Rüstige Rentner verschönern Hillesheim

Rüstige Rentner verschönern Hillesheim

Unkraut jäten, Beete bepflanzen, Bänke und Geländer streichen und erneuern, mauern, pflastern - und gemütlich zusammensitzen: Die rüstige Rentnertruppe um Klaus Blech (72) bringt seit fast zwölf Jahren ihre Heimatstadt Hillesheim auf Vordermann. Dadurch dürfte die Stadt gut 100 000 Euro gespart haben.

Nach getaner Arbeit sitzt Karl Görres auf der Bank und atmet durch. Das Knie schmerzt, die Arthrose meldet sich - und die Forstarbeit im steilen und unwegsamen Gelände vor der Stadtmauer hat Kraft gekostet: Es reicht. Ich gehe jetzt duschen und dann auf die Couch" sagt der 74-Jährige, nachdem er die Motorsäge zur Seite gestellt hat.

Stundenlang hat er damit Bäume, Sträucher und vor allem die dicken Stränge des Efeus gekappt. Denn die Kletterpflanze hat großflächig die historische Stadtmauer erobert. Und das war Görres und dem weiteren Quartett der Hillesheimer Rentnertruppe, die das Geäst an den Weg schleppen und dort zum Abtransport stapeln, schon lange ein Dorn im Auge.

Oder wie Klaus Blech (72), ehemaliger erster Beigeordneter der Stadt und Sprecher der Truppe, sagt: "Die Stadtmauer muss man sehen können, sie ist unser Wahrzeichen." Gemeinsam mit seinen damaligen Ratsmitgliedern Hubert Renkes und Hermann-Josef Schmitz hat er die Rentnergruppe 2004 ins Leben gerufen. Denn viel Arbeit gab es schon immer, Geld dafür in Hillesheim (wie fast überall) aber nur wenig. Vor allem beim Umbau der alten Markthalle tut sich die Truppe hervor. Nachdem sie von 2007 bis 2008 die neue Toilettenanlage und den Küchenraum - vom Mauern bis zur Elektroinstallation - hergestellt hat, folgten klei-nere Arbeiten und in diesem Frühjahr dann der Bau eines großen Abstellraums.

"Ich gehe davon aus, dass die Stadt durch uns jährlich zwischen 5000 und 10 000 Euro spart", sagt Klaus Blech und fügt ein dickes Lob an das Team hinzu: "Wenn ich anrufe, kommen sie. Das ist top!" "Erzähl nicht so viel, sonst wollen die uns in Gerolstein bald auch noch anstellen. Dann aber nur für den Mindestlohn", spielt Götz Krieger (68) auf das brisante Thema Fusion an. "Er meint nur, dass er unser Chef ist. Deswegen redet er so viel", frotzelt Bernd Schlösser (74) derweil in Richtung Blech. Diese Vorlage nimmt Görres dankend auf: "Ein Chef soll der sein? Zum Trinken müssen wir an den Bach gehen!" "Wir schuften zwar gerne, haben dabei aber viel Spaß", bringt es Norbert Esselen auf den Punkt.

Er ist mit 66 Jahren das Küken in der Truppe, in der inzwischen 18 Leute mit angepackt haben. Zumeist ist es ein halbes bis ein Dutzend, das gemeinsam ma-locht. Neben der Arbeit (siehe Extra) wird das gemütliche Beisammensein großgeschrieben. Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sich die Männer bei Karten und Stubbi. Zudem werden jedes Jahr ein Tagesausflug und ein Grillfest veranstaltet. "Wir machen das für unsere Heimatstadt", sagt Klaus Blech. Von den Bürgern wird das Engagement honoriert. "Wir bekommen öfter Kaffee oder Sonstiges hingestellt und ernten oft Lob", berichtet Esselen. Es lohnt sich also, bei der Truppe einzusteigen. Es gibt aber Bedingungen. Neben - sagen wir - Lebenserfahrung sind das folgende Punkte, die Blech aufzählt: "Man muss Lust auf Arbeit und auf Geselligkeit haben."