Mit Fischers Maathes auf dem Kanapee

Mit Fischers Maathes auf dem Kanapee

Er ist, gleich nach Karl Marx und Kaiser Konstantin, einer der bekanntesten Trierer - jedenfalls in der Stadt selbst: Matthias Joseph Fischer, genannt Fischers Maathes. Der 1822 geborene und 1879 gestorbene Urtrierer hatte den Schalk im Nacken und wurde zur Berühmtheit.

Was würde er wohl sagen, wenn er heute noch mal durch die Stadt spazieren würde? Der TV hat ihn zum Interview gebeten. Durch ein Experiment mit einer neuartigen Zeitmaschine ist es der TV-Redaktion gelungen, Fischers Maathes für einige Tage zurück in sein geliebtes Städtchen Trier zu bringen. Klar, dass Redakteur Michael Schmitz dabei die Gelegenheit zum Interview nicht ungenutzt gelassen hat.

Lieber Herr Fischer. Vielen Dank zunächst dafür, dass Sie uns die Gelegenheit zu diesem Interview geben. Es ist ja nun schon einige Zeit her, seit Sie das letzte Mal durch die Stadt geschlendert sind. Haben Sie Trier denn gleich wiedererkannt?
Fischers Maathes: Oh jao! Wat öss et in Trier ömmer noch su schien! Genau esu schien wie frier! Dä Porta, dään Duum, de Steip' - alles an der selwijer Stell. Doamals sinn mer mit d'r Perds-Chaise iewer de Römerbrück gezoren. Nuren wejen der neumodischer Fortbewejungsmiddel hann die zwai neue Brücke gebaut. Unn dän Duumstaan, dän öß noch ömmer dao, wu en ömmer waor. Wat sinn mier dao als Quäst rumgerutscht!

Was hat sich denn aus Ihrer Sicht seit 1879 am meisten verändert?
Fischers Maathes: Um mir emoal enn Iewerblick ze verschaffen, sinn eich emoal iewer et Franzensknippchi gang und hann iewer dän Hijel geguckt. O Mamopapo! Wat öß dann doa entstann: Legoland am Wasserband!

Viele Leute klagen ja immer über die verdorbene Jugend. Wie sehen Sie das denn?
Fischers Maathes: Wenn eich haut die jung' Leit ön d'r Schischa-Bar hucke sien, dao fällt mer nuren ön: Mir hatten damals och nöt nuren Äppelstückcher ön der Pfeif!

Sie waren ja ein tüchtiger Geschäftsmann, sind im elterlichen Laden in der Brotstraße aufgewachsen, waren später in der Simeonstraße und haben dann einen Kolonialwarenladen in der Hosenstraße betrieben. Wie finden Sie denn das heutige Geschäftsangebot in der Stadt?
Fischers Maathes: Oh Majusebetter! Iewerall de selw' Schilder. Koblenz, Trier, Mainz - iwerall de selw' Geschäfter. Nuren, wenn ich von meinem Geburtshaus ön d'r Bruutstroaß Richtung Süd giehn, da össet mie schien. Awer et komme su viel Leit nao Trier kaafen - so voll waor de Stadt nuren daomals bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 1859.

Wenn Sie heute in Trierer Gastwirtschaften einkehren, so finden Sie recht häufig wieder Viez auf der Getränkekarte. Sie haben sicher schon einen probiert: Wie schmeckt er denn im Vergleich zu früher?
Fischers Maathes: Frijer woar der Viez ja richtisch gammer. Dao hatt' dän Upa jao noch extra de dritt Zänn aogezoren, daomit hän dä kaue' konnt. Haut kann hän die widder draußen laosse'. Da Viez öss so zaahm, datt öß ja baal Fraleitsgescheer. Aawer et öss schien, datt en widder vo' su völll junge Leit getronk gewen göttt.

Politisch standen Sie ja nun eher auf der linksliberalen Seite, auch wenn links zu Ihrer Zeit um 1848 ja gerade erst im Entstehen war. Da müsste es Sie doch regelrecht freuen, dass im heutigen Stadtrat in Trier auch eine Linkspartei vertreten ist, oder?
Fischers Maathes: Eich kann doch neist daofier, datt dä Verstand öm Trierer Stadtrat so unnerschiedlich verdaalt öß. Se sollte mal all nöt eso vill palavern, aawer daofier gucken, datt se watt Richtijes hinkriejen fier ons schien Stadt.

