Ein Hof, ein Zuhause, eine Großfamilie

Ein Hof, ein Zuhause, eine Großfamilie

Die Tage sind lang. Die Arbeit ist reichlich. Und die Verantwortung groß.

Aber sie wollten es nie anders. Und würden es nie anders machen. Dorothea und Johannes Zunker haben elf Kinder - und würden auf keines jemals verzichten wollen.

Für die Eheleute ist ihre Großfamilie Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Sie bewirtschaften einen großen, modernen Hof mit 120 Hektar Land, 380 Rindern, davon 170 Kühe. Ein anderer Beruf als der des Landwirts kam für Johannes Zunker aus Meckel nie infrage. Schon seine Eltern hatten in dem malerischen Ort im Bitburger Land einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Und noch etwas anderes stand für den heute 63-Jährigen bereits in jungen Jahren fest: "Ich wollte schon immer mindestens vier Kinder." Es sind dann elf geworden. "Ich könnte mir nicht vorstellen, auf eines dieser Kinder zu verzichten", sagt Dorothea Zunker. Eine Frau, die es gewohnt ist, morgens um 5 Uhr aufzustehen, alle Hände voller Arbeit zu haben und erst gegen Mitternacht, nach den letzten Hausarbeiten, müde zu Bett zu gehen - und ein Lächeln in ihren Augen trägt, das keinen Zweifel lässt: Bei allen Entbehrungen, die ein Leben mit elf Kindern bedeutet, ein anderes wäre für die Zunkers nie infrage gekommen. Kennengelernt haben sich die Eheleute vor etwa vier Jahrzehnten.

"Ich wusste ja, wer sie war", sagt Johannes Zunker. Schließlich stammt seine Frau aus dem Nachbarort Idenheim. Aber so richtig gefunkt habe es eben dann an Fastnacht: "Sie hat damals als Bedienung auf der Meilbrück gearbeitet, und da haben wir halt öfter mal dort an der Theke gestanden." Ein Jahr später waren sie verheiratet. Dorothea, eine junge Witwe, die damals bereits eine kleine Tochter hatte, zog nach Meckel ins Elternhaus ihres Mannes, wo sie mit seinen vier Geschwistern, Onkeln und Tanten lebte - bis sie schließlich, da hatten sie schon drei weitere Kinder, ihr eigenes Haus bauten.

Landwirtschaft und Großfamilie - das passt für die Eheleute. Nicht etwa, weil die Kinder viel auf dem Hof hätten mithelfen müssen. "Wir haben denen das immer freigestellt. Nur einer hatte daran wirklich auch ein berufliches Interesse", sagt der Vater, der seit Jahren mit seinem Sohn Christoph den Hof bewirtschaftet. Der 26-Jährige ist das siebte Kind der Familie, das mit dem berühmten Patenonkel Richard von Weizsäcker. Damals, als der Bundespräsident 1989 sein Patenkind besuchte, stand der ganze kleine Ort kopf. Ein Erlebnis, von dem heute liebevoll zusammengestellte Familienalben zeugen. "Es war schon eine große Ehre für uns", sagen die Eheleute, deren jüngstes Kind heute 20 Jahre alt ist, die Älteste 44.

Drei Kinder hatte Dorothea meist gleichzeitig in den Windeln. Die Älteren halfen den Jüngeren beim Anziehen. Und überhaupt waren die Geschwister füreinander da. Beim Kochen wurden die Zutaten in Kilos bemessen, die Hausaufgaben prüfte die Mutter vor und nach der Feldarbeit. Urlaube waren nie drin. "Ich weiß nicht, wie wir das damals gemacht haben", sagt Dorothea, "man muss klar sein im Kopf und wirklich voll dahinterstehen."
Inzwischen haben sie neun Enkel von fünf ihrer Kinder. "Die wollen irgendwie alle nicht mehr als zwei", sagt Johannes schmunzelnd.

Das Leben, das er mit seiner Frau gewählt hat, ist für ihn nur auf dem Dorf und mit Bauernhof denkbar gewesen: "Wir hätten doch in der Stadt niemals eine Wohnung gefunden, die für uns gepasst hätte." Hinzu kommt: Die Kinder der Zunkers konnten spielen. Meist draußen. Kein Fernsehen, Handy oder Internet. "Es war anders als heute, wo die Kinder schon so früh gedrillt werden", sagt Dorothea. Die Eheleute sind glücklich, dass alle ihre Kinder ihren Weg gefunden haben: als Physiotherapeutinnen, Dachdecker und Zimmermann, Altenpflegerin, zahnmedizinische Angestellte, Mechatroniker, Gärtner und eine besondere Tochter, die 22-jährige Elena, arbeitet bei den Westeifel-Werken, die Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigen. Die Zunkers sagen: "Die Familie, das ist unser Leben." Und wer das Glück hat, bei ihnen zu Gast zu sein, kann genau das spüren.Extra

Dorothea und Johannes Zunker aus Meckel haben einen ganzen Stall voller Kinder: Annette (44), Brigitte (37), Martin (36), Maria (32), Carina (30), Anne (28), Christoph (26), Tobias (25), Andreas (24), Elena (22) und Stephan (20). Die vier Jüngsten leben noch heute im Haus der Eltern in Meckel.