Auf vielen Feldern im Einsatz

Hermann Anell leistete jahrelang Entwicklungshilfe in Afrika. Dann änderte 2002 ein Arbeitsunfall schlagartig sein Leben.

Auf vielen Feldern im Einsatz
Foto: (g_wissen

Seitdem setzt er sich ehrenamtlich in vielen Bereichen für die Trierer Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) ein. All diese Aktivitäten haben den Mann aus Schillingen zum Träger des Bundesverdienstkreuzes gemacht. Für den Rollstuhlfahrer spielt aber auch der Sport eine wichtige Rolle.

Der TV trifft sich mit Hermann Anell in dessen Zuhause in Schillingen. An der Wand hängt eine große Karte des afrikanischen Kontinents. Auf dem Tisch liegt eine DIN A4 große Taktiktafel, auf der ein Basketballfeld abgebildet ist. Und schon dieser erste Eindruck verrät viel darüber, was das Leben des 56-Jährigen prägt.

Afrika - dort hat Anell lange Zeit als Entwicklungshelfer gearbeitet. Als Forstwirt hat er von 1992 bis 1996 in Niger und danach in Ruanda daran mitgewirkt, dass die dortigen Naturwälder nachhaltig bewirtschaftet werden und erhalten bleiben. Auch die Ausbildung von Einheimischen gehörte zu seinen Aufgaben. Die Rückkehr nach Ruanda zu einem weiteren Einsatz hatte Anell im Herbst 2002 bereits fest im Blick, als sich beim Aufenthalt im heimatlichen Hochwald "mein Leben von einer auf die andere Minute schlagartig änderte", wie es Anell selbst formuliert.

Querschnittslähmung, so lautete die niederschmetternde Diagnose nach einem Arbeitsunfall. Seitdem ist der Schillinger auf einen Rollstuhl angewiesen. "Nachdem ich mich mit der Situation abgefunden habe, musste ich mir natürlich überlegen, wie es weitergehen soll. Da ich schon immer ein politischer Mensch war, habe ich mich an der Uni Trier eingeschrieben, um mich weiterzubilden", blickt Anell zurück.

Dort stieß er eines Tages auf einen Aushang, dass im Weltladen, den der Trierer Verein Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) betreibt, Mitarbeiter gesucht werden. Anell meldete sich, "weil ich ja vorher schon mehrere Jahre in Afrika gelebt habe und es für wichtig halte, dass die Produzenten in den Ländern des Südens auch faire Preise für ihre Waren bekommen". Seitdem arbeitet der Rentner an zwei Tagen in der Woche ehrenamtlich im Geschäft in der Pfützenstraße.

Doch sein Engagement bei der AGF beschränkt sich nicht nur auf diese Aufgabe (siehe Extra). So setzt er sich im Arbeitskreis Asyl für den humanen Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland ein. Bei diesem Thema erscheint es Anell aber fast noch wichtiger, "dass nicht an den Symptomen herumgedoktert wird, sondern man die Ursachen bekämpft". Denn zur Flucht werden Menschen wegen Krieg oder wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat getrieben. Deshalb ist es auch Anells Anliegen, sich für eine friedvolle Welt und mehr Gerechtigkeit einzusetzen.

Seine vielfältigen Aktivitäten haben dazu geführt, dass Anell im Frühjahr mit dem Bundesverdienstkreuz dekoriert wurde. "Ich beziehe diese Auszeichnung aber nicht nur auf mich selbst, sondern sehe sie vielmehr als Wertschätzung für die Arbeit in den Vereinen an, in denen ich mich engagiere", betont Anell.

Und was hat es mit der eingangs erwähnten Taktiktafel für Basketballer auf sich? Die Antwort: Nachdem er bis vorige Saison selbst für die Trier Dolphins in der Regionalliga aktiv war, ist Anell aktuell Trainer der dritten Mannschaft der Rollis. Bei der ersten Garnitur, die in der Bundesliga spielt, ist er zudem Assistenztrainer. "Der Sport ist für mich nicht nur wichtig, um fit zu bleiben. Ein wichtiger Aspekt ist natürlich auch der Austausch mit anderen Behinderten, mit denen man über gemeinsame Probleme reden kann", sagt der 56-Jährige.Extra Vielfältiges Engagement

Neben der Tätigkeit im Weltladen und im Arbeitskreis Asyl gehört Hermann Anell als Vertreter des Vereins Arbeitsgemeinschaft Frieden unter anderem dem Arbeitskreis Fujian/China an, der die Partnerschaft Triers mit der chinesischen Stadt Xiamen kritisch begleitet. Er engagiert sich zudem als Trainer beim Projekt "Yes You can! Zivilcourage in Trier". Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wurde Anell in der Laudatio als "rheinland-pfälzischer Weltbürger" beschrieben, der "sich unermüdlich für Frieden und nachhaltige Entwicklung einsetzt und dafür starkmacht, dass Grundwerte und Menschenrechte nicht an geographische oder ideelle Grenzen stoßen." ax

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