Werbeträger Porta Nigra und Karl Marx

Werbeträger Porta Nigra und Karl Marx

Eingefleischte Trierer Lokalpatrioten fiebern dem 1. Februar 2017 entgegen. An jenem Mittwoch bringt die Bundesbank die 2-Euro-Gedenkmünzen mit Porta-Nigra-Motiv im Umlauf.

Das einstige römische Stadttor wird in der "Bundesländer"-Serie Rheinland-Pfalz repräsentieren - nach dem Dresdner Zwinger (2016, Sachsen) und vor dem Schloss Charlottenburg (2018, Berlin). Und das auf sehr repräsentative Art und Weise, denn die Bundesländer-Gedenkmünzen erscheinen seit 2006 in einer Auflage von 30 Millionen Exemplaren. "Unbezahlbare Werbung für Trier", frohlocken Hoteliers und Gastronomen schon jetzt.

Als die Porta erstmals ein Geldstück zierte, dachte niemand an einen positiven touristischen Nebeneffekt. Nach dem Ersten Weltkrieg prägten deutsche Städte, Gemeinden, Kreise und Privatfirmen eigene Münzen, um der Knappheit an Kleingeld entgegenzuwirken. In Trier schafften es außer der Porta (10 Pfennig) weitere Sehenswürdigkeiten wie die Kaiserthermen oder der Hauptmarkt, aber auch Stadtpatron Petrus auf städtische Geldstücke.

Sechs Jahrzehnte später schaffte es erstmals ein Trierer Motiv auf ein Zahlungsmittel, dessen Umlauf nicht regional beschränkt war. 1983 würdigte die Deutsche Bundesbank den 100. Todestag von Karl Marx mit einer 5-DM-Gedenkmünze. Auflage: 8,45 Millionen Exemplare.

Das Marx-Konterfrei auf Briefmarken war zu jenem Zeitpunkt bereits ein alter Hut. Die Sowjetunion hatte 1933, zu seinem 50. Todestag, damit begonnen, den Protagonisten der Arbeitnehmerbewegung auf Postwertzeichen zu verewigen, was bald in vielen kommunistischen Staaten Mode wurde.

Auch das neue Bundesland Rheinland-Pfalz erwies dem großen Sohn der Stadt Trier 1947 die Briefmarken-Ehre. Zur Wiederherstellung des Geburtshauses in der Brückenstraße 10 am 5. Mai 1947 gab es sogar eine Postkarte mit Ersttagsstempel auf der 15-Pfennig-Marke.

Die rheinland-pfälzischen waren wohl die bislang einzigen Marx-Marken, die nicht aus Anlass eines runden Jubiläums erschienen - so wie etwa die der Deutschen Bundespost zum 150. Geburtstag (1968).

Zum 100. Todestag (1983) war selbst Nicaragua mit von der Partie. Das mittelamerikanische Land veröffentlichte gleich zwei Sondermarken: eine mit Marx-Porträt vor dem Palliener Panorama Triers, die andere mit Porträt vor dem Grabdenkmal auf dem Highgate-Friedhof in London.

Briefmarkige Trier-Würdigung auf bundesrepublikanischer Ebene hatte da bereits Tradition. 1958 war eine Sondermarke zur 1000-Jahr-Feier des Marktkreuzes erschienen, im Jahr darauf folgte eine zur 1959er Heilig-Rock-Wallfahrt. Seither rückte die Post Trier noch vier Mal in den Blickpunkt: Zum 83. Katholikentag 1970 und zum Europäischen Denkmalschutzjahr 1975, 1984 zum 2000-Jahre-Stadtjubiläum und 2002. In den letzten beiden Fällen mit Porta-Motiv.

Das Porta-Postwertzeichen von 2002 war keine Sonderausgabe, sondern erschien in der Dauermarkenserie "Sehenswürdigkeiten" und hatte eine Auflage von knapp 120 Millionen Exemplaren - bisheriger Rekord für Treverensia. Und 2018 also schon wieder Porta Nigra. Und im Fall der 2-Euro-Gedenkmünze dürften sich aber auch Sammler mit kleinem Geldbeutel freuen. Denn außer den 30 Millionen Geldstücken, die als Zahlungsmittel dienen, produzieren die fünf deutschen Prägeanstalten voraussichtlich rund 450 000 Exemplare in Spiegelglanz-Qualität, die nie in irgendwelchen Kassen klingeln werden, sondern als Einzelstücke oder im Satz eingeschweißt gleich im Album oder in der Vitrine landen.

Ebenfalls nicht für den Geldumlauf gedacht, dafür aber umso kostspieliger war das bislang jüngste Geldstück mit Trier-Motiv. Die 2009 erschienene 100-Euro Goldmünze "Unesco-Welterbe Trier" hatte einen offiziellen Ausgabepreis von 367 Euro. Heute muss man schon mehr als 500 Euro für ein Exemplar berappen.