Kannten Sie eigentlich den Karl Marx? Mit seinem Schwager Edgar von Westphalen haben Sie ja zusammen nach der März-Revolution einige Unterlagen im Weißhauswald verschwinden lassen, wie man hört ... Sie müssen wissen, Marx ist doch zu einiger Berühmtheit gelangt seit damals ...
Fischers Maathes: Joa dä Karel dä kaom jao ömmer hinnen ann de Dier bei meinem Papp sei Geschäft unn hat sich doa als Schüler von der Jesuitenschul (Anm. der Redaktion: Heutiges FWG, damals am Standort Jesuitenkiche) sein Tint gekauft, womit hän dann spieter datt Kapital geschriewen hoat. Ich hoa gehört, die Tint hätt noch bis nao London gereicht.

Haben Sie eigentlich die Herren Nikolaus Koch und Nikolaus Philippi kennengelernt? Es sind die beiden, die 1875 das Trierische Anzeigenblatt gegründet und 1878 dann in Trierischer Volksfreund umbenannt haben ...
Fischers Maathes: Mit dännen hann eich bis zeletzt iewer de Demokratie debattiert. Unn die Prinzipien stihn ja heut noch in der Zeitung: "unabhängig, überparteilich".

Es gibt eine Fischers-Maathes-Gaststätte, es gibt Bücher über Sie, Sie sind an einem Brunnen verewigt. Hätten Sie eigentlich erwartet, in Trier zu solch großer Berühmtheit zu gelangen?
Fischers Maathes: Doa kann eich doch neist daofir.

Man dichtet Ihnen ja heut so einiges an Geschichten und Witzchen an - waren Sie eigentlich tatsächlich so ein Witzbold?
Fischers Maathes: Nä - hätt eich meich sonst opgehang?

Wir leben ja hier in der großen Region mit Luxemburg und Frankreich und offenen Grenzen. Was halten Sie denn davon?
Fischers Maathes: Oh, watt hatten mir 1848 hier en Palaver. Vorher de Franzuusen, dann de Preußen. Wie mer die mal raus hatten, dao hatte' mer endlich Ruh in der Stadt. Heut hann rich gesiehn, datt die Franzusen an der Grenz bei Cattennom tatsächlich dao esu e komisch kaputt Kernkraftwerk hann!

Haben Sie denn Angst vor der Zukunft? Was machen Sie denn, wenn so ein Kraftwerk mal explodiert? Wenn die Welt untergeht?
Fischers Maathes: Wenn de Welt unnergieht? Dao gien eich nach Olewig. Dao hann eich noch en Tant.

PS: Bei dem Interview stand ein bekannter Trierer Fischers-Maathes Experte dem Volksfreund hilfreich zur Seite, der namentlich aber nicht genannt werden möchte.Extra

Fischers Maathes wurde am 10. April 1822 in Trier geboren. Sein Vater Johann war Buchbinder und wurde 93 Jahre alt. Seine Mutter Susanne war eine geborene Degen. Maathes war das jüngste Kind der beiden. Er wohnte zunächst in der Brotstraße, später in der Hosenstraße 9. 1852 heiratete er Maria Catharina Meckel, deren Vorfahren aus Ruwer stammten. Ihre Ehe blieb kinderlos, Maria starb bereits am 20. Juli 1870. Maathes war in verschiedenen Branchen als Kaufmann aktiv, betrieb zeitweise einen Zigarrenladen in der Brotstraße, später übernahm er den Kolonialwarenladen seines Schwiegervaters in der Hosenstraße. Er war Mitglied der Karnevalsgesellschaft Heuschreck. Ihm werden viele Witze und Anekdoten nachgesagt - von denen viele aber nicht belegt sind. Fischers Maathes Leben endete tragisch: Im Alter von 56 Jahren erhängte er sich in seinem Laden. An die Tür hatte er zuvor ein Schild gehängt mit der Aufschrift: "Wegen Sterbefall geschlossen." Quelle der Informationen ist die Internetseite www.fischers-maathes.de , auf der viele Informationen rund um das Trierer Original zusammengetragen worden sind. mic