe noch kontrovers diskutiert. Trotzdem findet Rollinger, es sei einfacher geworden. "Ich glaube wirklich, wir haben dazu beigetragen, dass Schwule und Lesben in Trier dazugehören."

Woran das deutlich wird? Die Rosa Sitzung ist bei hetero- genauso beliebt wie bei homosexuellen Menschen. Am Christopher Street Day, der im Juli am Kornmarkt gefeiert wird, - in diesem Jahr war es bereits der zehnte - werden am Rathaus Regenbogenfahnen gehisst. Der Verein darf einen Vertreter in den Jugendhilfeausschuss der Stadt entsenden. Bischof Stephan Ackermann hat mit seinem Besuch im Zentrum Schmit-Z ein Zeichen gesetzt, denn so einen Besuch gab es vorher noch nirgends.

Und die Zukunft? Rollinger lächelt: "Wir sind die erste Generation, die in Offenheit schwul/lesbisch alt werden darf. Das müssen wir auch erst noch lernen."

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