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Eine Million Tote in hundert Tagen

Eine Million Tote in hundert Tagen

PRÜM/KIGALI. In Ruanda leben zwei Bevölkerungsgruppen, die Hutu und die Tutsi. Da die Tutsi meist reiche Viehzüchter, die Hutu dagegen ihnen unterstellte Bauern oder Leibeigene waren, bestand seit vielen Jahren ein Konflikt.

Nach der Unabhängigkeit von Belgien 1961 wuchsen die Spannungen zwischen den Hutu und den Tutsi. Die Tutsi wurden von den Hutu immer mehr unterdrückt und Übergriffe und Massaker nahmen zu. Im Ausland bildete sich in diesen Jahren eine Bewegung der Tutsi-Flüchtlinge, die Rwandan Patriotic Front (RPF). Sie wollten die Rückkehr der vielen Tutsi-Flüchtlinge und die Übernahme der Regierung durchsetzen.Im Oktober 1990 rückte die RPF im Nordosten Ruandas ein und besetzte das Land. Jede Offensive der RPF bewirkte sofort ein Massaker an der Tutsi-Bevölkerung. 1993 wurde dann ein Friedensvertrag zwischen der RPF und der ruandischen Regierung unterzeichnet, der eine von der UN-Friedenstruppe unterstützte Übergangsregierung vorsah. In dieser Zeit begannen die privaten Milizen, so genannte Interahamwe, aufzurüsten.

Die große Krise und der Völkermord wurden am 6. April 1994 durch das bis heute ungeklärte Attentat auf das Flugzeug des damaligen ruandischen Präsidenten Habyarimana ausgelöst, der dabei ums Leben kam. Die Hutu sprachen der RPF den Anschlag zu. Kurz danach fing das systematische Ermorden der Tutsi-Bevölkerung und gemäßigter Hutupolitiker an. Weite Teile der Hutu-Zivilbevölkerung wurden in die grausamen und teilweise bestialischen Tötungsaktionen eingespannt, so dass heute rund 566 000 Mittäter bekannt sind. Erleichtert wurde der Genozid auch durch die Vermerke in den Pässen, die noch aus belgischer Kolonialzeit stammten. Damals hatten die Belgier eingeführt, dass im Pass vermerkt wurde, welcher Volksgruppe man angehörte. So konnten die als Viehbauern mit mehr als zwölf Kühen identifizierten Tutsi leicht erkannt und getötet werden. Die Opfer wurden oft grausam durch Ertränken, zu Tode prügeln oder durch Erschlagen hingerichtet und oft mussten Eltern, bevor sie selbst getötet wurden, zuschauen, wie ihre Kinder in Stücke zerhackt wurden. Insgesamt wurden über 800 000 Tutsi sowie viele gemäßigte Hutu-Politiker ermordet.

Die internationale Gemeinschaft hielt sich weitestgehend aus der Sache heraus und gab der Uno-Friedensmission für Ruanda (UNAMIR) kaum Unterstützung. Falls überhaupt Uno-Truppen in Ruanda stationiert waren, waren diese schlecht versorgt. Das einzige westliche Land, das Truppen stellte, war Belgien, das aber nach der Ermordung und Misshandlung einiger seiner Soldaten sein Uno-Kontingent zurückzog, so dass fortan nur noch Truppen aus Entwicklungsländern in Ruanda stationiert waren. Auch wurde der Völkermord in Ruanda oftmals nicht als solcher erkannt und nur als Bürgerkrieg bezeichnet, was zur Folge hatte, dass ein internationales Eingreifen nicht als so notwendig empfunden werden musste.

Das Morden wurde endlich am 4. Juli 1994 durch eine Offensive der RPF und die Einnahme Kigalis beendet.

Friederike Schmidt, Klasse 10n3 des Regino-Gymnasiums Prüm